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Erfolgreiche Lobbyarbeit bei der Landesregierung / Dabei reichen Kiesvorräte im Süden Hamelns noch für Jahrzehnte

Cemex-Kieswerk steht hinter Abbauplänen in Tündern

Hameln (wer). Kopfschütteln löst die geplante Expansion der Kiesflächen im Süden Hamelns sogar bei heimischen Abbauunternehmen aus. Nicht allerdings bei der Cemex Kies & Splitt GmbH, die direkt neben der umstrittenen neuen Fläche schürft. Die Cemex begrüßt die Pläne des Landes – immerhin hat man sie selbst angeschoben.

veröffentlicht am 11.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 16:21 Uhr

Vorranggebiete für weiteren Kiesabbau: Ohr I und II existieren l
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Die 30 Hektar seien „geologisch höchst wertvoll“, die Mächtigkeit des Kieses liege hier bei über 30 Metern, argumentiert Peter Graf von Spee, zuständiger Regionalleiter der Cemex AG für das Weser-Ems-Gebiet. Obwohl die eigenen Vorräte im laufenden Abbau bei Tündern nach Angaben Spees noch 15 Jahre reichen, hat die Cemex die Initiative ergriffen und die neue Fläche über den Wirtschaftsverband Baustoffe Naturstein in den Entwürfen zur Neuauflage des Landesraumordnungsprogramms platziert. In der Branche kein ungewöhnlicher Vorgang. Der Wirtschaftsverband selbst macht aus seiner Lobbyarbeit keinen Hehl: Man stehe bei der Fortschreibung des LROP „mit Vertretern der Landesregierung und dem zuständigen Fachministerium in engem Kontakt“, heißt es im eigenen Internetauftritt. An anderer Stelle finden sich dort Fotos mit Umweltminister Hans-Heinrich Sander, der einer „Einladung des WBN zu einer Bootsfahrt auf der Weser gefolgt war“. Auch das Umweltministerium ist an der Änderung des LROP beteiligt.

Dass die Pläne zur Erweiterung eher betriebswirtschaftliche Interessen bedienen als einen übergeordneten Bedarf reflektieren, dafür sprechen allein die Reserven, die noch im Süden Hamelns liegen. Im selben Gebiet wie die Cemex baggert die Luttmann Kies-Union (LKU) aus Emmerthal – und das nach eigenem Bekunden „noch 23 bis 25 Jahre lang“, wie Mitgesellschafterin Elisabeth Luttmann erklärt. Sie widerspricht damit der Darstellung des Landes, nach der „große Teile“ des Vorranggebietes abgebaut seien und die Erweiterung die Produktion am Standort sichere. Der Kiesabsatz sei rückläufig, die „Notwendigkeit einer Erweiterung nicht gegeben“, sagt die Unternehmerin.

Auf der anderen Weserseite, zwischen Ohr, Emmern und B 83, liegt das 52 Hektar große Vorranggebiet „Ohr I“, für dessen Auskiesung der Landkreis bereits grünes Licht gegeben hat. Soll die Genehmigung nicht verfallen, muss der Abbau in den nächsten Jahren beginnen, doch mit Blick auf die Wirtschaftslage sieht Frank-Hermann Gericke vom ehemaligen Kieswerk Gericke (Strabag) noch keinen Handlungsbedarf: „In den nächsten ein bis zwei Jahren tut sich nichts.“ Bei den derzeitigen Absatzmengen reiche der Vorrat hier nicht für die nächsten 30, sondern 50 Jahre“, schätzt Friedel Möller, Leiter der Wasserbehörde beim Landkreis.

Noch mehr Kies liegt im weitaus größeren Vorranggebiet „Ohr II“ südlich der L 432 zwischen Ohr und Groß Berkel, das (deklariert als Zeitstufe II) der Rohstoffsicherung über Jahrzehnte im Voraus dient. Für die Politik ein weiteres Argument, an der dringenden Notwendigkeit der Erweiterung bei Tündern zu zweifeln.

Für den Ortsrat Tündern kündigt Ortsbürgermeister Thilo Meyer eine geschlossene Ablehnung der Pläne an. Der Ortsrat trifft sich zur außerordentlichen Sitzung am kommenden Mittwoch um 18 Uhr im Kommunikationsraum der neuen Sporthalle.



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