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Hamelner Verpackungsunternehmen stoppt am 31. Dezember die Produktion – für immer

Bei Full stehen die Maschinen still

Hameln. Wenn es Orte gibt, an denen die Jahrzehnte sich zu einem bestimmten Duft komprimieren, dann gehört die Full GmbH am Feuergraben ganz bestimmt dazu. In der Luft liegt der Geruch nach Büro, so wie er früher einmal war, nach Papier, alten Ordnern. Und es riecht nach Plastik. Seit 42 Jahren stellt das Unternehmen Klarsicht- und Kunststoff-Verpackungen her. Damit ist nun bald Schluss – ab dem 31. Dezember stehen die Maschinen für immer still.

veröffentlicht am 30.12.2014 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:16 Uhr

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Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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„Finanziell ist aber alles in trockenen Tüchern“, betont Inhaber Heinrich Full, der das Unternehmen in dritter Generation führt. Doch das, was passieren müsste, um die Firma weiterhin rentabel zu halten, übersteigt die Motivation und die Mittel des Unternehmers. Ein Teil der Mitarbeiter – inzwischen sind es nur noch acht – geht in Rente. Mit neuen Kräften noch einmal von vorn anzufangen, lohnt sich für den 59-Jährigen nicht, „ich würde eh nur noch ein paar Jahre machen“, sagt er. Was mit dem Gebäude und dem Grundstück dann passieren soll, ist ungewiss. Full hat es durchkalkulieren lassen und ist zu einem unbefriedigenden Ergebnis gekommen: 20 000 bis 30 000 Euro würden nach dem Abriss der Gebäude übrig bleiben. Zu wenig, wie er findet. Der Verkehrswert für die Gebäude und das 2000 Quadratmeter große Grundstück lag nach einer Schätzung 1995 bei knapp 300 000 Euro. Die Voraussetzungen, die er für einen Pächter schaffen müsste, übersteigen andererseits seine finanziellen Möglichkeiten.

Neben der Firma Maulhardt ist die Full GmbH eines der letzten Unternehmen, das den Bereich am Hamelner Feuergraben zum Mischgebiet macht. „Jemand, der das Gelände wieder gewerblich nutzen und bebauen wollte, dürfte heute bestimmt nicht mehr direkt bis an den Bürgersteig bauen“, sagt Full.

Gegründet wurde der Großhandel für Kunststoffverpackungen im Jahr 1912 von Heinrich Full, der in den Anfangsjahren sogenannte „Fetthüllen“ herstellte, in die Rinderfett und Schweineschmalz gefüllt wurden. Full Senior hatte sogar ein Zweigwerk in England, wurde dort aber während des Zweiten Weltkrieges enteignet.

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1958 baute das Unternehmen an, ein dreistöckiges Gebäude entstand. Anfang der 60er Jahre, als der Bedarf von Fetthüllen zurückging, wurde die Produktion peu à peu auf Plastikverpackungen für Fleischereierzeugnisse umgestellt – also die Verpackungen, in die der Fleischer an der Theke zum Beispiel den Fleischsalat füllt.

Full, dessen Berufswunsch eigentlich eine Tätigkeit im sozialen Bereich war, stieg nach dem Betriebswirtschaftsstudium in den elterlichen Betrieb ein, den sein Vater Anfang der 50er Jahre vom Großvater übernommen hatte. In den letzten 15 Jahren führte er den Betrieb mit einem befreundeten Unternehmen als Partner.

„50 Angestellte hatte der Betrieb in seinen glorreichen Zeiten“, sagt Full. 30 bis 35 waren es in den 1960er Jahren. In den letzten 15 Jahren schrumpfte die Belegschaft auf 12, zuletzt auf 8 Mitarbeiter.

Es habe einen Zeitpunkt gegeben, an dem er sich habe entscheiden müssen, den Betrieb entweder zu verkleinern oder auf der grünen Wiese richtig zu vergrößern. „Das Minimum wäre dann gewesen, zwei Schichten zu fahren“, sagt der Unternehmer. Full entschied sich dagegen, das Risiko war ihm zu groß.

Und wie fühlt sich Heinrich Full, wenn er die Becher- und Deckeltiefziehmaschinen zum Jahresende für immer abstellt? „Emotional geht es, mit der Abwicklung habe ich im nächsten Jahr noch genug zu tun.“

Ein bisschen Wehmut ist ihm anzumerken, als er davon erzählt, wie schön man früher auf dem Gelände und in den Hallen Verstecken spielen konnte. „Das war für uns Kinder ein Paradies.“



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