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Trotz Verkehr: Selbst in der Deisterstraße steigen die Mieten

Chance auf schick?

HAMELN. Sie ist Rennstrecke, vielbeschriebenes Stickoxid-Nadelöhr, aber auch vielgesichtiges Einfallstor. Als erste Adresse zum Wohnen hat sich die dreispurige Verkehrsader bisher nicht hervorgetan, und doch: Wer sie täglich entlangfährt, kann eine Veränderung wahrnehmen. Ist die Deisterstraße auf dem Weg gentrifiziert zu werden?

veröffentlicht am 05.12.2018 um 15:10 Uhr

Nur zwei Spuren würden der Deisterstraße schon viel helfen, findet ein Anwohner. Foto: doro
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Hier ein saniertes Haus, dort ein ganz neues, am nächsten ein Gerüst. Dazwischen drängen sich Flachbauten, in denen sich türkische und kurdische Supermärkte, Restaurants und Friseure angesiedelt haben. Die Frage, ob „Klein Istanbul“ irgendwann gentrifiziert wird, – also eingenommen von denen, die es sich leisten können, (wie zum Beispiel die schwäbische Erbengenration den inzwischen teuren Prenzlauer Berg in Ostberlin), – darf gestellt werden. Es würde bedeuten, dass die Mieten steigen, dass durch Sanierung oder Umbau die dort ansässige Bevölkerung durch wohlhabendere Bevölkerungsschichten verdrängt wird.

Besonders schick strahlt das alte Hotel Monopol an der Ecke Deisterstraße/Lohstraße, In dem Ärztehaus mit Skybar hat auch Immobilienmakler Thomas Hapke sein Büro. Zusammen mit Fabian Simon hat er ins Monopol investiert. Simon ist außerdem Eigentümer der Häuser Deisterstraße 22 (Ecke Lohstraße) und 29 (Ecke Sandstraße).

Von Verdrängung würde Hapke nicht sprechen; davon, dass die Deisterstraße von einer gestiegenen Nachfrage profitiert, schon. Das sei aber auch am Wilhelmsplatz oder an der Bismarckstraße so. „Die Mieten erhöhen sich generell“, sagt Hapke. An der Deisterstraße lägen sie für große Wohnungen aber immer noch zwischen fünf und sechs Euro pro Quadratmeter, schätzt er. Für die gefragten, kleineren Einheiten könnten es auch schon mal acht bis neun, gegebenenfalls sogar 10 Euro sein.

Im ehemaligen Modehaus Wellner steht nur noch die Gewerbefläche leer. Foto: doro
  • Im ehemaligen Modehaus Wellner steht nur noch die Gewerbefläche leer. Foto: doro

Vermietet seien inzwischen auch die acht Wohneinheiten im ehemaligen Modehaus Wellner, lediglich die Gewerbefläche steht weiter leer. Die im ersten Anlauf von dem Hannoveraner Investor angesetzten neun bis zehn Euro funktionierten Ende 2016 noch nicht. Inzwischen bewegen sich die Preise in der von Thomas Hapke angegebenen Preisspanne.

Etwas weiter stadtauswärts, hinter der Bahnlinie, hat ein Privateigentümer eine Stadtvilla und ein weiteres Haus gebaut und dem Vernehmen nach ebenfalls Mieter gefunden. Auch in den Nebenstraßen ist Bewegung: In der Lohstraße hat die Volksbank nahe der Deisterstraße hochpreisige Eigentumswohnungen verkauft. Schräg dahinter liegt eine hübsche Stadtvilla nahe der Hamel, sie war verkauft, bevor sie am Markt war. Ein Haus in der Falkestraße, in dessen Hinterhof sich früher die Fixer herumdrückten, ist ebenfalls saniert.

Die Häuser, sagt Dr. Michael Zander, ehemaliger Apotheker und Hauseigentümer an der Deisterstraße, seien ohnehin nicht das Problem. Es sei vor allem die Straße. Wenn die nur zwei Spuren hätte, wäre schon viel gewonnen.

Das würde sicher auch den Menschen gefallen, die vielleicht bald – straßenseitig – auf den schönen Balkonen der Deisterstraße 15 sitzen. Projektentwickler Uwe Heinen hat sich des Problemfalls angenommen (wir berichteten) und bereits zwei Wohnungen verkauft. Er möchte dem prächtigen Gründerzeithaus, in dem ihm bis auf drei alle Wohnungen aufgekauft hat (wir berichteten) zu neuem Glanz verhelfen. Mit den Mieten will er es dennoch nicht übertreiben. Er denkt an fünf bis sechs Euro pro Quadratmeter. Für die riesigen Wohnungen liegt er damit genau in dem von Hapke gesteckten Rahmen. Für ihn sei das Haus eh eine Herzensangelegenheit. Der 70-jährige hat das Haus zufällig entdeckt und sich schon in die Fotos verliebt.
Für das Wochenende lädt er alle Interessierten zu einem „Tag der offenen Tür ein“. Neben Informationen rund um die Sanierung gibt es am Samstag, 8. Dezember, und Sonntag, 9. Dezember, von 13 bis 19 Uhr Glühwein, Cappuccino, Waffeln und Bratwurst. Am Samstag unterhält Sabine Krauthäuser mit Salonmusik (Violine), a, Sonntag Georgi Dimitrov mit Kaffeehausmusik am Piano. Darüberhinaus möchte Heinen Künstlern aus der Region ab nächstem Jahr die Gelegenheit geben, auf der „Bel Etage“ des Hauses, also im ersten Stock, ihre Kunst auszustellen.



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