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Sinram-und-Wendt-Villa ist seit über 14 Jahren ungenutzt

Charmanter Leerstand

HAMELN. Die Zeichnungen des Maklers versprechen, was die Realität (noch) nicht halten kann. Das eine macht Lust auf das Denkbare, das andere macht offenbar (noch) zu wenig Lust auf irgendetwas, was mit Kaufen und Renovieren zusammenhängt. Es geht um das Haus am Hastenbecker Weg, die Sinram-und-Wendt-Villa.

veröffentlicht am 27.06.2016 um 13:26 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:46 Uhr

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Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Die alte Villa steht und steht, leer, während sich die Welt um sie herum fortlaufend neu gestaltet. Als Sinram-und-Wendt-Villa ist den Hamelnern das Haus bekannt, die Älteren kennen sie noch aus wirtschaftlich besseren Zeiten, als auf dem umliegenden Gelände Kleiderbügel der späteren Firma Union produziert wurden. Die Villa ist das letzte Objekt aus dem alten Bestand der Firma Sinram und Wendt, die einst unter dem Namen „Union“ Kleiderbügel fertigte, und es will offenbar den Eigentümer nicht wechseln. Doch laut Walter Greve, dem das stattliche Haus gehört, gibt es Interessenten.

Das größte Hindernis ist dem Vernehmen nach die Tatsache, dass das Haus unter Denkmalschutz steht. Abreißen geht also nicht, und auch sonst ist zu erhalten, was jetzt als erhaltenswürdig eingestuft wird. Innen ist davon allerdings nicht allzu viel erhalten – „im Prinzip ist es ein Rohbau“, sagt Eckhard Vogelsang von Postbank Immobilien, der sich um die Vermarktung des Hauses kümmert. Angesichts der Details aber, die erhalten wurden, kommt Joachim Schween, Archäologe und überzeugter Denkmalschützer, ins Schwärmen. Über die „feine, filigrane Stuckdecke“ zum Beispiel, die in dieser Form, handgefertigt, heute wohl nicht mehr zu bezahlen wäre. Oder die dunklen, „sehr vornehmen“ Wandpaneele. Auch für die Außenhaut des Hauses am Hastenbecker Weg kann Schween sich erwärmen: für den ockerfarbenen Putz. Dass dieser über all die Jahre an der Straßenfront noch erhalten blieb, sei mittlerweile eine Seltenheit. Optisch unterscheide sich dieser alte Kalkputz, weil er durch das mitverwendete stark kristalline Gestein, das Licht so besonders reflektiere und schimmere. Hinzu komme, dass sich weder Algen noch Flechten daran festsetzten. Auch nach fast 100 Jahren nicht.

An der Eingangstür, die Besucher nicht mittig zwischen zwei Säulen, sondern seitlich versetzt in den Flur lässt, prangt ein schmiedeeisernes N. N, vermutlich wie Niehenke, Rudolf, der 1915 die Geschäftsführung von Sinram und Wendt übernahm. Nach Schweens Wissen muss Niehenke 1926 in die Villa eingezogen sein, als auch das Unternehmen von der Domeierstraße nach Afferde wechselte. Entworfen hatte das Haus laut Schween der Architekt Dencker im Jahr 1921 für den Bauherrn G. H. Schauerte. Gebaut wurde sie also nicht für Sinram und Wendt. Mehrfach wechselte sie noch den Mieter: 1932 lebte der Direktor Slevogt darin, 1936 stand sie erneut zur Vermietung – per Anzeige in der Dewezet.

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  • Der Charme des Alten – um das Gebäude zu nutzen, müsste noch viel investiert werden.
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  • Innenansichten
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  • Innenansichten
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  • Makler Eckhard Vogelsang zeigt auf die Holzpaneele, die in der Villa erhalten sind.
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  • Alte Ansicht der Villa. Dass der Putz an dieser Hauswand noch erhalten ist, freut Joachim Schween, der das Foto zur Verfügung gestellt hat.
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  • Ein N an der Eingangstür gibt Hinweise auf den einstigen Eigentümer.
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Seit 24 Jahren steht die Villa unter Denkmalschutz, und seit über 14 Jahren steht sie leer. Zunächst habe er dort selbst wohnen und arbeiten wollen erzählt Eigentümer Greve. Doch letztlich ist er mit seinem Unternehmen Kontur Bau Vision geblieben, wo er ist. Laut Hamelns Denkmalschützer Michael Voss hätten sich für das Haus schon einige interessiert, die es gerne nur als Wohnhaus genutzt hätten. Das jedoch ist per Flächennutzungsplan ausgeschlossen. Das Gebiet ist als Gewerbegebiet ausgewiesen – wohnen kann in der Villa nur, wer dort auch ein Gewerbe betreibt.

395 Quadratmeter stehen dem künftigen Eigentümer auf sieben Zimmer verteilt zur Verfügung, eine Erweiterung ist möglich, heißt es. Das Grundstück ist über 2000 Quadratmeter groß und verfügt über 23 Parkplätze. 220 000 Euro soll das Objekt kosten – dadurch, dass es unter Denkmalschutz steht, kann ein Käufer von erhöhten Abschreibungsmöglichkeiten profitieren.

Greve ist zuversichtlich, dass sich dort in diesem Jahr noch etwas tun wird. Jetzt sei die Zehn-Jahres-Frist, die sogenannte Spekulationsfrist, abgelaufen, so dass beim Verkauf keine entsprechende Steuer anfällt. Mit verschiedenen Interessenten sei er im Gespräch, erzählt Greve, unter anderem auch mit einem, der dort einen Gastronomiebetrieb plane. Über Details möchte er zu diesem Zeitpunkt noch keine Auskunft geben.



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