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Beim Digitalfunk ist der Kreis Schlusslicht

Mit der Einführung des Digitalfunks sollen zwei vordringliche Ziele erreicht werden: Eine bessere Sprach- und Empfangsqualität und eine Abhörsicherheit soll das neue und dann auch bundesweit einheitliche Funknetz den Rettungs- und Sicherheitskräften bieten. Dabei hinkt Deutschland der neuen Technik durchaus hinterher. Elf europäische Staaten, unter anderem Belgien, Schweden oder Großbritannien, aber auch Ungarn, Island und Litauen verfügen bereits über ein landesweites Digitalfunknetz. Neben Deutschland rüsten derzeit sieben weitere europäische Staaten (zum Beispiel Österreich, Bulgarien, Norwegen, Serbien) ebenfalls auf dieses System um. Das deutsche BOS-Digitalfunknetz wird mit 500 000 Nutzern allerdings das weltweit größte seiner Art sein. Es ist mittlerweile zum Beispiel in Berlin, Hamburg und Bremen aber auch in Niedersachsen in den Regionen Lüneburg und Oldenburg funktionsfähig und verfügbar. Seit dem 29. November 2011 gibt es in Mecklenburg-Vorpommern den ersten landesweiten erweiterten Probebetrieb im digitalen Funknetz. Und bei der Feuerwehr- und Rettungsleitstelle des Landkreises Verden läuft seit Anfang des Jahres ein Testbetrieb.

veröffentlicht am 03.02.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 02:21 Uhr

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Autor:

Friedrich-Wilhelm Thies
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„Dass wir hier einer der letzten Landkreise überhaupt in Deutschland sind, in dem diese Technik umgesetzt wird, liegt aber nicht an uns, sondern an den Planungen der Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, abgekürzt BDBOS, mit Sitz in Berlin, die die Federführung bei der Einführung des Digitalfunks hat“, erklärt der Referatsleiter für Sicherheit und Verbraucherschutz bei der Kreisverwaltung, Gerhard von Zobeltitz. Denn bevor der Digitalfunk eingeführt werden kann, muss erst eine Infrastruktur ähnlich wie beim Mobiltelefonnetz aufgebaut werden mit Basisstationen (rund 4500 quasi Sendemasten mit einem PC, die eine Netzzelle bilden) sowie sogenannten 64 Kernnetzstandorten (Vermittlungsstellen, Transitvermittlungsstellen, Netzverwaltungszentren). Dieser Ausbau wird von der Bundesbehörde gesteuert und wird mit den Bereichen der Polizeidirektionen Göttingen und Braunschweig bundesweit abgeschlossen sein.

Gerhard von Zobeltitz: „Somit hatten wir keinen Einfluss auf den zeitlichen Ablauf. Auch die Standorte der Funkmasten und weiteren Stationen bestimmt die Bundesanstalt, wobei wir darüber natürlich informiert werden.“ Wenn das Netz steht, soll Anfang 2013 ein Testbetrieb im Bereich der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden und somit für die beiden Landkreise starten. Ab dem Sommer 2013 wird es einen erweiterten Probebetrieb geben und Ende 2013/Anfang 2014 soll der Digitalfunk in den Endbetrieb gehen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt werden dann auch die Landkreise Schaumburg und Nienburg aufseiten der Polizei von der Kooperativen Regionalleitstelle Weserbergland in Hameln geleitet. Ob es noch weitere Kooperationen geben wird, steht derzeit noch nicht fest. „Trotz Digitalfunk wird aber auch weiterhin das alte, analoge Funknetz auf unbestimmte Zeit zur Sicherheit weiterbetrieben, da es bei einem so komplexen System sicher hier und da noch haken wird“, erklärt Rainer Thielke, Projektleiter Digitalfunk bei der Kreisverwaltung.

