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Spender, Sponsoren und viele DRK-Helfer ermöglichen 150 Bedürftigen zu Heiligabend eine Weihnachtsfeier

„Da fühlt man sich wieder wie ein Kind“

Hameln. Schon kurz nach vier herrscht vor dem DRK-Haus in der Zentralstraße großes Gedränge. Alles möchte hinein zur DRK-Weihnachtsfeier: Ältere, Alleinstehende, aber auch ganze Familien warten in der Schlange vor der Einlasskontrolle. Als Nachweis gilt etwa ein Hartz IV-Bescheid oder die Zulassung zur Hamelner Tafel. „Wir hatten 150 Anmeldungen, und wie’s aussieht, sind die meisten gekommen“, sagt DRK-Vorsitzender Wolfgang Kaiser. Seit September haben der 67-Jährige und knapp 20 Helferinnen und Helfern den Abend sorgfältig vorbereitet.

veröffentlicht am 27.12.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 09:41 Uhr

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Autor:

Ernst August Wolf
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„Vor allem die Bäckereien haben diesmal sehr viel gespendet“, freut sich auch Wilfried Kreutziger. Der ist hauptberuflich Drucker und spielt an diesem Abend als Kaisers „zweiter Mann“ den Weihnachtsmann. Im Keller warten, sorgfältig aufgeschichtet, 165 Geschenktüten auf die Bescherung der Erwachsenen, gleich daneben stehen 35 kleinere bunte Kindertüten. „Für die Festtage haben wir außerdem Lebensmittelpakete gepackt“, erklärt Kreutziger.

Oben haben es sich die Gäste an weiß gedeckten Tischen bei Kaffee und Kuchen gemütlich gemacht. Die Schar der Helfer in roten Weihnachtskostümen hastet unermüdlich hin und her. „Da sind heute viele gute Elfen unterwegs“, stellen Inga B. und Silke S. gerührt fest. Die beiden alleinstehenden Freundinnen: „Hier fühlt man sich wieder wie ein Kind.“

Mit neugierigen Kinderaugen verfolgen auch die vierjährige Somaja, der ein Jahr ältere Wasem sowie Juan und Jian das lebhafte Treiben. Zusammen mit der etwa 30-jährigen Selma Bag sind die Kinder gerade aus Syrien eingetroffen. „Wir sind syrische Christen“, sagt Selma. „Wir wollten uns beim DRK mal anschauen, was es da gibt und wie das funktioniert.“

Der bärtige Ralf Seltmann und Ursula Tadje am Nebentisch lassen sich von Berrit Aster derweil noch einen Kaffee nachschenken. „Bin schon im letzten Jahr hier gewesen“ erzählt der 56-Jährige. Er habe eine unheilbare Krankheit. „Wer weiß, wie oft ich so einen Heiligen Abend noch erleben kann.“ Seine Nachbarin: „Ich bin 60, habe keine Familie und große Angst vor dem Alleinsein. Der blanke Horror.“ „Nein, bloß keine Fotos“, wehrt der Tisch mit einer vielköpfigen Migrantenfamilie ab. Die Schamschwelle sei groß, sagt Kaiser.

Keine Scheu, sein Leben preiszugeben, hat Peter Giesbrecht. Er sei Globetrotter, stamme aus Sibirien, sei 1990 nach Deutschland gekommen. „Erst lief’s gut, da fielen einem die gebratenen Hühner auf den Teller, dann aber …“ Seit 13 Jahren sucht Giesbrecht nun die Freiheit in aller Welt. Ein hartes Leben. Jetzt besuche er mal wieder seine Eltern, die im Landkreis leben. „Eigentlich will ich schon zurück ins System“, gesteht der 41-Jährige.

Um 18 Uhr singt die zehnjährige Wilhelm-Raabe-Schülerin Antonia zusammen mit ihrer Oma Cornelia und der 15- jährigen Katja das „Stille Nacht“. Alle singen mit, mehr schlecht als recht, aber darauf kommt’s nicht an. Als dann der Schweinebraten mit Kartoffelklößen und Rotkohl aufgetragen wird, herrscht Weihnachtsstimmung satt. Klaus Nagel von der Emmerthaler Adentsgemeinde spricht erbauliche Worte, Pastor Martin Hoffmann steuert unterhaltsame Spiele bei, und die selbst arbeitslose Helferin Yvonne Hoheisel ist sich sicher, dass es nichts Schöneres gibt, als anderen zu helfen. Ein Abend fernab jeder Konsumweihnacht. Ein Abend, der manches wieder gerade gerückt und ins Lot gebracht hat.



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