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Ausverkauftes Jahresabschlusskonzert im Lalu

Coffee House Jazzband: Mitten ins Herz der Jazzfreunde

HAMELN. Auf diesen Augenblick hatte sich Ulrich Schmöe aus Völksen das ganze Jahr über gefreut. Am Ende des ersten der drei Sets durfte der 54-jährige Schlagzeuger zum großen Solo ansetzen. Das dauert mehr als drei Minuten und wurde vom Publikum im ausverkauften Lalu heftig umjubelt.

veröffentlicht am 30.12.2018 um 17:05 Uhr
aktualisiert am 30.12.2018 um 19:20 Uhr

Brillierte durch tolle Improvisationen und viele Soli: Rainer Topp. Foto: eaw
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Ernst August Wolf Reporter
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„I found a new Baby“, 1926 erstmals von den Chicago Rythm Kings gespielt, war Schmöes großer Auftritt beim Jahresabschlusskonzert der Hamelner Coffee House Jazzband. Ein Konzert mit Tradition, denn bereits zum 17. Mal hatte die Formation um ihren Gründer und Posaunisten Alfred Finke zum Konzert „Zwischen den Jahren“ eingeladen. Sehr zur Freude nicht nur von Lalu-Chef Jobst-Walter Dietz. „Sehr gute Resonanz“, schwärmte der auch angesichts der vielen jüngeren Gäste, die sich um die Tische drängten.

Old-Time-Jazz gleich Altherrenmusik? Keineswegs, meinte etwa der Jazzliebhaber und Vorsitzende des Vereins der Freunde des Theaters, Norbert Esser, der sich selbst den Konzertbesuch zum leicht verspäteten Geburtstagsgeschenk gemacht hatte. „Es ist doch großartig, wie viel an Basis da für heutige Musik drinsteckt, etwa bei den Improvisationen. Hier erfahren die Zuhörer, wie sich Jazz so zusammensetzt.“ Und auch Jazzkenner Jürgen Schoormann in der ersten Reihe zeigte sich rundum begeistert. „Das ist nicht durchgestylt, diese lockere Form, in der einer auf den anderen hört und sich die Musiker die Bälle nur so zuwerfen, das gibt es sonst nicht zu häufig. Und ihre Spielfreude ist spürbar und beeindruckend.“ Dennoch glaubt Schoormann, eine mangelnde Resonanz bei Jüngeren auszumachen. „Das ist eben keine intellektuelle Musik, sondern die kommt ganz aus dem Bauch. Die Rockgitarren der 60er und 70er haben dieser Musikform leider den Garaus gemacht. Und außerdem die edlen Verächter in der Musikszene. Dennoch muss sie erhalten bleiben.“

„Verächter“ freilich waren im jubelnden Publikum im Lalu nicht auszumachen. Das genoss einen Jazzabend mit jeder Menge Klassikern und Ohrwürmer wie dem „Basin’ Street Blues“, „Down by the Riverside“ zum Mitsingen, einem faszinierenden „Undecided“ und dem Pop- und Jazzstandard „Ain’t She Sweet“ von 1927, den auch die frühen Beatles noch mit Begeisterung sangen. Filmmusiken, Oldtime-Jazz und Swing-Titel, ein attraktiver Mix. Zudem mit dem Allround-Pianisten Joachim Beuster als diesjähriger Überraschungsgast ein Klavierspieler der Extraklasse, der mit seinem Solo „Moon River“ aus dem Audrey Hepburn-Film „Frühstück bei Tiffany“ glänzen konnte.

Beuster, mal Barpianist, dann wieder Lehrbeauftragter an der Opernabteilung der Musikhochschule Hannover, ein Multitalent, das den Abend bereicherte.

Einen nachdenklichen Moment gab’s, als der Saxophonist Dirk Landwehr mit seinem Solo in „Indian Summer“ an das im August verstorbene Bandmitglied, den Klarinettisten Hans-Jürgen Keese, erinnerte. Alfred Finke, Ulrich Schmöe, Bassist Udo Apportin, Banjospieler Frank Stuckenberg und der einmal mehr brillante Trompeter Rainer Topp bewahrten Keese auf ihre Art ein ehrendes Andenken.



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