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Für Held-Reisen zahlt sich das Fernbusgeschäft nach Berlin und Hamburg aus

„Da war schon Pioniergeist gefragt“

Hessisch Oldendorf. Sie mischen den Markt der Fernreisen in Deutschland seit 2013 so richtig auf. Und auch ein Unternehmen aus Hessisch Oldendorf macht dabei kräftig mit – es ist das Unternehmen Held-Reisen, das seinen Standort im Hessisch Oldendorfer Ortsteil Langenfeld hat. Im Sommer wurde Held-Reisen zunächst Kooperationspartner von mein „Mein Fernbus“ und arbeitet mittlerweile mit dem fusionierten Unternehmen „Mein Fernbus / Flix-Bus“ zusammen.

veröffentlicht am 01.03.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 17:41 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß
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„Da war schon Pioniergeist gefragt“, erinnert sich Hans-Heinrich Held an die Zeit der Entscheidung. Im April 2013 habe er Gespräche mit mehreren Unternehmen geführt, die mit der Liberalisierung des Reiseverkehrs vor allem der Bahn im Fernverkehr Konkurrenz machen. „Mein Fernbus“ habe damals die kompetentesten Gesprächspartner gehabt und sei das innovativste Unternehmen gewesen. „Im Geschäft mit dem Linienverkehr im Landkreis haben wir keine Perspektive mehr gesehen“, zieht Held nüchtern Bilanz für die Vergangenheit, in der sein Vater im Jahr 1967 das Busunternehmen gründete, als die Dorfschulen geschlossen wurden und die Kinder mit Schulbussen zu den neuen Schulstandorten gefahren werden mussten. Weil das Geschäft im Landkreis nicht mehr gut gelaufen sei, habe er sich entschlossen, ein anderes zweites Standbein neben den Tages- und Mehrtagesfahrten aufzubauen, die er schon seit Jahren als Reiseunternehmen mit Kunden vor allem aus der Region anbiete.

Nur für eine Veranstaltung melden sich regelmäßig auch Fahrgäste aus dem gesamten norddeutschen Raum an – wenn es zum Biathlon-Weltcup nach Antholz in Südtirol geht. Hans-Heinrich Held ist ebenso Biathlon-Fan wie seine Frau Petra und genießt das Spektakel jedes Jahr. „Wir sind eben einer der wenigen Anbieter in Norddeutschland, die diese Mehrtagesfahrt im Programm hat, deswegen haben wir da eine ganz andere Kundschaft.“

Sieben Busse mit 15 fest angestellten Fahrern hat Held derzeit laufen. „In diesem Sommer sollen zwei neue Busse dazukommen“, erläutert er seine Planung – eine Millionen-Investition, denn voll ausgestattet mit WLAN, Steckdosen an jeder Sitzreihe, Toilette, Kaffeemaschine, Snack- und Getränkeangebot sowie einem Onboard-Entertainment zum Abspielen von Filmen kostet ein 52-Sitzer rund 500 000 Euro. Gefahren werden die komfortablen Riesen drei Jahre; dann haben sie rund 900 000 Kilometer zurückgelegt und werden zu einem bereits beim Kauf vereinbarten Preis an den Hersteller zurückgegeben. Vier Busse fahren derzeit auf der Route Hameln–Hannover–Berlin und zurück über Osnabrück bis nach Meppen nahe der niederländischen Grenze sowie von Hameln über Hannover nach Hamburg und wieder südwärts bis nach Jena. „Die Auslastung könnte noch besser sein“, meint Petra Held, „nach Hamburg haben wir etwa 60 Prozent der Plätze belegt. In Richtung Berlin ist die Konkurrenz größer: Da kommen wir derzeit nur auf durchschnittlich 40 Prozent.“

Seit einiger Zeit kann bereits in Hessisch Oldendorf zugestiegen werden. Richtung Berlin ist der erste Halt am Bahnhof in Hameln, danach folgt der Zentrale Omnibus-Bahnhof in Hannover. Ein Zwischenstopp auf der Fahrt nach Berlin wird noch in Peine gemacht, ehe nach vier Stunden und 20 Minuten die Reise am Messegelände in Berlin endet. „Schnelligkeit ist nicht unser Hauptziel“, erklärt Held, „aber wer mit uns von Hameln nach Berlin fährt, braucht nicht umzusteigen und verliert kaum mehr als eine Stunde. Vor allem aber sind wir preiswert“, betont Held und verweist auf die Preisgestaltung. „Das billigste Ticket für Hameln–Berlin gibt es online je nach Nachfrage schon für 15 Euro. Wer sein Ticket am Bus kauft, zahlt auch nur 35 Euro.“ Die Preissteuerung im Online-Bereich unterliegt dem Gesetz von Angebot und Nachfrage. An Wochenenden oder vor den großen Feiertagen sei die Nachfrage meist größer und der Preis entsprechend höher – aber nie sei das Ticket teurer als 35 Euro. Richtung Hamburg liegt die Ticketspanne zwischen 9 und 21 Euro.

Gefahren wird an 365 Tagen im Jahr, auch an Heiligabend und an Silvester. „Das ist schon eine organisatorische Herausforderung. Aber wir haben ein zuverlässiges Fahrerteam“, lobt Held seine Truppe. Er selbst und seine Frau setzten sich nur noch als „Springer“ hinters Steuer.

Und wie rechnet sich das Geschäft bei so niedrigen Preisen? „Flixbus zahlt uns die Betriebskosten für die gefahrenen Routen und erhält einen Teil des Ticketpreises. Der Rest ist unser Gewinn“, gewährt Hans-Heinrich Held einen kleinen Blick in seine Bücher. „Damit können wir gut leben. Deshalb haben wir in unserem Sohn auch bereits einen Nachfolger, der das Geschäft in Zukunft weiter führen wird.“



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