Mit diesen klaren Zeitvorgaben sind aber auch der Landkreis und die Kommunen aufgefordert, Vorbereitungen zu treffen. Gerhard von Zobeltitz: „Wir müssen die Leitstelle umrüsten auf Digitalfunk. Hard- und Software müssen gewechselt werden und es wird in diesem Zusammenhang auch gleich ein neuer Leitrechner eingebaut, der dann mit einer in Niedersachsen identischen Software arbeitet, und zwar bei der Polizei, der Feuerwehr und dem Rettungsdienst.“

Mitte nächsten Jahres mit Beginn des erweiterten Probebetriebs beim Digitalfunk soll dieser Leitrechner gebrauchsfähig sein. Von Zobeltitz bemerkt noch zu den Kosten: „Bei den im Investitionsprogramm für 2011 und 2012 ursprünglich enthaltenen Kosten zur Umrüstung der Leitstelle in Höhe von 1,7 Millionen Euro einschließlich einer Mitfinanzierung durch das Land und den Landkreis Holzminden als Kooperationspartner handelte es sich um eine erste Kostenschätzung. Die tatsächlichen Kosten werden aber erst nach erfolgter Ausschreibung feststehen.“ Mit der Umstellung wird es eine Menge Schulungsbedarf in den Reihen der Disponenten der Leitstelle geben, die sich komplett umstellen müssen. Auch die Datenpflege und Betreuung des PC-Systems werden einen besonderen Stellenwert bekommen, die eventuell von zwei Systemadministratoren übernommen wird.

Aber auch die Kommunen sind gefragt, denn sie müssen die Endgeräte beschaffen und dazu die Kosten tragen. Der Referatsleiter: „Im Bereich Digitalfunk gibt es eine sehr gute Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden im Landkreis Hameln-Pyrmont. So läuft gerade eine landesweite Ausschreibung zu den Endgeräten, an der sich alle Betroffenen im Landkreis beteiligt haben, was aus wirtschaftlicher Sicht ja auch Sinn macht.“ Die neuen Funkgeräte für den festen Einbau im Fahrzeug oder als tragbare Geräte werden zwischen 500 und 1000 Euro kosten, ja nach Ausstattung und Zubehör. Mittel dazu sind in den Haushalten der verschiedenen Kommunen eingestellt. „Wir wollen einen Warenkorb zusammen mit der Polizei von zunächst 1000 Geräten anschaffen, aus denen sich die Kommunen aus dem Landkreis Hameln-Pyrmont und die Polizei dann bis zum Jahr 2015 bedienen können. Sie entscheiden, wie viele Geräte sie wann kaufen wollen“, erklärt Rainer Thielke. Dafür haben die Städte und Gemeinden unterschiedliche Mittel im Haushalt vorgesehen, die Gemeinde Salzhemmendorf etwa 16 000 Euro, die Stadt Hessisch Oldendorf 24 000 Euro. Erste ermittelte Kosten für den Landkreis mit 53 Fahrzeugen und 66 Handfunkgeräten bei der Kreisfeuerwehr und den Katastrohenschutzeinheiten wurden auf 136 000 Euro verteilt auf vier Jahre ermittelt.

Doch auch auf die Aktiven in den 116 Ortsfeuerwehren und sechs Werkfeuerwehren kommen Veränderungen durch den Digitalfunk zu. So müssen rund 2000 Einsatzkräfte auf die neue Technik geschult werden, um die Geräte auch bedienen zu können. Dass soll wegen der großen Anzahl allerdings nicht zentral an der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Kirchohsen erfolgen, sondern jeweils in den Städten und Gemeinden. „Dazu werden wir zunächst die Kreisausbilder in Sachen Funk als Multiplikatoren ausbilden, die dann die Schulung der Feuerwehrkräfte übernehmen. Wir würden dies gerne so schnell wie möglich in Angriff nehmen, brauchen dazu aber ein funktionierendes Netz und müssen auf die Weisung der Polizeidirektion warten“, erklärt Kreisausbildungsleiter Kay Leinemann. Angedacht sind diese Schulungen derzeit für 2013 und 2014. Und auch auf neue Funkrufnamen müssen sich unter anderem die Brandschützer einstellen. Die bisher vierstellige Fahrzeug-Rufnummer, die in zwei Gruppen aufgeteilt war, wird dann durch eine sechsstellige Ziffernfolge, aufgeteilt in drei Gruppen, ersetzt. Auch hier laufen ganz aktuell bei den Feuerwehren die Planungen für die Vergabe der neuen Funkrufnamen.

Die Zukunft ist digital – das gilt nicht nur für den Fernsehempfang per Satellit, sondern auch für den Funkverkehr von Polizei, Feuerwehr sowie anderen „Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS)“. Inzwischen sind Zeiträume festgelegt, in denen der digitale Funk für Hameln-Pyrmont und Holzminden eingeführt werden soll.

Kay Leinemann, Kreisausbildungsleiter der Feuerwehr in Hameln-Pyrmont, mit einem Digitalfunkgerät. Fotos: tis



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