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Überraschung hinter nicht brennbaren Platten im Theater

Brandschutz: Holzlatten statt Metall

HAMELN. Eigentlich sollte die Brandschutzsanierung im Theater längst abgeschlossen sein. Doch für das Brandschutzkonzept der Elektronik wurden nach einem Fachplanerwechsel im Herbst 2016 noch einmal 500000 Euro draufgesattelt. Immerhin liegen die Arbeiten nun im anvisierten Kosten- und Zeitrahmen.

veröffentlicht am 18.07.2017 um 10:24 Uhr
aktualisiert am 18.07.2017 um 17:20 Uhr

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Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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„Wir haben kein Sommerloch, sondern arbeiten kontinuierlich mit vielen kleinen Löchern“, sagt Theaterdirektor Wolfgang Händeler. Oder Schlitzen. Rund 1000 davon hat Architekt Ralf Denkler davon schon auf der Sommerpausen-Baustelle im Hamelner Theater gemacht, sagt er. Durch die Löcher und Schlitze hinter der Wandverkleidung und im Estrich unterm Teppich werden später rund 28 000 Meter Brandschutzkabel laufen. Das entspricht etwa der Strecke Hameln nach Coppenbrügge und zurück.

Die Kabel sind Teil des elektrischen Brandschutzkonzeptes, dass im Herbst 2016 auf die ursprüngliche Brandschutzsanierung draufgesattelt wurde. 500 000 Euro kostet der Nachschlag (1,9 Millionen die ursprüngliche Maßnahme), dem der Rat nach einem Wechsel des Elektrofachplaners im selben Jahr zustimmte.

Teurer aber „zukunftsfähiger“ sei das neue Konzept, heißt es aus dem Rathaus. Ein wichtiger Grund sei, dass die neue LED-Beleuchtung nun zusammen mit der Brandschutz-Notbeleuchtung gesteuert werden könne.

Foto: wal
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Der intelligenteste Weg für die Brandschutzkabel läuft hinter den der neuen Metallkonstruktion im Zuschauerraum, erklärt Architekt Ralf Denkler. Sie wird später von den bekannten blauen Platten abgedeckt. Foto: Wal
  • Der intelligenteste Weg für die Brandschutzkabel läuft hinter den der neuen Metallkonstruktion im Zuschauerraum, erklärt Architekt Ralf Denkler. Sie wird später von den bekannten blauen Platten abgedeckt. Foto: Wal
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Helmut Klages, stellvertretender technischer Leiter im Theater, nimmt im Keller die Kabel in Visier. Foto: Wal
  • Helmut Klages, stellvertretender technischer Leiter im Theater, nimmt im Keller die Kabel in Visier. Foto: Wal
Im Foyer türmt sich der alte Teppich. foto: Wal
  • Im Foyer türmt sich der alte Teppich. foto: Wal
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Der intelligenteste Weg für die Brandschutzkabel läuft hinter den der neuen Metallkonstruktion im Zuschauerraum, erklärt Architekt Ralf Denkler. Sie wird später von den bekannten blauen Platten abgedeckt. Foto: Wal
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Helmut Klages, stellvertretender technischer Leiter im Theater, nimmt im Keller die Kabel in Visier. Foto: Wal
Im Foyer türmt sich der alte Teppich. foto: Wal

Die Mehrkosten für die LED-Lampen – sie machen die die Hälfte des Nachschlags aus – würden sich aber in sechs bis sieben Jahren amortisieren.

Den Rest des Nachschlags verschlingt das neue Leitungssystem, dass für die LEDs notwendig ist. Die Beleuchtung habe der erste Planer in dieser Weise überhaupt nicht in seinem Brandschutzkonzept berücksichtigt. Getrennt habe man sich diesem zudem, weil man durch das anvisierte „Ringbussystem“ an einen einzigen Anbieter gebunden gewesen wäre, der den Preis bei allen weiteren Maßnahmen hätte diktieren können. „Das wollten wir vermeiden“, sagt Karl-Heinz Lange, Verwaltungsleiter des Hamelner Theaters.

Auch auf die Fördermittel von rund 31 000 Euro (auf 50000 hatte man gehofft), die es für die energetische Erneuerung vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gibt, hätte man verzichten müssen, hätte man nur einen Anbieter nachweisen können.

