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Aus zwei Bands mach eine

Bunt, bunter, die Toten Ärzte

Das Konzert war zwar nicht ganz ausverkauft, aber die Laune von Band und Publikum ließ keine Fragen offen: In der Sumpfblume wurden vier gut aufgelegte Jungs gefeiert. Und dabei ging es nicht nur um die Songs zum Mitsingen, sondern auch um ein klares politisches Statement gegen Rassismus.

veröffentlicht am 29.10.2017 um 17:02 Uhr

Falko Graus’ knallrotes Haar erinnert an den Farin Urlaub der 90er, seine Stimme ähnelt dagegen verblüffend der des jungen Campino. Foto: km
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Katharina Mork Reporterin
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HAMELN. Ärzte oder Hosen? Äpfel oder Birnen? Düsseldorf oder Berlin? Diese elementaren Fragen beantworten sich am Samstagabend in der Sumpfblume wie von selbst. „Die Toten Ärzte“ liefern eine Show, die Fans beider Bands bestens bedient. Mit einer Mischung aus Ärzte-Humor, der Polit-Energie der Toten Hosen und charakteristischem Klebstoff aus Melodien und Texten, die wohl jeder schon mal mitgegrölt hat, zaubern die vier Jungs ausgelassene Atmosphäre. Mit 130 verkauften Karten ist das Konzert zwar nicht ausverkauft, aber was dem Abend an physischer Fülle fehlt, machen sowohl Publikum als auch Band mit enorm guter Laune wieder wett. An Authentizität mangelt es den Toten Ärzten nicht. Sänger Falko Graus’ knallrotes Haar erinnert an den Farin Urlaub der 90er, während seine Stimme verblüffend der des jungen Campino ähnelt. Er ist das bunte Augenmerk der Coverband, aber für eingefleischte Fans noch lange nicht der einzige Grund, völlig auszuflippen. Mit der richtigen Dosis Humor, reichlich diskografischem Fachgesimpel und sympathischem Auftreten treffen alle Bandmitglieder den Nerv der Besucher.

Allerdings geht es ihnen in der Show nicht nur um die Hits der Musikgötter. Vor Liedern wie „Schrei nach Liebe“ oder „Tausend gute Gründe“ geht Falko Grau bewusst auf die aktuelle politische Lage ein. „Wenn jemand unschuldige Menschen mit Brandsätzen bewirft, dann ist derjenige ganz klar ein Arschloch.“ Auch für Besucher Florian Gierke liegt die Leidenschaft für beide Bands nicht allein in fiebriger Konkurrenz oder blankem Feiern. „Es geht heute nicht um Ärzte oder Hosen, sondern darum, nen geilen Abend zu haben. Man muss ein längst vergangenes Konkurrenzverhalten nicht wieder aufleben lassen, erst recht nicht, wenn beide für dieselbe Sache einstehen.“

Widerstand habe nun einmal verschiedene Facetten, meint der 26-jährige Hamelner. Dass Politik und ausgelassenes Feiern vereinbar sind, beweist das Publikum zu „10 kleine Jägermeister“ mit einer Polonaise. Energiegeladen holen die Toten Ärzte alles aus dem Abend in der Sumpfblume, was geht. Dass den Stimmungsbomben dabei so manche Textdreher und schräge Töne unterlaufen, verzeiht ihnen das dankbare Publikum gern.

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