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Über Treppen, die keine sind und Plätze an der Weser, an die keiner gehen soll

Darum sind die Zugänge zur Weser verwildert

HAMELN. 26 Grad, Sommer, endlich, ab an die Weser. Doch das ist gar nicht so einfach, denn viele Zugänge zum Fluss sind inzwischen sehr verwildert. Wurden diese einfach vergessen? Die Stadt hat eine Erklärung dafür.

veröffentlicht am 20.06.2017 um 17:48 Uhr

Es könnte so schön sein – ist es aber nicht: Die Stufen am Stockhof nutzt mancher als öffentliche Toilette. Foto: dana
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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26 Grad, Sommer, endlich, ab an’ Strand … Ach nee. Wir sind in Hameln, und seit Montag wissen Hamelner, dass es mit einer Beachbar an der Weser wieder nichts wird (wir berichteten). Ganz flexibel lautet der neue Plan: „Dann eben Weser ohne Strand.“

Denn Zugänge zum Fluss gibt es einige, auch auf am östlichen, der Innenstadt zugewandten Ufer. Neben jenen Zugängen, die sich als Trampelpfad an diversen Stellen entwickelt haben, sind die zu finden, die ganz offensichtlich von Menschen gewollt und bewusst angelegt wurden. Dass sie aber heute noch benutzt werden, ist – auch ganz offensichtlich – nicht gewollt.

Zum Beispiel die Treppenstufen am Stockhof: zugewachsen, nur für Kenner oder von der Wasserseite aus sichtbar. Genutzt werden sie – gerne auch von jenen, die am späteren Abend dringend wohin müssen, wenn die öffentlichen Toiletten am Stockhof ab 20 Uhr geschlossen sind.

Etwa 500 Meter weiter Richtung Norden versteckt sich ein zweifacher Treppenabgang hinter inzwischen grünem Eisentor; mit Geländer – für ein Foto mit dem Titel „Natur gewinnt“ ein tolles Motiv.

Abgesperrt: Treppe ans Wasser am Langen Wall. Foto: dana
  • Abgesperrt: Treppe ans Wasser am Langen Wall. Foto: dana
Kein Durchkommen unterhalb der Schusterkanzel. Foto: dana
  • Kein Durchkommen unterhalb der Schusterkanzel. Foto: dana
Abgesperrt: Treppe unweit der Münsterbrücke an der Selbert-Schule. Foto: dana
  • Abgesperrt: Treppe unweit der Münsterbrücke an der Selbert-Schule. Foto: dana

Nach weiteren 500 Metern, etwas unterhalb der „Schusterkanzel“ führt eine Steintreppe hinunter zum Weserufer – weit kommt dort allerdings niemand, es sei denn brusthohe Brennnesseln können ihm oder ihr nichts anhaben. So, wie dort, sieht es entlang der gesamten Böschung aus. Dass das nicht immer so, sondern der freie Gang zum Wasser möglich war, beweisen alte Fotos. Dass die Zeiten sich aber nun einmal ändern, macht Stadtsprecher Thomas Wahmes deutlich.

Die Stufen am Stockhof beispielsweise sind deshalb zugewuchert und kaum zu finden, so Wahmes’ Ausführungen, weil es „keine offizielle Treppe ist“. Sie sei in der zweiten Hälfte der 80er Jahre gebaut worden und damals „ein Element der Ufergestaltung“ gewesen. Dem damaligen Zeitgeist habe das zwar entsprochen, dem heutigen Anspruch genüge das nicht. „Wir hätten ein echtes Problem, wenn da jemand stürzt“, sagt Wahmes und weist auf die Verkehrssicherungspflicht der Stadt Hameln hin. Die Stufen entsprächen keinem Normmaß und seien aus unregelmäßigen Steinquadern. „Wer nicht fit ist, kann das nicht“, sagt Wahmes über die körperliche Verfassung, in der jemand sein müsse, der sich auf die Quader wagt.

Andere Stelle, gleiches Argument: Auch an den durch Gittertore versperrten Abgänge am Langen Wall sei die Verkehrssicherheit nicht gewährleistet. Und unterhalb der „Schusterkanzel“, wo sich einst eine wilde Badestelle befand? Dort versperrt kein Tor den Weg, demnach darf man dort also runter ans Wasser – ließe sich die Böschung dort nicht wenigstens roden? Der Aufwand wäre enorm, entgegnet Wahmes, außerdem müssten Aufwand und Erfolg gegeneinander abgewägt werden, sprich: Würden die Menschen diese Fläche heute überhaupt noch nutzen oder gehen sie nicht ohnehin woanders hin? Eine Antwort darauf gibt es nicht.

Ob eine enge Personalsituation im Bereich „Stadtgrün“ auch ein Grund dafür ist, dass die gesamte Böschung entlang der Kaimauer offensichtlich kaum gepflegt wird? Es seien inzwischen „immense Flächen in Schuss zu halten“, entgegnet Wahmes, stimmt aber zu: „So, wie es ist, entspricht es nicht den Ansprüchen der Menschen.“ Auch nicht jenen in Verwaltung und Rat. Wahmes Blick richtet sich in die Zukunft: Das gesamte Weserufer von der Jugendherberge bis zum Hafen solle überplant werden. Dass die „Weserpromenade“ jetzt auch im Rahmen der Bürgerbeteiligung bei Hameln2030 auf Platz eins der Prioritätenliste gelandet ist, „gibt uns Rückenwind“, sagt Wahmes und kommt auch noch einmal auf die Beachbar zu sprechen: „Nicht jeder hat verstanden, dass an der Weser eine Gesamtplanung angedacht ist“ – das als Grund, warum jetzt keine provisorischen Insellösungen inklusive Rodungen verfolgt werden.

Auf dieser Karte finden sie alle Zugänge zur Weser im Hamelner Stadtgebiet:

Zugänge zur Weser

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