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Lage des heimischen Handwerks so gut wie seit zehn Jahren nicht / Ball mit Auftritt und Ehrungen

Bei der „Wirtschaft von nebenan“ brummt’s

Hameln. Es is’ ja, wie’s is’“ – eine Binse, die Stefanie allmorgendlich den Hörern von NDR 2 beim Frühstück verkündet. Doch nicht nur die Fans der Kultserie teilen diese Einstellung – auch das heimische Handwerk hat sie sich zu eigen gemacht. Kreishandwerksmeister Karl-Wilhelm Steinmann jedenfalls hat sie quasi verinnerlicht, und zwar in positiver Weise. Beim traditionellen Kreishandwerkerball im Weserbergland-Zentrum – wie immer auch mit Gästen aus Schaumburg – spricht Steinmann von „außergewöhnlichen Werten“, von denen er in den letzten zehn Jahren nur geträumt habe. Steinmann zitiert aus dem Herbstgutachten der Handwerkskammer Hannover und spricht von einem Geschäftsklimaindex von 63,4 Prozent, der in Hameln-Pyrmont sogar bei 65,5 Prozent liegt. Für diese Zufriedenheitswerte müsse sich das heimische Handwerk bei der Bundesregierung und ihrem milliardenschweren Konjunkturprogramm bedanken.

veröffentlicht am 21.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 15:21 Uhr

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Autor:

Christa Koch
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„Diese Mittel haben dem Arbeitsmarkt sehr geholfen und sind zumeist in energieeffiziente Maßnahmen investiert worden“, so der Kreishandwerksmeister, der glaubt, dass die Bürger inzwischen von der Bedeutung dieser Investitionen überzeugt sind. „Hier ist ein gewaltiges Investitionsvolumen loszutreten, was insbesondere dem Handwerk nützt.“ Aus diesem Grund trete er auch vehement für die Klimaschutzagentur ein, für die eigens ein Förderverein gegründet worden sei. Das Handwerk Hameln-Pyrmont ist darin immerhin der zweitgrößte Anteilseigner. An diesem Beispiel könne man sehen, welch starker Motor für Beschäftigung und Geschäftsentwicklung durch Klimaschutz zum Laufen gebracht werden könne. Bei den Ausbaugewerken, die in besonderer Weise davon profitieren, seien über 70 Prozent der Betriebe mit ihrer Geschäftsentwicklung zufrieden, sie stockten teilweise ihren Mitarbeiterstamm auf.

Insgesamt gibt es nach Steinmanns Worten nur eine Handwerkssparte, die sich derzeit noch in schwierigem Fahrwasser befindet: das Dienstleistungshandwerk mit Friseuren, Fotografen Uhrmachern oder Schuhmachern. „Man spürt, dass der private Konsum erst langsam wieder wächst“, nennt Steinmann neben der „unerträglichen Billigkonkurrenz“ als Grund für diesen Negativtrend. Trotzdem: Überwiegend brummt es derzeit im heimischen Handwerk mit seinen fast 1700 Betrieben, fast 10 000 Mitarbeitern und über 600 Millionen Umsatz, und so kann die „Wirtschaft von nebenan“ an diesem Abend auch mal sorglos feiern.

Wie man den Wirtschaftsraum Weserbergland ungeachtet dessen weiter stärken kann, dazu hat Steinmann eigene Vorstellungen: bessere Kommunalfinanzen, effizientere und sparsamere Verwaltungen, weniger Bürokratie, mehr Vernetzung über die Kreisgrenzen hinaus und mehr Marketing. Kopfnicken bei den meisten Anwesenden, aber auch Zustimmung für Kritik: „Politik und Verwaltung scheint es im Augenblick nicht zu gelingen, wirkliche Schritte in der kreisübergreifenden Zusammenarbeit nach vorne zu gehen, obwohl die Probleme infolge des Bevölkerungsrückgangs und der Verschuldung immer größer werden!“ Deshalb sei es wichtig, im Handwerk voranzuschreiten, beispielsweise noch enger mit Schaumburg zusammenzuarbeiten. Vielfach sei den Betrieben noch gar nicht klar, welche Herausforderungen auf sie zukämen. Steinmann sieht deshalb eine engere Verzahnung über Kreisgrenzen hinweg als vordringliche Aufgabe an.

Stichwort Ausbildung: Auch hier spart der Kreishandwerksmeister nicht mit Kritik. Es gebe immer noch zu viele Betriebe, die nicht ausbilden: „Sie werden sich wundern, wie schwer sie es künftig haben werden, Nachwuchs zu gewinnen und zu qualifizieren.“ Da auch das Potenzial an Berufsschülern sinkt, sieht der Kreishandwerksmeister sogar Schulstandorte in Gefahr. „Wenn wir diese Probleme nicht intelligent und zukunftsfest lösen, werden immer mehr junge Leute die Region verlassen“, warnt er. Es sei daher im Interesse der Betriebe wichtig, Vorbehalte auszuräumen und die Chancen eines Zusammengehens der Kreishandwerkerschaften Hameln-Pyrmont und Schaumburg zu nutzen.

Und das sich eine Ausbildung im Handwerk lohnt und man stolz auf den Nachwuchs sein kann, das wollen Steinmann und Kreislehrlingswartin Karin Echtermann an diesem Abend auf der Bühne unter Beweis stellen: Sie zeichnen folgende Auszubildende aus, die sich als Innungsbeste und/oder Kammersieger hervorgetan haben: Andrea-Christin Rennert, Sandra Börner, Michael Bannasch, Siego- Vincent Lücke, Mikheer Evgeny, Florian Biskupek und Lisa Bolinski. Das ist den gut gelaunten Ballgästen viel Breifall wert, und den bekommen anschließend auch Oberstabsfeldwebel Ralf Siegmann aus Bad Pyrmont mit seinem Überraschungsauftritt als „Hauptkommissar“ und die Band „Angel Face“, die für ein immer volles Parkett sorgt.

Eine Bildergalerie vom Handwerkerball mit Fotos von Frank Neitz gibt es im Internet unter www.dewezet.de.

Gibt den Takt an: Kreishandwerksmeister Karl-Wilhelm Steinmann (am Schlagzeug) mit dem geehrten Nachwuchs Andrea-Christine Rennert, Lisa Bolinski, Michael Bannasch, Sandra Börner, Florian Biskupek und Mikheev Evgeny (v. l. ).

Foto fn



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