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Die vorgeschriebene frühe Aussaat macht es den Landwirten schwer

Blühstreifen gegen Insektensterben

WEHRBERGEN. Naturschutz kann so einfach sein: Dort wo Landwirte sogenannte Blühstreifen aussäen, summt und brummt es. Das hilft in der Folge auch Wildbiene, Rebhuhn und Fasan. In der Regel sind die Kräuter- und Wildblumenmischungen an den Feldrändern von der EU gefördert. Sie sollen die Artenvielfalt erhalten und das Insektensterben bremsen. Einer, der diesen Anreiz seit mehreren Jahren umsetzt, ist Landwirt Cord Möller. Problematisch findet er allerdings die Fristen für die Aussaat.

veröffentlicht am 03.01.2019 um 16:21 Uhr
aktualisiert am 03.01.2019 um 17:14 Uhr

Hummel auf Kratzdistel Foto: Niko Wolf
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite

Im letzten Jahr hätte er es fast gelassen, sagt Möller. Der Streifen auf seinem Feld im Wacholderberg zwischen Fischbeck und Wehrbergen liegt in einer leichten Senke, direkt neben dem Wald. „An so einem Standort muss es erst mal trocken werden für die Aussaat“, sagt er.

Die Natur will sich nun mal nicht bürokratischen Regeln unterwerfen. Die Richtlinien für das in niedersächsische Blühstreifenprogramm sehen indes eine Aussaat bis zum 15. April vor. Der Grund: Das Gelege der Feldlerche – übrigens der Vogel des Jahres – soll möglichst nicht zerstört werden. „Wenn man etwas für die Biene tut, ist es nicht unbedingt gut für die Feldlerche“, erklärt Hans-Jochen Klostermann, von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, zuständig für den Kreis Hameln-Pyrmont.

Die Feldlerche ist allerdings am Wacholderberg in der Regel nicht anzutreffen. Doch seit Cord Möller den Blühstreifen angelegt hat, tummeln sich dort wieder Ackerhummeln, Wildbienen und Schmetterlinge. Neben Weizen, Raps und Gerste wachsen auf dem 1,16 Hektar breiten Streifen Sonnenblumen, Borretsch, kleine Malven, Springkraut, Phacea und Ringelblume. Der Blühstreifen und der angrenzende Wald seien zwei Biotope, die gut zueinander passen, sagt der Hamelner Naturschützer Niko Wolf, der für den Nabu Niedersachsen tätig ist. Zudem sei dort das größte Vorkommen an Rot- und Schwarzmilanen in der Gegend auszumachen. Ein Indikator, dass die Versorgungslage für die Vögel gut ist, sagt der Naturfreund.

Raupe vom Buchen-Streckfuß. Foto: Niko Wolf
  • Raupe vom Buchen-Streckfuß. Foto: Niko Wolf
Lichtnelke Foto: Niko Wolf
  • Lichtnelke Foto: Niko Wolf
Borretsch Foto: Niko Wolf
  • Borretsch Foto: Niko Wolf
Wacholderberg bei Wehrbergen mit Blühstreifen. Foto: Niko Wolf
  • Wacholderberg bei Wehrbergen mit Blühstreifen. Foto: Niko Wolf
Raupe vom Buchen-Streckfuß. Foto: Niko Wolf
Lichtnelke Foto: Niko Wolf
Borretsch Foto: Niko Wolf
Wacholderberg bei Wehrbergen mit Blühstreifen. Foto: Niko Wolf

700 Euro Zuschuss bekommen die Landwirte pro Hektar Blühstreifen, erklärt Hans-Joachim Klostermann. 100 kommen noch mal obendrauf, wenn der Landwirt sich mit dem örtlichen Imkerverband abspricht. Insgesamt gab es im letzten Jahr 118 Antragsteller im Landkreis Hameln-Pyrmont, 2017 waren es 112, heißt es von der Bewilligungsstelle der Landwirtschaftskammer. Bei 39 350 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche sind insgesamt 437,48 Hektar Blühstreifen (419,95 in 2017) angelegt worden. Die Angaben beziehen sich auf einjährige Blühstreifen, nicht mit eingerechnet sind die mehrjährigen.

Die mag Cord Möller nicht so gern. „Das muss jährlich bearbeitet werden, sonst hat man zu viele Disteln auf dem Acker“, sagt er. Er ist eher ein pragmatischer Landwirt, hat den Streifen angelegt, weil er schwer zu beackern ist. Außerdem, sagt er, sei es finanziell interessant. Er glaubt zwar, dass die Maßnahmen die Artenvielfalt fördern, doch Blühstreifen allein halten das Insektensterben nicht auf, sagt er. Dass die Landwirtschaft allein für die Entwicklung verantwortlich gemacht wird, stört ihn. Er verweist auf all die Vorgärten, in denen nur noch Steine liegen. Und die Misthaufen – früher eine Brutstätte für Insekten – die heute zugedeckt werden müssten.

Ein Teil des Zuschusses für die Blühstreifen kommt von der EU, der Rest vom Land. Jedes Bundesland hat zudem sein eigenes Blühstreifenprogramm, sagt Hans-Jochen Klostermann. Das erklärt, warum der Zeitpunkt der Aussaat in den Bundesländern zu unterschiedlichen Zeiten endet, in Bayern sogar erst im Juni. Das würde auch den Fachleuten vom Bieneninstitut Celle viel besser ins Konzept passen, weiß Klostermann, denn auf diese Weise würden die Bienen auch später im Sommer noch Nektar finden.

Auch Cord Möller wäre das recht, denn sein Ackerstreifen ist um diese Zeit nun mal zu nass. Im letzten Jahr verlängerte Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast die Frist immerhin bis zum 30. April Möller hofft, dass es keine Ausnahme war.

2018 so heißt es aus dem Landwirtschaftsministerium, sei die Aussaat aufgrund der starken Herbst- und Winterniederschläge und der deutlich späteren phänologischen Entwicklung verschoben worden. Bei besonderen Witterungsereignissen oder regional gehäuft auftretenden Problemen könne das Ministerium eine generelle Ausnahme für größere Gebiete zulassen.

„Diese Praxis soll auch zukünftig so beibehalten werden“, sagt eine Sprecherin.



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