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Hamelner ist irritiert

Bemalte Steine vor der Tür: Kunstwerk oder Gaunerzeichen?

Bunt bemalte Kieselsteine. Liebevoll bemalt sogar: in zwei verschiedenen Blautönen der eine, grün der andere, beide mit weißen Punkten verziert. Freuen mochte sich der Finder der kleinen Kunstwerke trotzdem nicht. Peter Stock entdeckte sie vor seiner Haustür an der Koppenstraße.

veröffentlicht am 08.05.2019 um 13:33 Uhr

Diese bemalten Kiesel fand Peter Stock an seiner Haustür – und konnte sich zunächst keinen Reim darauf machen. Foto: Dana

Autor:

Frank Henke und Frank Neitz
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HAMELN. Eine kleine Aufmerksamkeit, ein Kinderspaß? Der 56-Jährige befürchtet zunächst etwas anderes und wandte sich an die Dewezet.

Es könnte sich um „Gaunerzinken“ handeln, dachte er. „Gaunerzinken“ werden Symbole genannt, mit denen Einbrecher, früher auch Bettler, Häuser kennzeichnen: Eine gezackte Linie steht dann etwa für „bissiger Hund“, ein umgedrehtes großes T für „alleinstehende Person“. Hinweise, dass jemand ein Objekt ausbaldowert, können aber auch in den Türspalt geklemmte Flyer sein – oder auch Steinchen. Bleibt Papier oder Steinchen über Tage unberührt, ist das Haus wohl unbewacht, können finstere Gesellen dann etwa folgern. So hat es auch Peter Stock im Internet gelesen. Aber würden sich Einbrecher die Mühe machen, die Kieselsteine mit bunten Mustern zu verzieren, akkurat aufgetragen in mehreren Schichten? Obwohl doch wohl zum Beispiel ein Farbklecks oder Filzstiftgekritzel denselben Zweck erfüllt hätten?

Peter Stock hörte sich in der Nachbarschaft um. Eine Erklärung, kleine oder große Künstler, die ihre Werke unters Volk bringen wollten, fand er nicht. Die Polizei blieb indes gelassen. Gaunerzinken – ob gemalt oder abgelegt – seien „aktuell kein Thema“, sagte Frank Beißner, Leiter des für Eigentumsdelikte zuständigen Fachkommissariats der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden. Ab und zu gäbe es jedoch Anfragen, ob es sich um „geheime Zeichen“ handeln könne, so der Beamte gegenüber der Dewezet. „Da sind wir wachsam und gucken uns das natürlich an.“ Wie auch in der vergangenen Woche, als mehrere Hausbesitzer bunte Kiesel auf ihren Grundstücken in der Hamelner Innenstadt entdeckt hätten. Die Polizei bringt diese Funde jedoch nicht mit bevorstehenden Einbrüchen oder Straftaten in Verbindung. „Wir bewerten das nicht als typische Gaunerzeichen“, sagt der Polizeibeamte.

Schließlich erhielt Peter Stock in dieser Woche selbst einen Hinweis, der weiterführte: „Elbstones“ lautete das Stichwort. Und darunter finden sich im Internet dann zahlreiche bunte Steinchen, die mitunter den grünen und blauen Exemplaren aus der Koppenstraße recht ähnlich sehen.

Die Idee hinter den Elbstones ist simpel: Steine werden bemalt und ausgelegt. Wer sie findet, kann auf der Facebookseite „Elbstones“ ein Foto veröffentlichen und berichten, wo er den Stein entdeckt hat, ihn wieder aussetzen oder behalten. Ein Hinweis auf Facebook oder Ähnliches fehlt bei den beiden Hamelner Steinen allerdings. Dass es sich trotzdem wohl eher um Elfen- als um Gaunersteine handelt, glaubt jetzt aber auch Peter Stock, nur ein Rest Skepsis ist geblieben.

Das „Elb“ in Elbstones klingt nach den „Elben“ aus „Herr der Ringe“, gemeint ist aber wohl vor allem: die Elbe. Aus Lauenburg an der Elbe kommt Silke Schippmann, die Initiatorin der Aktion. In einem Interview mit dem NDR-Fernsehen sagte sie kürzlich, sie wolle mit den Steinen „Liebe verbreiten“, den Leuten „ein Lächeln aufs Gesicht zaubern“. Das hat an der Koppenstraße nicht so gut geklappt …



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