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Braucht jede Feuerwehr ein eigenes Haus?

Salzhemmendorfer Beispiel zeigt, wie Ortswehren sparen können

veröffentlicht am 28.03.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 04.11.2016 um 08:41 Uhr

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Autor:

VON CAtherine Holdefehr
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Hameln/Thüste. Meine Fahrzeuge, mein Haus, meine Feuerwehr – so sah der Besitzstand aller Ortswehren jahrzehntelang aus. Und kostete entsprechend Geld. Mehr als 7,5 Millionen Euro würden nach Berechnungen allein benötigt, um die städtischen Feuerwehrhäuser auf den neuesten Stand zu bringen (wir berichteten). Doch das Beispiel eines gemeinsamen Stützpunktes in Thüste in der Gemeinde Salzhemmendorf zeigt: Ortswehren können auch ohne eigenes Feuerwehrhaus eigenständig existieren.

Ganz pragmatisch besteht die Lösung in einem gemeinsamen Dach: Als die Gemeinde Salzhemmendorf vor Jahren vor dem Problem stand – ähnlich wie Hameln jetzt – viel Geld in die Hand nehmen zu müssen, um renovierungsbedürftige Feuerwehrhäuser den Anforderungen gemäß herrichten zu lassen, entschied sie sich gegen vier einzelne und für ein neues Haus: Im Jahr 2009 wurden die Ortswehren Levedagsen, Thüste, Ockensen und Wallensen als eigenständige Wehren unter einem Dach vereint. Auf dem alten Sportplatz in Thüste haben sie seitdem einen gemeinsamen Stützpunkt. „Es ist eine elegante Lösung“, sagt Andreas Hilmer von der Gemeinde Salzhemmendorf. Denn so konnte Geld für die Instandsetzung und Unterhaltung mehrerer Häuser gespart und in einen modernen Stützpunkt investiert werden, ohne die Eigenständigkeit der Wehren – und damit deren Bedeutung für die einzelnen Dorfgemeinschaften – anzutasten.

Unter einem Dach bestehen sie weiter eigenständig, sogar mit eigenem – wenn auch im Vergleich zu Hameln relativ kleinem – Fuhrpark. Den anzutasten sei schon deutlich heikler, meint Hilmer: „Wenn man einer Ortswehr ihr Fahrzeug nimmt, geht auch ein Stück ihrer Identität verloren.“ Ohne den Rückhalt der Wehren sei das jedenfalls nicht zu machen, findet er.

Möglich ist eine Einschränkung des Gesamt-Fuhrparks jedoch sehr wohl. Dafür müsste jedoch ein Brandschutzbedarfsplan für die Gemeinde aufgestellt werden (wie es in Aerzen und auch in Hessisch Oldendorf derzeit bereits gemacht wird) und auf Grundlage des Plans müsste dann ein Genehmigungsverfahren angestrebt werden. Die Stadt Hameln hat noch keinen Bedarfsplan aufgestellt. Unabhängig von solchen Ausnahmeregelungen ist im Niedersächsischen Brandschutzgesetz je nach Art der Freiwilligen Feuerwehren genau festgelegt, wie viele Fahrzeuge welchen Typs als Mindestausrüstung vorhanden sein müssen. In Hameln gibt es zehn Grundausstattungswehren, eine Stützpunktwehr (Halvestorf) und eine Schwerpunktfeuerwehr (Hameln).

Neben dem Einsparpotenzial bei den Feuerwehrhäusern sei auch die demografische Entwicklung in den kleinen Dörfern ein Grund für die Zusammenlegung der Wehren in Salzhemmendorf gewesen, sagt Andreas Hilmer. In den kleinen Ortschaften sei es perspektivisch immer schwieriger gewesen, die vorgeschriebenen Truppbesatzungen zu gewährleisten.

Zu diesem Schluss kommt auch das Niedersächsische Ministerium für Inneres und Sport, das im August 2008 eine Projektgruppe zum Thema „Sicherung des Brandschutzes in Niedersachsen unter besonderer Berücksichtigung des demografischen Wandels“ eingesetzt hatte. In ihrem Abschlussbericht stellt die Gruppe Bezüge zum demografischen Wandel für die Niedersächsischen Feuerwehren her. Nach Untersuchungen von Joachim Jens Hesse, der im Auftrag des Innenministeriums ein Gutachten über die Kommunalstruktur in Niedersachsen erstellt hat, wird die Bevölkerung im Landkreis Hameln-Pyrmont bis 2030 (127 164 Einwohner) im Vergleich zum Jahr 2007 (155 164 Einwohner) um 18 Prozent zurückgehen. Einen voraussichtlichen Rückgang der Bevölkerung um 13 bis 18 Prozent niedersachsenweit legt auch die Projektgruppe ihrer Erkenntnis zugrunde, dass „die Leistungsfähigkeit und Einsatzbereitschaft der Feuerwehren langfristig gefährdet“ sei. Aktuell ist von dieser Entwicklung bei der Hamelner Feuerwehr jedoch noch nichts zu erkennen. Die Zahl der Mitglieder der Hamelner Wehren hat sich in den vergangenen zehn Jahren kaum verändert. Ende des Jahres 2012 waren 464 Feuerwehrkräfte in der Freiwilligen Feuerwehr in Hameln aktiv. Fast exakt so viele wie im Jahr 2003 (465).

In Salzhemmendorf will man das Erfolgsprojekt des gemeinsamen Stützpunktes weiterführen. Nicht nur die Verwaltung, sondern auch die Ortsbrandmeister der einzelnen Wehren äußern sich immer wieder positiv über die „harmonische Zusammenarbeit“. Als Nächstes ist deshalb geplant, einen gemeinsamen Stützpunkt im Bereich Oldendorf für die Ortswehren Oldendorf, Benstorf, Ahrenfeld und Osterwald zu schaffen. Nach dem Motto: mein Fahrzeug, meine Feuerwehr, aber unser Haus.

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