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Achte „Komische Nacht“ in Hameln

Comedy Fastfood – „Nein wirklich? Oh!“

HAMELN. Das Rezept des Comedy-Marathons ist so einfach wie erfolgreich. Man nehme: acht Stand up-Comedians der B- und C-Kategorie, acht Veranstaltungsorte und serviere an jedem Ort fünf der Spaßmacher in einem halbstündigen Schnellmenü. Schmackhaftes Comedy-Fastfood gab´s dann auch im des Monopols an der Deisterstraße.

veröffentlicht am 21.04.2017 um 18:02 Uhr
aktualisiert am 22.04.2017 um 13:20 Uhr

Parliert mit leicht hamburgischem Tonfall über Treue im Tierreich: Holger Edmaier mit Bauchrednerpuppe. Foto: eaw
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Ernst August Wolf Reporter
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Umsorgt von Eventmanager Patrik Kleinau und dem Bierzapfer Sergen, der brachte zusammen mit den drei sehr aufmerksamen Wein-Einschenkerinnen Kethy, Saskia und Rieke die gut 60 Gäste im stuckbeladenen Pseudo-Barocksaal schon lange vor Beginn der achten Komischen Nacht kulinarisch in beste Stimmung.

Nach reichlich Roastbeef, Mozarella, Fisch, Käse und diversen süßen Törtchen dann eine norddeutscher Alleinunterhalter mit bayerisch klingendem Namen zum Auftakt. Holger Edmaier parlierte mit leicht hamburgischem Tonfall über Treue im Tierreich, Bonobo-Versöhnungssex, pries, unterstützt von Techniker Niklas, die Vorzüge der Partnerschaft in einem Stimmungslied zum Mitschunkeln und gab noch schnell einige Wursttheken-Erlebnisse zum besten. Aller Anfang ist schwer, der hier war´s besonders. Mit vollen Bauch schunkelt es sich nicht sonderlich gut und auch eine Bauchrednerpuppe konnte da nicht viel helfen.

„Also ich mach´ das nur um runterzukommen“, verriet dann der zweite Entertainer des Abends, nachdem sich noch einmal eine Nachschlagschlange vorm Buffet gebildet hatte. Sebastian Schnoy, vielfacher Buchautor und Spiegel-Schreiber. Einer, der´s statt schenkelklopfend eher politisch anging: Brexit, Tourismus in der Türkei, FKK-Urlaub an der Ostseeküste, langsam tastete Schnoy nach den sensiblen Zonen seines mittlerweile rundum satten Publikums. Oft ging´s dabei bis an den Rand des guten Geschmacks, was dem mit einer Französin verheirateten 47-Jährigen auch schon mal ein SWR-Radioverbot beschert hat. „Mal vom Beckenrand in die Seniorengruppe springen!“, so noch der harmloseste Rat des Komikers in Sachen „deutsches Bravheits-Gen“.

Sebastian Schnoy. Foto: eaw
  • Sebastian Schnoy. Foto: eaw
Marvin Spencer. Foto: eaw
  • Marvin Spencer. Foto: eaw
Berhane Berthane. Foto: eaw
  • Berhane Berthane. Foto: eaw
Marco Brüser. Foto: eaw
  • Marco Brüser. Foto: eaw
Sebastian Schnoy. Foto: eaw
Marvin Spencer. Foto: eaw
Berhane Berthane. Foto: eaw
Marco Brüser. Foto: eaw

Euch Deutschen geht’s so gut, aber ihr seid so unzufrieden, uns geht’s so schlecht, aber wir sind so stolz und froh.

Berthane Berthane, Comedian

Wesentlich publikumsorientierter da schon der medienerfahrene, dunkelhäutige Berthane Berthane. Der prägte mit seinem „Nein, wirklich? Ohh!“ nicht nur den Spruch des Abends, sondern erntete mit seiner Helene Fischer-„Atemlos“-Interpretation in Gebärdensprache lebhaften Applaus. „Euch Deutschen geht´s so gut, aber ihr seid so unzufrieden, uns geht´s so schlecht, aber wir sind so stolz und froh“, brachte der aus Äthiopien stammende, in Heidelberg groß gewordene und in Köln lebende Comedian die Sache auf den Punkt. Überaus einfallsreich seine „indischen Wochen im Fastfood-Restaurant“. Die Ausländerthematik in ausgezeichnete, weil sehr typische Situationen verpackt, das war die formal wohl reifste Leistung des Abends.

Nach nochmaligem Nachschlag am süßen Büfett dann zauberhafte Comedy mit Marco Brüser aus Bremerhaven. Der sammelte den Ehering und das Handy eines Gastes ein, ließ alles verschwinden, doch fand sich nichts in einer an den 58-jährigen Hamelner Gasts Bernd K. überreichten Gummibärchentüte. Gespielter Schreck, dann aber die – eigentlich erwartete – Überraschung, als sich alles wohlbehalten in einer Rolle Chips wiederfand. Der Übergang zu seinen Pilotenwitzen war dann doch fast so holprig wie eine heftige Turbulenz. „Comedy oder Cockpit?“ so Brüsers Devise. Egal, bloß keine Bruchlandung oder Kotztüte mag sich manch übersatter Gast da wohl angesichts von Pilotenweisheiten wie „Wir haben alle den gleichen Himmel, aber nicht den gleichen Horizont“ gedacht haben. Eine Einsicht, die auch für hochfliegende Witzemacher zutrifft.

Zum Schluss gibt’s dann aber doch noch eine echte Punktlandung und ein echtes Sahneschnittchen, auf dem Teller und auf der Bühne. „Das erste Mal hier in Hameln“, so der übergewichtige Marvin Spencer aus Bielefeld. Mit „Tolle Stadt, kaum Ratten“ startete der zu seinem Turbo-Monolog. Das München-Bashing des 34-jährigen Single kam an und der Halbjamaikaner, dessen Mutter „Gene so weiß wie TippEx“ hat, erntete die meisten spontanen Lacher des Abends.

Die Damen vorne links am Tisch sinnierten über Noten, konnten sich aber nicht einigen. „Kann man nicht vergleichen“, so ihr Fazit. Und so bleibt die Komische Nacht Nr. 8 im historischen Saal des Monopols kulinarisch wie künstlerisch absolute Geschmackssache. „War doch für jeden was dabei“ lachten drei Freundinnen an der Ampel vorm Gebäude. „Aber der Bernd in der ersten Reihe, der hat mir schon Leid getan.“ Letzter Lacher des Abends.

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