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Sana-Klinikum

Beweise sichern ohne Polizei: Opferambulanz für Frauen

HAMELN. Seit 2016 gibt es im Sana-Klinikum eine Opferambulanz. Dort können sich Mädchen und Frauen, die Opfer häuslicher und sexueller Gewalt geworden sind, zur Beweissicherung untersuchen lassen, ohne zeitgleich Anzeige zu erstatten. Denn Realität ist, dass viele Opfer sich schämen, zur Polizei zu gehen.

veröffentlicht am 12.12.2017 um 13:16 Uhr
aktualisiert am 13.12.2017 um 17:30 Uhr

Nach einer Studie des Bundesfamilienministeriums wird jede vierte Frau im Laufe ihres Lebens Opfer von häuslicher Gewalt oder einer Sexualstraftat durch einen früheren oder den aktuellen Beziehungspartner. Foto: Bilderbox
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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„Aus der Psychologie weiß man, dass viele die Schuld bei sich suchen“, sagt Dr. Thomas Noesselt, Facharzt für Frauenheilkunde im Klinikum.

Um diese Klippe zu umschiffen, hat die MHH-Hannover 2012 das „Netzwerk ProBeweis ins Leben gerufen, dem mittlerweile 31 Partnerkliniken angehören. Denn für eine erfolgreiche Strafverfolgung ist es wichtig, die Beweise schnell zu sichern. „Möglichst sofort“, sagt Noesselt. Spermaspuren beispielsweise hielten sich nur bis zu 48 Stunden.

Im Vergleich zu anderen Ambulanzen – in denen man sich natürlich auch vorsorglich untersuchen lassen könnte – seien die „ProBeweis“-Ambulanzen“ breit aufgestellt. Als Ableger des MHH-Instituts für Rechtsmedizin verfügen sie über notwendige Kenntnisse und Erfahrungen bei der gerichtsverwertbaren Befunddokumentation.

Betroffene werden in der Frauenklinik des Sana von einer Ärztin und einer weiblichen Begleitkraft untersucht. Eine Checkliste von ProBeweis hilft dabei. Die Helfer gehen nur soweit, wie es das Opfer erlaubt: Die Untersuchung des Intimbereichs gehört nicht zwangsläufig dazu. Geprüft werden auch Kratzspuren und Würgemale, es wird nach Haut- und Gewebepartikeln des Täters für die DNA-Analyse gesucht, nach Haaren und Sperma. Auch in getragener Kleidung, die immer mitgebracht werden sollte. „Unsere Ärztinnen sind alle geschult“, erklärt Noesselt.

Der Erfolg ist indes noch mager. Man habe sich mehr versprochen, räumt der Arzt ein. Nur sechs Patientinnen suchten die Ambulanz seit ihrem Bestehen ohne Polizeianzeige auf. Dass nicht viele kommen, hatte ProBeweis bereits prognostiziert. Noesselt findet das ungewöhnlich: Nach einer Studie des Bundesfamilienministeriums werde jede vierte Frau im Laufe ihres Lebens Opfer häuslicher oder sexueller Gewalt. Aber auch die Untersuchungen, die mit polizeilicher Anzeige erfolgten, bewegen sich auf niedrigem Niveau: Fünf bis 10 seien es im gleichen Zeitraum gewesen.

Ermittlungsverfahren wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung gab es im Landkreis Hameln-Pyrmont 2016 insgesamt 18. Ein ganzer Teil davon liege allerdings länger zurück, manchmal viele Jahre, erklärt Polizeisprecher Jens Petersen. Fälle von überfallartiger Vergewaltigung oder sexueller Nötigung wurden zwei im Jahr 2015 angezeigt.

Abgerechnet werden die Fälle, die so kommen, übrigens nicht mit der Krankenkasse, sondern mit einer Stiftung die ProBeweis unterstützt.



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