Die notwendigen G-20-Kabel, die nach Aussage von Experten einem Feuer etwa 30 Minuten standhalten, sollen im Theater die Sprachalarmierung, die Notbeleuchtung und die Brandmeldeanlage versorgen. Und zwar dort, wo Menschen sind – also eigentlich überall: in der Garderobe, im Foyer, im Keller, auf der Bühne, im Technikraum und vor allem im Zuschauerraum. Nur die Toiletten waren bereits mit der neuesten Technik versorgt.

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Nicht irgendein Blau

Das Theater in Hameln wurde zwar nicht von dem berühmten finnischen Architekten Arvon Aalto entworfen, aber es ist immerhin ein Raumzitat des bekannten Essener Alto-Theaters – das letzte von Aavos Projekten. Als einzig in seiner Art wurde es gepriesen. Ein Widerhall davon ist in Hameln zu finden: Als man das Theater in den Jahren 1989/90 renovierte, griff man das Faible des Architekten für die Farben Blau und Weiß auf. Als Theaterdierktor Wolfgang Haendeler nach Hameln kam, konnte er kaum glauben, was er sah: Die bekannten Alto-Farben – wie in seinem ersten Haus 1991 in Essen. „Als Alto-Quelle ist Hameln unverwechselbar“, sagt er, deshalb sei auch der Teppich eine so wichtige Frage. Ein leichtes Nachtblau und ein helles Meerblau soll der neue haben. „Spannende ästhetische Gesichtspunkte“ biete das dezente Muster in abgestuftem Blau, das belebend und nebenbei auch praktischer sei. Die Treppen und schräge Flächen bleiben unifarben.

Wieviel Arbeit das ist, kann man derzeit im Inneren des Theaters bestaunen: Im Foyer türmt sich der edle blaue Vorwerk-Teppich und im Zuschauerraum blickt man teilweise auf nackte Backsteinwand. Wie sehr es sich gelohnt hat nachzubessern, offenbarte allein der Blick hinter die nicht brennbaren Spanplatten, die im Zuschauerraum vor der Backsteinwand hingen und auch bald wieder hängen werden: Die Unterkonstruktion für die Platten war aus Holz. „Wie blöd ist das denn?“, fragte sich nicht nur Architekt Denkler. Der Holzunterbau wurde inzwischen durch eine Metallkonstruktion ersetzt.

Die dicken neuen Brandschutzkabel-Hauptstränge, die aus dem Keller nach oben geführt werden, laufen hinter den Platten im Zuschauerraum weiter. „Das ist der intelligenteste Weg“, sagt der Architekt. Die Platten können glücklicherweise wiederbenutzt werden, weil sie als nicht brennbar eingestuft werden. Das hat Denkler nach eingehender Recherche herausgefunden. Was nicht ganz einfach war, denn die Firma, die die Platten herstellt, ist inzwischen insolvent.

Für den oberen Bereich, in dem einige beschädigte Platten ersetzt werden müssen, hat man eine Firma gefunden, die ähnliche Platten herstellt. Es wird an dieser Stelle nicht genauso aussehen, aber mit Farbe werde man ein annähernd ähnliches Ergebnis erzielen, da ist Haendeler zuversichtlich.

Zuversichtlich ist man auch, was den Zeit- und Kostenrahmen betrifft: Aufmachen, verlegen, zumachen und wieder hübsch liegen im Plan, sagt der Theaterdirektor. „Eine Menge Arbeit, von der man hinterher nicht mehr viel sieht, sagt Karl-Heinz Lange.

Wenn weiterhin alles glatt läuft, stehen am 5. Januar 2018 die Berlin Comedian Harmonists auf der Bühne und eröffnen um 19.30 Uhr die neue Saison im Haus. Außerhalb wird sie dann schon längst begonnen haben: Das Theater hat aus der Not eine Tugend gemacht und seine Veranstaltungen an ungewöhnliche Orte verlegt. Am 17. September wird die Saison im FiZ in der Osterstraße mit dem traditionellen Theaterfest eröffnet.

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Und das Asbest?

An einer Stelle im Fußboden des Theaters wurde bei der Sanierung 2016 Asbest in gebundener Form entdeckt. Allerdings nicht so viel, wie zunächst angenommen, heißt es. Letztendlich sei nur die Stelle betroffen, an der man die gesundheitsschädliche mineralische Faser bei der ersten Probe entdeckt habe. Das habe eine punktuelle Überprüfung weiterer Stellen ergeben. Von dem Plan, den gesamten Boden abzufräsen, ist man deshalb abgewichen.

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