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Der drohende Brexit lässt Einbürgerungszahlen auch in Hameln steigen

Briten wollen Niedersachsen werden

HAMELN/HANNOVER. Der drohende Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union beunruhigt viele Briten in Niedersachsen. Auch in Hameln steigen die Einbürgerungszahlen.

Autor:

Karl Doeleke

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Seit der Entscheidung ihrer Landsleute für den Brexit steigt überall im Land die Zahl der Einbürgerungsanträge. „Wir spüren den Brexit-Effekt sehr deutlich“, sagt der Hamelner Stadtsprecher Thomas Wahmes. Seit der Volksabstimmung im vergangenen Juni haben allein in der Stadt an der Weser 13 Briten einen Einbürgerungsantrag gestellt. „Vorher hatten wir eigentlich gar keine Anträge britischer Staatsbürger.“

Auch andernorts in Niedersachsen steht der deutsche Pass bei Engländern, Walisern, Schotten und Nordiren plötzlich hoch im Kurs – obwohl sich vorher kaum jemand von der Insel für das Dokument mit dem Bundesadler interessierte. John Goodyear von der Deutsch-Britischen Gesellschaft Oldenburg erklärt das mit einer „großen Verunsicherung“, die seine Landsleute in Niedersachsen erfasst habe. „Ich glaube, es ist auch bittere Enttäuschung über Großbritannien dabei.“ Bekannte hätten Einbürgerungsanträge gestellt. „Ich verfolge eher die Politik ,abwarten und Tee trinken‘.“ In Hannover und Umland gingen im vergangenen Jahr 73 Einbürgerungsanträge ein – damit hat sich die Zahl der Interessenten im Vergleich zum Vorjahr mehr als verzehnfacht.

Ähnliches lässt sich in anderen Landesteilen beobachten – vor allem dort, wo bis zu ihrem Abzug britische Streitkräfte stationiert waren. Im Landkreis Osnabrück etwa hat sich die Zahl der einbürgerungswilligen Briten ungefähr verfünffacht. Zwischen 2012 und 2015 gingen dort drei bis fünf Anträge pro Jahr ein – 2016 waren es plötzlich 20. Kreissprecher Henning Müller-Detert mag über die Motive nicht spekulieren, da sie nicht abgefragt würden. „Der zeitliche Zusammenhang mit der Brexit-Entscheidung scheint aber klar. Manche Briten fürchten offenbar Schwierigkeiten, wenn Großbritannien nicht mehr in der EU ist.“

Der Eindruck wird durch Daten aus dem Heidekreis unterfüttert. Dort stieg die Zahl der Briten, die ihren Pass eintauschten, von einem in 2015 sprunghaft auf 18 im vergangenen Jahr an. Der Landkreis Celle hat nach Angaben seines Sprechers Holger Harms im vergangenen Jahr 30 Beratungsgespräche mit Briten geführt – 13 von ihnen stellten bis heute einen Antrag auf Einbürgerung.

Auch Sandra Lummitsch vom Landkreis Hameln-Pyrmont hat im Brexit-Jahr 2016 einen „großen Run“ von Briten auf die deutsche Staatsangehörigkeit beobachtet. Acht Briten tauschten im Kreishaus ihren Pass ein. „Das war sehr außergewöhnlich.“ Sonst sind es höchstens ein bis zwei pro Jahr.

Von Karl Doeleke

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