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Kantorei unter Stefan Vanselow mit Werken von Haydn und Mozart

Darauf kann Hameln stolz sein

HAMELN. Seit ihrer Gründung 1947 hat die Hamelner Kantorei unter ihren Leitern Eberhard Grußendorf, Siegfried Steche und Hans Christoph Becker-Foss das Musikleben unserer Stadt entscheidend geprägt. Seit 2015 ist nun Stefan Vanselow im Amt des Kantors tätig, und auf die bisherige Reihe seiner Konzerte kann Hameln wahrhaft stolz sein.

veröffentlicht am 22.04.2018 um 16:03 Uhr

Erstmals singen die Männer auf dem linken Podium in der Marktkirche. Foto: WFX

Autor:

E. W. Holländer
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Nach Ausflügen in die zeitgenössische Literatur stand nun wieder Musik von Haydn und Mozart auf dem Programm. Das Erscheinungsbild der Marktkirche St. Nicolai war zunächst ungewohnt: Mit einer der „Londoner Sinfonien“ von Joseph Haydn, der leider recht selten zu hörenden Nr. 98 in B-Dur, begann das Konzert. Der Chor ließ einstweilen auf sich warten.

Das hier wohlbekannte Ensemble Schirokko, klassisch voll besetzt, bracht das überaus lohnende Stück unter Vanselows präzisem und anfeuerndem Dirigat zum Klingen. Da gab es ein kompaktes, aber immer durchhörbares Klangbild, in dem Blechbläser und Pauken durchaus prunkvollen Anteil hatten. Im langsamen Satz wurde man an Mozarts „Jupiter-Sinfonie“ erinnert, aber es klangen auch Takte der britischen Hymne an. Dass „Papa Haydn“ über viel kompositorischen Witz verfügte, faszinierte im Schlusssatz mit seinen reizvollen Details, den liebevoll stockenden Generalpausen und harmonischen Rückungen. Ein reiner Hörgenuss!

Es gehörte nicht unbedingt in seses Konzert, aber Vanselow hat in zwei Hamelner Schulen ein Projekt mit Schülern erarbeitet: Mozarts „Ave verum“ wurde von den jungen Musikern zeitgemäß modernisiert, sicher ein lobenswertes Unterfangen. Das Ergebnis wurde kurz eingespielt – die älteren Konzertbesucher nahmen es zur Kenntnis. Dann aber füllten sich die Chor-Podeste, und hier gab es etwas Neues: Die Männerstimmen erklangen vom linken Podium und kamen so zu entschieden besserer Wirkung.

Sopranistin Sophia Körber sticht hervor mit ihrem Können und erntet starken Applaus für die Arie „Et incarnatus est“. Foto: wfx Sopranistin Sophia Körber sticht hervor mit ihrem Können und erntet starken Applaus für die Arie „Et incarnatus est“. Foto: wfx

Ein Gipfelwerk der Kirchenmusik erklang: Mozarts große Messe in c-moll, KV 427, die übrigens in Hameln nicht zum ersten Mal aufgeführt wurde. Inzwischen gab es viele neue Fassungen des in Teilen fragmentarisch erhaltenen Werks. Was bleibt: Es ist eine wunderschöne Musik, Mozarts Handschrift ist unverkennbar, zählt zu den Genietaten.

Die Hamelner Kantorei bot wieder einmal eine Glanzleistung. Sie ist längst vom Laienchor zum professionellen Ensemble geworden, singt mit absoluter Präzision, sicherer Intonation, ausgewogenem Klangbild mit klug gesteuerter Dynamik, steigert sich zu Höhepunkten in den grandiosen Fugen. Dass Stefan Vanselow mit kundiger Hand seine Heerscharen im Griff hat, dass sie seiner Leitung akribisch folgen, ist heute eher selbstverständlich. Wer ihn beobachtet, wie er Zeichen setzt, Einsätze gibt, auch mitsingt, der weiß: Es muss gelingen!

Das Werk verlangt vier unterschiedlich eingesetzte Solisten. Die kurze Basspartie wurde hier von Henry Böhm gestaltet, seine sonore Stimme wurde sehr wohl im Ensemble gehört. Schöne Passagen sind dem Tenor zugedacht, hier glänzte Manuel König. Auch die zweite Sopranistin Nadezda Senatskaya hatte solistisch wie im Duet hörenswerte Einsätze. Mozart hat dem ersten Sopran Besonderes zugeschrieben: die Arie „Et incarnatus est“ wurde seinerzeit von seiner Frau Constanze gesungen, und in unserer Aufführung hörten wir die leuchtende Stimme von Sophia Körber. Das war ein Höhepunkt: Herrlichste Musik, empfindsam von Streichern und Holzbläsern begleitet. Nach einer Pause echter Ergriffenheit, brach brandender Beifall für alle Mitwirkenden aus. Vanselow, Chor und Orchester aber wollten ihre Hörer noch nicht in den Frühlingsabend entlassen: Höchst stimmungsvoll erklang als willkommene Zugabe Mozarts berühmtes „Ave verum“ in der Originalfassung.



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