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Wenig Interesse an „Kindernestern“ – Stadt plant dennoch Kita-Neubau

Braucht Hameln eine neue Kita?

HAMELN. Kein einziges der vor einem Jahr geplanten vier Großtagespflegestellen für Kinder im Alter von unter drei Jahren ist bislang zustande gekommen. Aus dem einfachen Grund, dass nicht genügend Kindern von ihren Eltern angemeldet wurden. Dabei sollen die „Kindernester“ genannten Großtagespflegestellen lediglich den angeblichen Mehrbedarf auffangen, der durch die bestehenden Kindertagesstätten (Kitas) nicht abgedeckt werden könne. Dessen ungeachtet will die Stadtverwaltung jetzt eine neue Kita für 80 Kinder bauen – für immerhin fünf Millionen Euro.

veröffentlicht am 08.11.2017 um 18:02 Uhr
aktualisiert am 13.11.2017 um 11:16 Uhr

Wohin mit all den Kindern? Die Stadt will nun Übergangslösungen in mobilen Containerräumen schaffen. FOTO: DPA
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite

In Zeiten klammer Kassen kein Pappenstiel. Ist eine neue Kita also wirklich notwendig, wenn doch noch nicht einmal die Kindernester nachgefragt werden? Besteht also überhaupt ein erhöhter Bedarf an Kita-Plätzen?

Vier Kindernester mit jeweils zehn Plätzen waren und sind auch weiterhin geplant, wie die Stadtverwaltung auf Anfrage mitteilt: in der Südstadt, am Basberg und – in zweifacher Ausführung – in der Nordstadt, wo der Bedarf besonders hoch sei. In der Zwischenzeit sind sogar noch zwei weitere Kindernester geplant worden, als sich abzeichnete, dass die Kita-Plätze zu Beginn des neuen Kindergartenjahres nicht ausreichen würden, und zwar in Holtensen. Zum 1. August hätte dort bereits eines der beiden Kindernester an den Start gehen sollen. Aber dann sei die Zahl der Eltern, die Bedarf an einem Kita-Platz angemeldet hatten, doch „gebröckelt“, wie Ulrike Cott, die Leiterin der Abteilung Kindertagesbetreuung, gegenüber der Dewezet erklärt. Ein weiteres Kindernest soll darüber hinaus in der Kernstadt entstehen, die Stadt befindet sich bereits in Gesprächen mit dem Eigentümer entsprechender Räume (wir berichteten).

Ein Problem bei der Bedarfsermittlung bestehe darin, dass Eltern ihre Kinder in mehreren Kitas anmelden, um sicherzugehen, am Ende einen Platz zu bekommen, wodurch der Bedarf mitunter größer erscheint, als er tatsächlich ist. Mit der Konsequenz, dass ein Jahr nach der Idee für die Kindernester noch kein einziges in die Tat umgesetzt worden ist.

Doch bei der Stadtverwaltung will man weiter an den geplanten Kindernestern festhalten, genauso wie am Neubau einer Kita in der Nordstadt. Im Rathaus sieht man den Grund für die bislang ausbleibende Annahme der Kindernester im Unwissen der Eltern darüber, was ein Kindernest beziehungsweise eine Großtagespflegestelle überhaupt ist. „So wie sich die Krippen erst mal etablieren mussten, so müssen das die Kindernester auch“, sagt Stadtsprecher Thomas Wahmes im Gespräch mit der Dewezet. Darin bestehe die „Kernerklärung“ dafür, weshalb die Kindernester bislang noch nicht zustande gekommen sind. Die Kitas mit ihren Krippeneinrichtungen hingegen seien hinlänglich bekannt: in Form der Gebäude wie vom Hörensagen. Nicht so die Kindernester, für die größtenteils sogar erst noch Räume gefunden werden müssen. Deshalb wolle die Stadt jetzt den Eltern in Holtensen die Kindernester anhand eines bereits bestehenden Beispiels verstärkt „transparent machen und damit zeigen, dass wir das Problem erkannt haben“, so Wahmes. Auf diese Weise solle den Eltern die Unsicherheit in Bezug auf die Kindernester genommen werden.

So gebe es im „Mütterzentrum“ am Feuergraben bereits eine Großtagespflegestelle. Der Unterschied zwischen Kita und Großtagespflegestelle beziehungsweise Kindernest: In den Kindernestern werden die Kinder nicht von Erziehern betreut, sondern von Sozialassistenten, die eine entsprechende Pflegeerlaubnis vorweisen können. Ein Erzieher muss erst aber einer Gruppengröße von acht Kindern anwesend sein. Die Räume eines Kindernestes sollen den Ansprüchen einer Kita entsprechen. Der wesentliche Unterschied zwischen Kita und Kindernest bestehe darin, dass sich das Angebot der Kindernester ausschließlich an Kinder unter drei Jahren richte.

Dass der Bedarf da ist – sowohl an mehreren Kindernestern als auch an einer neuen Kita –, daran besteht bei der Stadtverwaltung jedenfalls kein Zweifel. „Wir sehen ganz klar den Bedarf“, sagt Wahmes. Der habe sich zu Beginn des neuen Kindergartenjahres deutlich gezeigt. Die Stadt Hameln und der Landkreis Hameln-Pyrmont gehen von einem weiter ansteigen den Bedarf an Kita-Plätzen aus. Zudem: Noch im vergangenen Jahr war von einem „Baby-Boom“ in Hameln die Rede. Auch bundesweit steigt seit einigen Jahren die Geburtenzahl wieder an.

Mein Standpunkt
Frank Henke
Von Frank Henke
Ein Bedarf an weiteren Kitaplätzen existiert – so die gefühlte Temperatur. „Gefühlt“, denn es hapert an Zuverlässigkeit und Transparenz bei der Bedarfsermittlung wie bei der Kita-Anmeldung. Aber mit gefühlten Temperaturen lässt es sich in einer Stadt unter Sparzwang schlecht für einen Neubau argumentieren. Doch ist es in digitalen Zeiten tatsächlich ein Problem, etwa Mehrfach-Anmeldungen rechtzeitig zu erkennen? Auch das Online-Elternportal der Stadt, gestartet 2016, lässt wohl noch viel Luft nach oben.

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