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Kamin mit Rattenfängermotiv als Spende fürs Museum

Bürgerliches Statussymbol und fast 100 Jahre alt

Hameln. Keine Spur von düsterem Rattenfänger: Als heiterer Spielmann führt er eine fröhliche Kinderschar zum Tanz und ist meilenweit von jenem zwielichtigen Verführer entfernt, der das Jubiläumsjahr prägt. Fast 100 Jahre ist dieser Pfeifer alt und als Schmuck-Kachel eine Rarität. Er ziert einen Jugendstil-Kamin, der seit neustem im Besitz des Museums ist und in seiner Art einmalig sein dürfte. „Es ist bislang der einzige bekannte Rattenfänger-Ofen“, sagt Dr. Gesa Snell, die den Wert des reich verzierten Kachelofens als sehr viel höher einschätzt als 10 000 Euro. So viel musste der Landschaftsverband Hameln-Pyrmont nämlich für seine Spende an das Museum locker machen. „Ein Glücksfall“, sagt Dr. Snell, denn wichtiger als das Geld war dem Braunschweiger Besitzer, dass der Kamin in Hameln in gute Hände kommt. Auch wenn der Ofen vorher vermutlich niemals Braunschweig verlassen hatte.

veröffentlicht am 01.05.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 00:21 Uhr

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Autor:

Karin Rohr
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Dort wurde er von der Firma Reinicke & Richau, die auf Kachelöfen spezialisiert war, zwischen 1910 und 1915 gebaut – ein transportabler, dreiteiliger Koloss, dessen unterer Teil allein schon eine Tonne wiegt. Als künstlerisch hochwertiges Einzelstück dürfte er auch damals schon ein Vermögen wert gewesen sein: „Wir haben in Braunschweig recherchiert und herausgefunden, dass das Schmuckmotiv vom Rattenfänger und den Kindern in Meißen gefertigt wurde“, erklärt Hamelns Museumschefin. Sie fasziniert, dass die Sage Anfang des letzten Jahrhunderts offenbar schon so populär war, dass sie als Motiv für Ofenbauer attraktiv war und in gebildeten Kreisen sogar zum bürgerlichen Statussymbol taugte. Snell: „Der Kamin stammt aus einer großbürgerlichen Familie und hat dort sicherlich in einem zentralen Raum gestanden, zu dem Besucher Zutritt hatten.“

Meißner Motiv vom Kinderauszug

Dunkelgrüne Kacheln, die in der Jugendstil-Ära außerordentlich beliebt waren, zieren den Ofen. Im unteren Bereich noch verhältnismäßig schlicht gehalten, fallen die Ornamente, wenn der Blick nach oben wandert, immer üppiger aus. Augenfang ist das aufwendig gearbeitete und detailreiche Meißner Sagenmotiv vom Auszug der Hamelner Kinder. Flankiert wird es von Jugendstil-Figuren, die die Ecken des Kamins markieren. Eine Art Aufsatz fußt auf Entenköpfen. Auch die in Zink gefasste Ofenklappe, von der aus der Kamin befeuert wurde, ist reich verziert. „Der Ofen ist ein absolutes Prachtstück und auch heute noch voll funktionsfähig“, sagt Dr. Snell, für die die Geschichte dieses Kachelkamins noch voller ungelöster Rätsel ist. Sie ist sicher, dass er später im neu gestalteten Hamelner Museum viele Bewunderer finden wird.

Schade allerdings, wenn dieses kostbare Einzelstück ausgerechnet im Jubiläumsjahr der Öffentlichkeit vorenthalten wird und zusammen mit anderen eingelagerten Stücken hinter Schloss und Riegel verschwindet. Der schmucke Jugendstil-Kamin könnte jetzt schon an exponierter Stelle für Hameln und das Museum werben.

Freuen sich über das neue Schmuckstück: Museumsleiterin Dr. Gesa Snell und Landrat Rüdiger Butte.

Foto. Dana



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