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Baucontainer bis November vorm Schaufenster? / Betroffener droht der Stadt eine Klage an

Brillenstudio – abgeschnitten vom Rest der Welt

Hameln (ni). Die Geschäftsleute in der Osterstraße haben es hinter sich: Bauzaun vor der Ladentür und zeitweilig auch noch große Container vor dem Schaufenster. Einziger Trost in all dem Durcheinander: Das offenbar unvermeidbare Baustellenchaos nistete sich nur ein paar Wochen vor ihren Geschäften ein und wanderte abschnittsweise weiter in Richtung Tunnel. Klaus Sagebiel, der mit seinem Brillenstudio am Ende der Bäckerstraße liegt, soll diese temporäre Zumutung nun monatelang ertragen. Im Einvernehmen mit der Stadt Hameln hat ihm das Bauunternehmen Boymann drei Baucontainer direkt vors Schaufenster gestellt und ihn wissen lassen: Die bleiben dort stehen bis November. „Eine Katastrophe für uns“, sagt Sagbiel und droht der Stadt mit einer Klage.

veröffentlicht am 16.07.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 23:41 Uhr

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Vergangenen Mittwoch hatte Sagebiel „plötzlich einen Bauzaun vor der Nase“. Ein Bagger rückte an und machte das Blumenbeet vor seinem Geschäft platt. Am Tag darauf wurden die Container angeliefert, in denen Baubüro und Geräte untergebracht sind. „Ich wusste vor gar nichts“, ärgert sich Sagebiel noch heute. Ihn zu informieren, hatte niemand für nötig gehalten. Fassungslos wurde der Optiker aber erst, als er erfuhr, dass dieses Lager vor seinem Laden vier Monate lang stehen bleiben soll. Vier Monate, in denen das Studio optisch vom Rest der Welt abgeschnitten und für Fußgänger, die aus Richtung Osterstraße kommen, vollkommen unsichtbar ist.

Sagebiel hängte sich ans Telefon und fand auf Umwegen schließlich zu dem Mann im Rathaus, der für die Bauarbeiten in der Fußgängerzone „zuständig“ ist, nämlich Fachbereichsleiter Ralf Wilde. Aber selbst nach drei Ortsterminen mit Wilde und dem Bauleiter von Boymann scheint keine Lösung des Problems in Sicht. „Die bewegen sich keinen Millimeter“, sagt Sagebiel, „ich fühle mich veräppelt.“ Mit „lauter fadenscheinigen Argumenten“ hätten Wilde und Co. seine Vorschläge vom Tisch gewischt. Angeblich sei es nicht möglich, die Standorte der Container zu wechseln. „Hätte man mit den Anliegern gesprochen und gesagt, jeder muss die Dinger einen Monat vor seinem Geschäft ertragen, dann hätte man sich bestimmt einigen können“, ist er überzeugt. Die Container auf den Münsterkirchhof zu stellen, sei ebenfalls abgelehnt worden. Erst mit dem „mürrischen“ Hinweis des Bauleiters, der Weg dahin sei zu weit, seine Leute brauchten dann „zwei Minuten länger“; dann mit der Begründung, das Pflaster auf dem Münsterkirchhof würde es nicht aushalten, wenn der Radlader darauf langfährt. Es sei denn, man schütze die Steine mit Stahlplatten, was „angeblich 15 000 Euro kosten soll“ aber nach seinen eigenen Erkundigungen „auch für 8000 Euro zu haben wäre“. Auch auf den Vorschlag, die Container weiter vom Schaufenster ab- und mehr in Richtung Straßenmitte zu rücken hätten sich Wilde und Bauleiter nicht einlassen wollen. Sondern lediglich angeboten, einen der drei Container auf die gegenüberliegende Seite des Bauzauns zu versetzten und am Bauzaum Plakate mit einem Hinweis auf die Brillengalerie anzubringen. Wilde bestätigt diesen „Kompromissvorschlag“, der für Sagebiel keiner ist, weil sich dadurch am Problem nichts ändere: „Man könnte uns trotzdem nicht sehen.“

Wilde bestätigt auch, dass es bei der Information der Anlieger offensichtlich Defizite gegeben hat. „Vielleicht hätte man sie noch einmal ansprechen müssen“, räumt er ein, bezweifelt aber, dass sich das Container-Problem durch Gespräche in Luft aufgelöst hätte: „Keiner hätte sie vor seinem Laden haben wollen.“ Viele Möglichkeiten gebe es in der Bäckerstraße ohnehin nicht. Im oberen Teil sei sie zu schmal, „und im unteren wollten wir den Eisdielen und Cafés auf keinen Fall den Bereich für die Außengastronomie wegnehmen – jetzt in der Saison“, so der Fachbereichsleiter.

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Leidtragender solcher Überlegungen ist Klaus Sagebiel, der sich mit der Barriere aus unaufgeräumtem Container-Camp inklusive hellblauem Dixie-Klo vor seinem Brillenstudio aber nicht abfinden will. Bleibt die Verwaltung stur, will Sagebiel gegen die Stadt klagen; was er „eigentlich lieber vermeiden würde, weil es Geld und Nerven kostet“. Eine Hoffnung hat er noch: dass die Politik mehr bewegen kann, als ihm bislang gelungen ist. Die grüne Fraktionsvorsitzende Ursula Wehrmann und CDU-Fraktionschef Claudio Griese wollen es zumindest versuchen. Sie haben dem Optiker versprochen, sich seines Problems anzunehmen und bei der Verwaltung zu intervenieren. „Die Bauarbeiten allein bedeuten für die Anlieger schon eine große Belastung“, sagt Wehrmann. „Da muss man ihnen nicht noch zusätzlich etwas aufbürden, was sich mit gutem Willen auch vermeiden ließe.“ Für Wehrmann wie für Griese kann es bei diesem Konflikt nur darum gehen, die für die betroffenen Anlieger verträglichste Lösung zu finden und nicht etwa einen Kompromiss, der vor allem dem Bauunternehmen entgegenkommt. Und diese Lösung, so Griese, „heißt für uns: wenn irgend möglich Verlagerung der Container auf den Münsterkirchhof“.

Hinter diesem Bauzaun und den Containern ist das Brillenstudio in der Bäckerstraße verschwunden.

Fotos: Dana

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