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Für Hamelner mit türkischen Wurzeln sind Beleidigungen von Staatschefs tabu

„Böhmermann muss vor Gericht“

Hameln. Eine nicht repräsentative Umfrage unter Hamelner Bürgern, die aus der Türkei stammen, hat ergeben, dass der Satiriker Jan Böhmermann für sein Schmähgedicht auf den Präsidenten Recep Erdogan vor Gericht gestellt werden sollte.

veröffentlicht am 12.04.2016 um 18:18 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 13:50 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß
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. „Kritik darf und muss ein“, erklärt Ismail Ercan, Inhaber des Ercan Marktes an der Deisterstraße, „aber sie darf nicht unter der Gürtellinie liegen.“ Man müsse Erdogan ja nicht mögen, „aber Respekt hat jeder Präsident eines Landes verdient.“ Das gelte für Erdogan ebenso wie für Bundespräsident Gauck oder seinen Vorgänger Christian Wulff. Schmähen und beleidigen könne man Erdogan vielleicht im privaten Rahmen, nicht aber im Fernsehen vor einem Millionenpublikum. Das Problem von Äußerungen wie denen Böhmermanns sei, dass sie die Gesellschaft spalteten, „wo wir doch gemeinsam an den vorhandenen Problemen arbeiten müssen“.

Auch Yüksel Demirer ist der Ansicht, dass man Präsidenten nicht einfach beleidigen darf. Auch wenn er das Gedicht von Böhmermann nicht dem Wortlaut nach kenne, meint er: „Das war unfair. Böhmermann muss deshalb vor Gericht.“ Einer der an der Deisterstraße residierenden türkischen Geschäftsleute, der seinen Namen nicht genannt sehen möchte, lehnt Beleidigungen grundsätzlich ab und fordert auch für Satire, ohne verletzende Beleidigungen auszukommen. Da ihm aber der Begriff der Kunstfreiheit geläufig ist, möchte er davon absehen, Böhmermann bestrafen zu lassen. „Die Presse- und Meinungsfreiheit ist ein zu hohes Gut“, betont er.

Die Grenzen der Pressefreiheit sieht hingegen Bilgin Onur, der Vorsitzende der islamischen Gemeinde an der Hunoldstraße, erreicht, wenn sie volksverhetzende und antisemitische Bereiche berühre. Dass Erdogan sich mit einer Strafanzeige und der Forderung an die Bundesregierung, den Satiriker vor Gericht zu stellen, wehre, dürfe niemanden verwundern. „Wenn jemand einen anderen so beschimpft und erniedrigt, muss er mit solchen Reaktionen rechnen.“ In der Moschee sei das Ganze kein Thema. „Wir sind momentan vor allem damit beschäftigt, das Ramadan-Fest im Juni vorzubereiten.“

Suna Baris, die zweite Vorsitzende der Fatih-Moschee, will die Causa Böhmermann überhaupt nicht kommentieren. „Wir geben grundsätzlich keine Äußerungen zu politischen Angelegenheiten ab, die die Türkei betreffen, weil wir uns als religiöse Gemeinschaft nicht politisch instrumentalisieren lassen wollen.“ Über den Konflikt könne jeder denken, was er wolle, „aber wir wollen den Frieden in unserer Gemeinschaft nicht gefährden“.

Eine möglicherweise spannende juristische Auseinandersetzung bahnt sich in Deutschland wegen des Schmähgedichts von Jan Böhmermann (li.) über den türkischen Präsidenten Recep Erdogan an.

Foto: dpa



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