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Konzept für Unterkunft in Arbeit

Bessere Lösung für Obdachlose?

HAMELN. Die Stadt arbeitet an einem Konzept für eine neue oder verbesserte Unterkunft für Obdachlose. Vorab hat eine Abordnung das Obdachlosenheim Am Harkenkamp in Langenhagen besucht. Dort werden die Menschen nicht nur untergebracht, sondern auch sozial betreut - wenn sie wollen. Die Bilanz ist positiv.

veröffentlicht am 08.06.2017 um 12:59 Uhr
aktualisiert am 08.06.2017 um 20:00 Uhr

In der Obdachlosen-Unterkunft in Tündern gab es wiederholt Probleme. Foto: wal
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Ein erbarmungswürdiges Gebäude und ein schwieriges soziales Miteinander kennzeichnen die Situation der Obdachslosen in Tündern (wir berichteten). Die schwierige Situation der Menschen lässt auch die Verwaltung der Stadt Hameln nicht kalt. Stadträtin Martina Kurth-Harms würde gern etwas ändern und neben dem reinen Obdach – nur das ist gesetzlicher Auftrag – mehr Hilfe bieten. Es wäre eine freiwillige Leistung der Stadt.

Das heißt auch, dass das Geld, das man für die Verbesserung der Lebensituation der obdachlosen Menschen in die Hand nimmt, immer wieder auf dem Prüfstand steht. Wünschenswert wäre für diese nicht nur eine neue Unterkunft, sondern auch regelmäßige Betreuung, glaubt Kurth-Harms. Ob die Situation letztlich weiter als „hinnehmbar“ eingestuft wird oder ob man tätig wird, liege am Ende in der Hand der Politiker. Billigen sie die Konzepte, die derzeit im Rathaus erarbeitet werden, könnte man zum Haushaltsjahr 2018 starten.

Wo das sein könnte, ist unklar. Tündern als Standort habe Vor- und Nachteile, meint Kurth-Harms. Ein Vorteil sei, dass die Unterkunft vor Ort akzeptiert sei, ein Nachteil sei die Infrastruktur: Die Anschlusshilfen für die Bewohner, die in der Regel Probleme haben, ihren Alltag zu strukturieren, befinden sich in Hameln.

Um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie und ob Hilfe für Obdachlose funktioniert, die unter Umständen gar keine Hilfe wollen, hat Martina Kurth-Harms die Obdachlosenunterkunft in Langenhagen besucht. 2009 wurden am zwei alte Schlichthäuser saniert und bezogen. In karg eingerichteten Zimmern mit Kochnische, Bad und einer zu Beginn steril verpackten Matratze, bieten sie Raum für das Notwendigste. Schränke und Betten sind aus Metall, unverwüstlich sozusagen.

An drei Tagen ist am Harkenkamp eine Sozialarbeiterin vor Ort. Meist geht es um Einzelfallhilfe. Vorrangigstes Ziel ist es, alles zu tun, damit ein weiterer Aufenthalt in der Unterkunft nicht notwendig ist. Die Effekte durch die Sozialkontrolle werden als positiv bewertet. „Natürlich gibt es immer Menschen, die man nicht erreicht, die gibt es auch in Langenhagen“, sagt Martina Kurth-Harms. Stärker ausgeprägt als früher ist aus Sicht von Kurth-Harms die Multiproblematik aus Sucht, psychischer und physischer Krankheit vieler Betroffener.

Obwohl die Stadt eigentlich nicht verpflichtet ist, wird ein solches Modell samt Kosten derzeit im Rathaus auf verschiedenen Ebenen geprüft. Im nächsten Schritt wolle man auch die Zusammenarbeit mit dem Landkreis suchen, der für die Betreuung durch Sozialarbeiter zuständig ist.

Denn es liegt auf der Hand: Wird nur Obdach gewährt, wie es der gesetzliche Auftrag verlangt, sind heftige Zustände meist nicht fern. An diesem Punkt muss die Politik, und letztlich der Bürger, entscheiden, ob das auszuhalten ist.



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