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Kämpfer für die Inklusion

Berater, Vorbild und Querkopf: Gotthard Feist mit 70 Jahren gestorben

HAMELN. Er setzte sich über Jahrzehnte mit großem Einsatz für Menschen mit Handicap ein und gab vielen eine Stimme, die sonst meist nicht gehört werden. Als langjähriger Vorsitzender des Beirats für Menschen mit Behinderung hat er sich einen Namen als Kämpfer für die Inklusion gemacht. Im Alter von 70 Jahren ist Gotthard Feist am 5. Januar verstorben. Sein Tod kam für die meisten seiner Freunde und Mitstreiter überraschend.

veröffentlicht am 16.01.2021 um 14:00 Uhr

Lars Lindhorst

Autor

Ressortleiter zur Autorenseite

Gotthard Feist war seit einem Unfall querschnittsgelähmt und dauerhaft auf den Rollstuhl angewiesen. Als Behindertenvertreter bei seinem früheren Arbeitgeber BHW legte der Diplom-Betriebswirt den Grundstein für seinen Einsatz für Menschen mit Behinderung. Bereits Anfang der 1980er Jahre hat sich Feist der Ansprüche von Menschen mit Behinderung im öffentlichen Raum angenommen, hat diesbezüglich in Zusammenarbeit mit dem Paritätischen in Hameln-Pyrmont viele „wunde Punkte“ der Stadt ausgemacht und dokumentiert sowie einen ersten Behindertenwegweiser für Hameln erstellt. Bis Herbst 2020 war Gotthard Feist Vorsitzender des Beirats für Menschen mit Behinderung des Landkreises Hameln-Pyrmont. Diesen Posten bekleidete der Afferder über zehn Jahre lang.

Auch auf Feists Initiative hin ist der Hameln-Pyrmonter Inklusionspreis „Die Goldene Ratte“ ins Leben gerufen worden. Damit war eine Möglichkeit geschaffen, auf Probleme von Menschen mit Behinderung, einen Arbeitsplatz zu finden, hinzuweisen. Der Preis wird jährlich an Unternehmen verliehen, die Menschen mit Behinderung in das Arbeitsleben integriert haben.

Wegbegleiter beschreiben Gotthard Feist als Berater und Helfer, der vielen auch Vorbild gewesen ist. Auch gesundheitlich angeschlagen, sah sich Feist als einer, der „Probleme auf dem kleinen Dienstweg gelöst“ habe und für Ratsuchende jederzeit erreichbar war. Seine Ziele ging er nicht als Lautsprecher an, aber dennoch mit großer Hartnäckigkeit. Mancher kennzeichnet ihn durchaus auch als Querkopf oder Unruhestifter – in konstruktivem Sinne. „Nachrüsten wird immer viel teurer“, sei einer seiner Leitsprüche gewesen, wenn er mit Blick auf Barrierefreiheit Gutachten für Stadt und Landkreis anfertigte. Der persönliche Besuch einer barrierefrei umgestalteten Bushaltestelle zum Beispiel war für Gotthard Feist obligatorisch. Versäumnisse dabei habe er stets umgehend angemahnt.

Gotthard Feist

Als Ansprechpartner, Berater und Kritiker wird Gotthard Feist vielen Menschen in Hameln-Pyrmont fehlen.



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