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Vergleichbare Kommunen kommen mit weniger aus / Hochzeitshaus eine Alternative

Braucht die Stadtbücherei 18 Mitarbeiter?

Hameln. Sie gehört zu den „Institutionen“ der Stadt, deren Existenzberechtigung niemand ernsthaft bestreitet: die Stadtbücherei in der Pfortmühle. Ob die Einrichtung allerdings mit so hohen Kosten gefahren werden muss – diese Frage hat sich die Politik in der Vergangenheit schon öfter gestellt. Doch mehr als ein bisschen Zahlenkosmetik ist nie dabei herausgekommen. Und wird auch künftig nicht herauskommen, solange bei allen Sparvorschlägen die komfortable Personalausstattung und damit das Grundproblem der Bücherei unangetastet bleibt.

veröffentlicht am 16.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 15:41 Uhr

Kathrin Thielke sucht in der Bibliothek in der Pfortmühle nach passender Lektüre. Foto: Dana

Autor:

Brigitte Niemeyerund Hans-Joachim Weiß
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Insgesamt 858 840 Euro umfasst der Etat der Stadtbücherei. Mit knapp 752 000 Euro verschlingen die Personalkosten für 18 Mitarbeiter auf 14,2 Planstellen den Löwenanteil des Budgets. Lediglich 65 000 Euro kommen über Ausleihgebühren wieder rein; das Defizit gleicht die Stadt mit einem Zuschuss von fast 794 000 Euro aus. Diplombibliothekare (5,5 Stellen) befassen sich laut Angaben der Verwaltung vornehmlich mit „Bestandsaufbau und -erschließung“. Sie beraten die Leser und vergeben „Schlagworte“ für Sachbücher, was bei jedem neuen Buch auch schon mal bis zu zehn Minuten Lesezeit in Anspruch nehmen kann. Sie entscheiden über Neuanschaffungen, die aufgrund des nur schmalen Etats für Erwerbungen von lediglich 70 000 Euro im Umfang bescheiden ausfallen. Und sie planen Veranstaltungen, insbesondere für Kinder, Klassen- und Gruppenführungen. Unterstützt werden sie auch noch von Bibliotheksassistentinnen (zwei Planstellen), die außerdem die Artothek betreuen sowie sich den Hörbüchern, Zeitschriften, Spielen und Tonträgern widmen.

Doch damit nicht genug: Komplettiert wird die Mannschaft von Verwaltungsangestellten (6,7 Planstellen), die sich hauptsächlich um „Ausleihverbuchung, Fristverlängerung, Rücksortierung der Medien und Erhebung von Lese- und Säumnisgebühren“ kümmern, oder auch um die Reparatur von Büchern.

Dass die Hamelner Stadtbücherei seit Jahr und Tag viel zu üppig mit Personal ausgestattet ist, flüstert nicht nur der Flurfunk im Hamelner Rathaus. „Drei bis vier Stellen sind über“, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Laut sagen würde das niemand. Aber ein Blick auf die Bibliotheken vergleichbarer Städte wie Cuxhaven, Lüneburg oder Goslar, die allesamt mit weniger Mitarbeitern und folglich auch weniger Geld auskommen, scheint die Flüsterer zu bestätigen.

Die Stadtbibliothek Cuxhaven hat in den vergangenen Jahren die Zahl der Planstellen von 15,5 auf 11,5 und die Personalkosten damit auf 646 000 Euro reduziert. Die deutlich kleinere Mannschaft bewältigt 400 000 Ausleihen pro Jahr und gewährleistet 39 Öffnungsstunden in der Woche. Die Hamelner Stadtbücherei hat 27 Stunden pro Woche geöffnet und zählt 390 000 Ausleihen im Jahr. Die Lüneburger Ratsbücherei kommt mit 10,5 Planstellen und einem städtischen Zuschuss von knapp 606 000 Euro über die Runden. Die Stadtbibliothek Goslar braucht sogar nur 230 000 Euro. Dass sie trotzdem an 27 Stunden in der Woche für ihre Leser geöffnet hat, ist den 15 ehrenamtlichen Mitarbeitern zu verdanken, die das kleine Team der fünf Festangestellten verstärken.

Zusätzliches Sparpotenzial birgt ein Plan, der auch das Hochzeitshaus dauerhaft beleben könnte: nämlich der Umzug der Bibliothek aus der Pfortmühle zurück in das historische Gebäude im Herzen der Altstadt. Diese bereits von der CDU-Fraktion vorgeschlagene Idee hat Charme, zumal das Hochzeitshaus über alle drei Etagen genutzt werden könnte und erforderliche kostspielige Umbaumaßnahmen in den verwaisten EWR-Räumen entfielen. Die Pfortmühle ließe sich augrund ihre baulichen Gegebenheiten nebst Infrastruktur wohl leichter vermarkten als das Hochzeitshaus, in das laut Verwaltung ein Gastronomiebetrieb integriert werden soll – auf maximal zwei Etagen. Da sich die Pfortmühle in städtischem Besitz befindet, führten Erträge aus Vermietung und Verpachtung zu einer zusätzlichen Entlastung des Etats.



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