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Zeit-Korrespondent Matthias Naß im „Hamelner Forum“ zum gefährlichsten Konflikt der Welt

Countdown zum Atomkrieg?

HAMELN. Der Empfang einer Delegation aus Südkorea durch den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un verlieh der Veranstaltung eine brisante tagespolitische Aktualität. Gut 50 Zuhörer waren gekommen, um im Rahmen der von der „Volkshochschule Hameln-Pyrmont“ veranstalteten Reihe „Hamelner Forum“ mit dem internationalen Korrespondenten der „Zeit“, Matthias Naß, einen ausgewiesenen Kenner des Korea-Konflikts zu erleben.

veröffentlicht am 06.03.2018 um 14:41 Uhr

Packend und informativ: Matthias Naß von der „Zeit“ mit seiner Einschätzung der aktuellen Weltlage. Foto: eaw
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Autor

Ernst August Wolf Reporter
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Der stellte sein neuestes Buch „Countdown in Korea. Der gefährlichste Konflikt der Welt und seine Hintergründe“ vor.

Das von Naß skizzierte Bedrohungsszenario durch das Streben des nordkoreanischen Diktators nach Atomwaffen ist furchteinflößend. Allein 20 A-Waffentests im Jahr 2017, die Zündung einer H-Bombe mit der 15-fachen Kraft der Hiroshima-Bombe und die Drohung, man könne jetzt auch die Ostküste der USA erreichen, sorgen weltweit für Aufregung und Angst. Matthias Naß erklärt die Motive dieser Politik: „Kim Jong-un will sein Regime und seine Macht rücksichtslos sichern, sich als Atommacht unangreifbar machen.“ Und das um den Preis wachsender internationaler Isolation und lebensbedrohlicher Sanktionen für das nordkoreanische Volk. Ein strategisches Ziel, dass den Diktator in ein machtpolitisches Dilemma und die Welt an den Rand eines Atomkrieges führt.

Die Rolle der Chinesen? Die wollten weder eine weitere Atommacht noch eine Wiedervereinigung der beiden Koreas, und auch ein Zusammenbruch des Regimes sei ebenso unerwünscht wie eine militärische Invasion der USA.

Detailreich, doch verständlich und spannend liest Naß einige Passagen aus seinem Buch, führt die Zuhörer dabei ins Zentrum der Macht der USA, schildert die Hintergründe von Donald Trumps „Fire and-Fury“-Rede, beleuchtet die politischen Hardliner, mit denen er sich umgibt ebenso wie die gemäßigten „Erwachsenen“. Da ist etwa US-Außenminister Rex Tillerson, der einen Präventivschlag nicht ausschließen will, oder Verteidigungsminister James N. Mattes. „Harter Hund, aber vernünftig“, so dessen Einschätzung durch Naß.

Immer wieder wird die Gefährlichkeit des Konflikts deutlich, der die Welt in einenAtomkrieg stürzen kann. Hier die Kompromisslosigkeit eines feudalistisch-totalitären Alleinherrschers, der zwecks Machterhalt ganz im Stil eines spätrömischen Kaisers auch Familienmitglieder exekutiert, dort ein lautstark tönender, unkalkulierbarer US-Präsident, der einen Atomkrieg für gewinnbar hält. Am Ende Betroffenheit im Publikum, das erkennt, dass Kim Jong-un sein politisches Überleben gerade an das knüpft, was der Westen verhindern will.

Die folgende Diskussionspalette ist breit gefächert, reicht von vermuteten Cyberattacken über die Rolle Chinas, der Lage der Christen in Nordkorea bis zum Vergleich mit dem geteilten und wiedervereinigten Deutschland. „Seit 70 Jahren geteilt, was abnehmendes Interesse an einer Vereinigung bedeutet“, stellt Naß fest. Und ein „Wandel durch Annäherung“ wie seinerzeit bei der deutschen Ostpolitik sei kaum vorstellbar. So bleibt die Bedrohung unverändert, ganz gleich ob tags drauf „zufriedenstellende“ Gesprächsergebnisse zwischen den Delegationen aus beiden Teilen der Halbinsel verlautbart werden. Der Countdown in Korea geht weiter und bleibt brandgefährlich, so das Fazit des Abends.



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