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Ungebetener Besuch in orangefarbener Jacke gibt sich als Mitarbeiter einer Ambulanz aus

Da steht ein Fremder vor der Tür

Hameln. Sie wohnt im Stadtgebiet von Hameln, sie ist 56 Jahre alt und bekam Besuch, den sie gar nicht eingeladen hatte. An einem Tag Ende 2013, „vielleicht war es aber auch schon dieses Jahr“, stand ein Mann in einer leuchtend orangefarbenen Jacke vor ihrer Tür. Er sagte, er käme „von der Ambulanz“ – von welcher genau, sagte er nicht. „Offensichtlich ein Werber oder einer, der sich als solcher ausgab“, sagt die 56-Jährige. Der Mann in Orange zeigte ihr keinen Ausweis und auch sonst erfuhr sie nicht mehr über ihn außer, „dass er sich um Menschen im Alter von 18 bis 70 Jahren kümmert“, erzählt sie. Weil ihr der Besucher nicht geheuer war, wehrte sie den ungebetenen Gast gleich an der Wohnungstür ab. Jemand anderes aus dem Mehrfamilienhaus musste ihn reingelassen haben. Mit den Worten „Tut mir leid, ich habe keine Zeit“, bat sie den Mann zu gehen – und er ging. Das war’s. Die Frau möchte mit ihrem Namen nicht in der Öffentlichkeit stehen, womöglich noch die Aufmerksamkeit auf sich lenken, das will sie nicht. Die 56-jährige Hamelnerin erklärt: „Ich habe mich belästigt gefühlt von dem Typ.“

veröffentlicht am 03.03.2014 um 18:02 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 22:41 Uhr

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Autor:

von Nina Reckemeyer Und Karen Klages
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Auch ihre 80-jährige Mutter öffnete kürzlich jemandem die Tür, auch dieser Mann trug eine orangefarbene Jacke, auch er wies sich nicht aus. Offensichtlich war, dass er etwas wollte, nur was, das sagte er nicht. Die 80-Jährige erhielt lediglich die Information, dass er sich um Menschen in der besagten Altersspanne kümmere. Als ihm die ältere Dame dann ihr Alter mitteilte, verlor er aber das Interesse und ging. „Meine Mutter glaubte, er wäre vom Roten Kreuz, gesagt hat er das aber nicht“, berichtet die Hamelnerin. Von einer Bekannten aus Afferde, ebenfalls schon etwas älter, hat sie neulich zufällig das Gleiche gehört. Auch ihr wurde ein Besuch abgestattet, allerdings gleich von zwei Herren in auffälligen Jacken. Kurzum: Begegnungen, die Tochter und Mutter irritieren. Die 56-Jährige meldete sich beim Dewezet-Lesertelefon, um das Thema für die Recherche vorzuschlagen.

Wer also sind die Männer an der Wohnungstür, die ungebeten vorbeischauen, sich verbal nur schwammig erklären – mit den Worten, sie kämen von „der Ambulanz“?

Nachgefragt beim Deutschen Roten Kreuz, stellt sich schnell heraus: Der Ortsverein Hameln wirbt tatsächlich mit Hausbesuchen um neue Mitglieder im Hamelner Stadtgebiet. Das bestätigt Carola Gatt von der Pressestelle. „Ein Herr geht zu den Haushalten. Er muss aber ein Dokument bei sich tragen, mit seinem Foto und der Personalausweisnummer“, erklärt Gatt. In diesem Jahr sei der Werber in Hameln aber noch nicht von Tür zu Tür gezogen. Und orange sind die Jacken des DRK auch nicht. Die Ambulanz Thiedke hat „keine Werber unterwegs“. Anke Thiedke erklärt, dass sie das als privater Hilfsdienst gar nicht machen. Irja Rauhut von den Johannitern bestätigt, dass ihre Hilfsorganisation üblicherweise ebenfalls Werber zu den Haushalten schickt, „aber die dürfen nie Bargeld annehmen, daran erkennt man Betrüger“, sagt sie. Auch Manuela Wollberg von der DRF Luftrettung erklärt: „Wir waren das nicht. „Wir machen keine Verträge an der Tür.“

Der Arbeiter-Samarita-Bund und die Malteser werben ihre Mitglieder gar nicht erst selber. Eine externe Firma übernimmt das. Dies sei schlicht eine Frage der Manpower, heißt es von Dr. Michael Lukas, Sprecher der Diözesan- und Landesgeschäftsstelle des Malteser Hilfsdienstes. Allerdings seien die Externen, die sich „ganz als Malteser fühlen“, eher in den Fußgängerzonen unterwegs oder mit einem Stand vertreten. Ein Akquisemodell, das sich lohne: „Übers Jahr hinweg kommen so über Hunderte als Förderer oder Mitglieder hinzu.“ Von der Geschäftsleitung wurde ihm jetzt bestätigt, dass die Malteser in Hameln nicht werbend unterwegs sein. Dafür erreichte die Redaktion aber noch eine Bitte: „Sollten Ihre Recherchen ergeben, dass die dubiosen Haustürwerber sich als Malteser ausgeben, dann bitte ich um Nachricht, damit wir dagegen vorgehen können“, so Lukas.

Der Hamelner Polizei sind laut Pressesprecher Jörn Schedlitzki bisher drei Fälle, wie ihn unsere Leserin schildert, bekannt. Personalien habe man von den fremden Männern aber bisher nicht ermitteln können. „Die Polizei wurde erst im Nachhinein darüber informiert“, erklärt Schedlitzki. Er rät den Betroffenen in so einem Fall, den fremden Personen sofort die Tür vor der Nase zuzuschlagen und laut um Hilfe zu rufen. „Und rufen Sie die Polizei. Denn das hört sich nach Betrugsmaschen an.“



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