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Vier Jahre Haft für Disko-Attacke an der Deisterstraße / Fall beschäftigte zwei Große Strafkammern

BGH beendet jahrelangen Zwist um Messerstich

Hameln. Das juristische Tauziehen um einen Messerstich im ehemaligen „Late Night Club Schroeders“ an der Hamelner Deisterstraße (wir berichteten mehrfach) ist zweieinhalb Jahre nach der Tat zu Ende gegangen. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hat die Revision gegen das Urteil der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts zurückgewiesen. Damit ist der am 12. März verkündete Richterspruch rechtskräftig geworden. Das teilte Richter Dr. Matthias Kannengießer mit.

veröffentlicht am 14.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 16:21 Uhr

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Autor:

Ulrich Behmann
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Der zweifache Familienvater Giovanni S. (29) aus Hameln hatte gestanden, am 1. Mai 2008 den Disko-Gast Peter W. (47) mit einem Stich in den Kiefer verletzt zu haben. Wegen dieser Attacke war der bereits wegen Einbruchs und schweren Raubes vorbestrafte Mann zweimal innerhalb von nur 16 Monaten von zwei Strafkammern stets zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt worden – allerdings immer nur wegen gefährlicher Körperverletzung.

Die Staatsanwaltschaft (sie hatte in beiden Prozessen sechs Jahre Gefängnis wegen versuchten Totschlags gefordert) und die Verteidigung (Freispruch, ersatzweise drei Jahre wegen gefährlicher Körperverletzung) legten Revision gegen das zweite Urteil ein. Verteidiger Friedrich-Eckart Klawitter sagte seinerzeit der Dewezet, er habe lediglich vorsorglich Revision eingelegt, denn: „Ich gehe davon aus, dass der BGH das Urteil nicht aufheben wird. Es wurde nämlich sehr gut und sorgfältig begründet.“ Insofern sei er überrascht, dass die Staatsanwaltschaft nicht auf Rechtsmittel verzichtet habe. So wie es Klawitter prophezeit hatte, kam es auch. „Der Bundesgerichtshof hat die beiden Revisionen verworfen“, sagte gestern Richterin Stephanie Munk.

Bereits am 5. Dezember 2008 war Giovanni S. vom Schwurgericht Hannover (13. Große Strafkammer) zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt worden – allerdings nicht – wie von Staatsanwaltschaft und Nebenklage beantragt – wegen versuchten Totschlags, sondern eben nur wegen gefährlicher Körperverletzung. Schon damals hatte die Staatsanwaltschaft sechs Jahre Haft wegen versuchten Totschlags und die Verteidigung einen Freispruch (ersatzweise maximal drei Jahre wegen gefährlicher Körperverletzung) beantragt. Dass sein Mandant zugestochen hat, bestritt der Star-Anwalt nicht. Aus Klawitters Sicht handelte Giovanni S. jedoch in Notwehr.

Mit diesem Urteil war die Staatsanwaltschaft Hannover nicht zufrieden. Sie legte Revision ein, ließ den Richterspruch vom Bundesgerichtshof überprüfen. Der BGH hob das erste Urteil des Schwurgerichts auf. Die Richter in Karlsruhe waren der Auffassung, die 13. Kammer habe seinerzeit nicht genügend geprüft, ob die Voraussetzungen für einen, wie es im Juristendeutsch heißt, „bedingten Tötungsvorsatz“ vorliegen. Deshalb musste der Prozess gegen Giovanni S. wegen versuchten Totschlags im März 2010 neu aufgerollt werden. Auch die 2. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Helfried Teschner kam zu dem Schluss, „dass dem Angeklagten ein bedingter Tötungsvorsatz nicht nachzuweisen ist“. Wieder wurde Revision eingelegt. Diesmal jedoch erfolglos.

Einen Beruf hat Giovanni S. nicht gelernt. Er hielt sich mit Jobs in der Gastronomie über Wasser. Manchmal hat der Hamelner allerdings nicht gekellnert, sondern krumme Dinger gedreht. Als er im „Schroeders“ zum Springmesser griff, befand er sich gerade auf Bewährung in Freiheit. Am 3. Februar 2004 war er wegen Diebstahls und Einbruchs zu 18 Monaten Haft verurteilt worden. Nicht einmal anderthalb Jahre später, am 30. Mai 2005, schickte das Landgericht den Straftäter wegen schweren Raubes hinter Gitter. Die Kammer bildete seinerzeit aus dem alten und neuen Strafmaß eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten. Der Gefangene wurde bereits am 23. Oktober 2007 mit Auflagen vorzeitig aus der Haft entlassen. Am 1. Mai 2008 stach er dann zu.

Die Tatwaffe: Mit diesem Messer hat Familienvater Giovanni S. (29) auf einen Disko-Gast eingestochen.

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