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Unternehmen trennt sich bis Jahresende von 70 Mitarbeitern

BHW investiert Millionen

Hameln. Hamelns größter Arbeitgeber BHW investiert mit seiner Konzernmutter Postbank „einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag“ am Standort Hameln. Das hat BHW-Chef Lars Stoy gegenüber der Dewezet bekanntgegeben. Investiert werden soll in eine neue IT-Struktur. Allerdings trennt sich das Unternehmen bis Jahresende von 70 Mitarbeitern.

veröffentlicht am 20.01.2017 um 12:16 Uhr
aktualisiert am 20.01.2017 um 18:10 Uhr

Fast 2700 Mitarbeiter arbeiten inzwischen wieder bei BHW in Hameln. Foto: Dana
Thomas Thimm

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Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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Es gilt nach wie vor: Erklärte Absicht der Deutschen Bank ist bis dato, ihre erst 2008 gekaufte Tochter Postbank wieder loswerden zu wollen. Und damit wohl auch ihre Hamelner Enkelin BHW, bei der mittlerweile wieder fast 2700 Mitarbeiter beschäftigt sind. Dass man sich in der Bonner Postbank-Zentrale und bei Hamelns größtem Arbeitgeber immer mal wieder Gedanken über die Frankfurter Gedankenspiele bezüglich eines Verkaufs im Stück an eine andere Größe der Finanzwelt oder auch in kleinen Aktienteilen im Zuge eines Börsengangs macht, das gehört zum normalen Leben in der Finanzbranche dazu.

Lars Stoy, seit Mitte 2013 Chef im Hause BHW, kennt und weiß das alles. Was er nicht wissen kann, ist, wie die oberste Etage um den Deutsche-Bank-Chef John Cryan letztlich entscheiden wird. Verkauf? Börsengang? Oder am Ende vielleicht doch ein Verbleib, vielleicht sogar eine komplette Integration beim Branchenprimus?

Was Stoy als Vorstandsvorsitzender der BHW Bausparkasse allerdings klar sagt, ist: „Man muss sich um BHW oder auch den Standort Hameln an sich nicht sorgen.“ Und er zählt Gründe dafür auf: BHW lege im Neugeschäft zu, habe überarbeitete und deshalb zeitgemäße Produkte, fokussiere sich verstärkt auf sein Geschäft als Baufinanzierer – so legte das Geschäft mit der Baufinanzierung im Jahr 2016 im zweistelligen Prozentbereich zu. Aber vor allem haben Postbank und BHW einen Plan, wie sie die internen Kosten senken können: „Wir investieren einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag in unsere IT. Damit werden anschließend die Verwaltungskosten sinken, wir werden profitabler werden und einen positiven Beitrag zum Postbank-Ergebnis leisten können.“ Das IT-Projekt ist auf zwei Jahre angelegt, Ende 2018 soll alles umgestellt sein, ab 2019 sollen die Kosten an dieser Stelle dann spürbar sinken.

BHW wird sich bis Ende 2017 am Standort Hameln von 70 Mitarbeitern trennen.

Das wäre nach Einschätzung des BHW-Managements auch das Jahr, in dem sich frühestens etwas Existenzielles an der Zinsfront tun werde. Stoy rechnet damit, dass „wir die Niedrigzinsphase mindestens bis 2019 als gegeben hinnehmen müssen“. Selbstverständlich leidet das BHW wie alle Bausparanbieter unter den niedrigen Zinsen. Stoy: „Auf der Passivseite belasten uns Altverträge mit hohen Zinssätzen, die Anlagen auf der Aktivseite werden aber aufgrund des aktuellen Zinsniveaus deutlich niedriger verzinst als früher. Daher kommt bei uns dem Geschäft mit der Baufinanzierung eine so hohe Bedeutung zu.“ Diese Zinsfalle ist branchenweit bereits x-fach beschrieben worden – nur ändert die reine Erklärung so rein gar nichts an den Tatsachen. So freut sich der eine oder andere in der Finanzbranche bereits, wenn er ein Jahr wie 2016 mit einer Schwarzen Null abschließt, so wohl auch das BHW. Stoy bezeichnet die Zinsbedingungen für die Bausparbranche als „echten Stresstest“. So müsse sich ein Unternehmen wie BHW immer wieder aufs Neue fragen, welche Produkte wichtig seien, auf welches Neugeschäft man sich fokussiere und was man mit den Altbeständen mache. Allerdings, so Stoy, sei dies doch immer und überall „eine ganz normale Management-Aufgabe“.

Postbank-Chef Frank Strauß untermauerte am Freitag im „Handelsblatt“ die positive Haltung der Bonner Zentrale zu ihrer Hamelner Tochter: „Für uns ist BHW ein strategischer Teil des Geschäfts und damit Kern. Nicht zuletzt, weil sie durch ihr Kreditgeschäft dazu beiträgt, den Einlagenüberhang abzubauen.“ Seit Mitte 2016 sei die Postbank unter dem Dach der Deutschen Bank eigenständig, BHW ein wichtiger Bestandteil der Postbank.

In den letzten Jahren ist das BHW wie auch seine Wettbewerber immer mal wieder in die negativen Schlagzeilen gerückt, wenn es darum ging, dass sich die Bausparkassen von Altverträgen getrennt haben. Übersparte Verträge, die gar nicht darauf ausgerichtet seien, bauen zu wollen, sondern nur zum Sparen genutzt würden, „schädigen das Kollektiv der Bausparer“, sagt Stoy. Zahlreiche vorinstanzliche Gerichtsurteile hätten BHW bereits Recht gegeben – im Februar nun sei mit „einem richtungsweisenden Urteil des Bundesgerichtshofes“ zu rechnen.

Alte, teure Verträge loszuwerden und in die IT zu investieren, sind zwei Ansätze, die Kosten zu reduzieren. Es gibt jedoch auch noch einen dritten Punkt, und der betrifft das Personal: BHW wird sich bis Ende 2017 am Standort Hameln von 70 Mitarbeitern trennen. Stoy betont: „Das wird sozialverträglich und größtenteils über Vorruhestandsregelungen geschehen und bedarf der Zustimmung auch des jeweiligen Arbeitnehmers.“ Niemand solle einfach so vor die Tür gesetzt werden, und die Quote von 70 zu 2700 Mitarbeitern spreche ohnehin eine sanfte Sprache für den Standort Hameln.



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