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Personalwechsel in der Leitung des Sozialprojekts „Haltestelle“ gefährdet Jugendarbeit in Afferde

Chaotische Zustände sind wieder eingerissen

Afferde. Waltraud Mehring ist besorgt. „Es geht schon wieder los!“, sagt die Ortsbürgermeisterin aus Afferde. Und damit meint sie den Ärger mit Jugendlichen, nicht nur, aber vor allem aus dem Bereich rund um die Leipziger Straße. Bisher waren die in einem Sozialprojekt mit dem Namen „Haltestelle“, gefördert vom Landkreis Hameln-Pyrmont, der Stadt Hameln, der Stiftung Wohnungshilfe der Stadt und der Aktion Kinderhilfe (AkKi), gut aufgehoben. Seit einem Personalwechsel in der Leitung der „Haltestelle“ aber sind nach Aussage der Ortsbürgermeisterin die „teilweise chaotischen Zustände“ offenbar wieder eingerissen.

veröffentlicht am 28.05.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 20:21 Uhr

Larissa Vogelsang (re.) zeigt Abschiedsbriefe, die Kinder und Ju

Autor:

Christa Koch
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Gearngel hinter den Kulissen?

Zum Hintergrund: Zum 1. April hatte bei der „Haltestelle“, dem seit 2005 existierenden offenen Stadtteiltreff in Afferde, Tatjana Bartschke, bisherige Honorarkraft der Einrichtung, Larissa Vogelsang als weitere Leiterin abgelöst. Gemeinsam mit Dr. Juri Sokolski, dem zweiten Vorsitzenden des Vereins für Spätaussiedler und deutsche Rückwanderer (er arbeitet für den SDR und hat eine halbe Stelle für die „Haltestelle“ im Namen des Caritas-Verbandes) und Naima Urunowa (hat ebenfalls eine halbe Stelle für die Caritas, beide sind Pädagogen), führt sie künftig die Geschäfte der „Haltestelle“. Die beiden Mitarbeiter haben vor rund einem Jahr die Nachfolge von Dr. Feyzullah Gökdemir angetreten, der mittlerweile als Integrationsbeauftragter beim Paritätischen in Hameln-Pyrmont arbeitet.

Ganz geräuschlos ist der Wechsel von Vogelsang auf Bartschke allerdings nicht über die Bühne gegangen, vielmehr scheint es hinter den Kulissen gebrodelt zu haben. So führt Lydia Hoffmann, die Vorsitzende des SDR, der gemeinsam mit dem Caritas-Verband Träger dieses Sozialprojekts ist, den personellen Wechsel auf die Tatsache zurück, dass Larissa Vogelsang eine ABM-Stelle innegehabt hatte, die ausgelaufen sei. Deshalb habe der Verein keine andere Wahl gehabt, zumal er auch kein Geld habe. Auch Tatjana Bartschke werde nach einem Jahr – darauf ist die Stelle befristet – ihre Aufgabe wieder abgeben müssen. Hoffmann: „Wir haben keine Möglichkeit gesehen, Frau Vogelsang länger zu beschäftigen. Selbst meine Stelle muss jährlich verlängert werden.“ Aber Hoffmann wirft Vogelsang, die in Zentralasien 18 Jahre als Pädagogin gearbeitet hat, unter anderem auch vor, einen Brief an den Vorstand geschrieben und sich darin beschwert zu haben, dass sie in ihrer Arbeit kontrolliert würde. Die SDR-Vorsitzende fragt: „Welches Ziel verfolgt sie? Will sie dem Verein damit schaden?“

Larissa Vogelsang weist so etwas weit von sich. Erstes, sagt sie, habe sie sich nicht über Kontrollen beschwert. Und außerdem sei zwar ihr Vertrag als ABM-Kraft befristet gewesen, allerdings habe man ihr zugesichert, weiterhin als Honorarkraft arbeiten zu können. Und habe trotz des angeblichen Geldmangels immer neue andere Honorarkräfte, und zwar zumeist ohne pädagogische Erfahrung, eingestellt. „Ich bin eine Bezugsperson für die Menschen dieser Region geworden. Ein ständiger Personalwechsel ist in dieser Arbeit, die auf langen Erfahrungen vor Ort basiert, unverantwortlich und rücksichtslos gegenüber dieser Klientel“, sagt sie.

„Die Kinder brauchen eine Bezugsperson“

So sehen es auch die Ortsbürgermeisterin und die Eltern in Afferde. „Mein Kind war bei Larissa immer in guten Händen“, sagt eine alleinerziehende Mutter über ihren Sohn. Namentlich möchte sie ebensowenig genannt werden wie die anderen, die Larissa Vogelsang den Rücken stärken. „Für Kinder, die so unterschiedlich sind und aus verschiedenen Nationen kommen, ist eine Bezugsperson, die individuell auf sie eingeht, unerlässlich“, meint eine andere Mutter. Ein Vater bestätigt: „Seit Larissa weg ist, geht meine Tochter da nicht mehr hin.“ Grund für die Verweigerungshaltung auch anderer Jugendlicher: Die Bezugsperson fehle, es seien zu viele kleine Kinder in der „Haltestelle“, und dort sei nichts mehr los. Theaterprojekt, Schreibwerkstatt – alles Geschichte.

Die Ortsbürgermeisterin weiß um die Problematik und stellt Vogelsang ein ebenso gutes Zeugnis aus wie die Eltern: Sie habe Hausbesuche bei Schulschwänzern gemacht, habe bei Behördenproblemen geholfen, habe Mädchen zum Gynäkologen begleitet. „Sie hat eine ausgesprochen herzliche Art, kann aber auch energisch sein“, sagen alle Eltern. Vogelsang habe sich bei den überwiegend ausländischen Jugendlichen Respekt und Vertrauen zugleich erworben und deren Fähigkeiten in die richtige Richtung gelenkt.

„Es geht gar nicht um mich, sondern um die Sache“, wiegelt die Betroffene ab. „Wenn so viele Institutionen in das Projekt Geld investieren, dann erwarten sie auch hoch- qualifiziertes Personal.“ Und die Sache – das heißt für sie: pädagogische Arbeit. Die aber sieht sie in ihrer Nachfolgerin nicht gegeben. Tatjana Bartschke, sagt sie, habe vorher im Einzelhandel gearbeitet. Lydia Hoffmann spricht von einem „Technikum“ als Qualifikation – „etwas mehr als Berufsschule“.

Ortsbürgermeisterin für mehr Kooperation

Für Afferdes Ortsbürgermeisterin Mehring, die das Ganze nicht nachvollziehen kann und die sich fragt, warum zum Beispiel, wie immer wieder von ihr gefordert, der städtische Jugendtreff in Afferde nicht stärker mit der „Haltestelle“ zusammenarbeitet, ist jedenfalls eins klar: „Frau Vogelsang muss wieder in ihre alte Stelle. Alles andere hilft uns in Afferde nicht!“



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