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Infos zu Dauer, Lärm, Dreck und Schäden

Baustelle: Was Nachbarn akzeptieren müssen und was nicht

Ein Doppelhaus in Hameln: Bauarbeiten enden im Chaos, die eine Haushälfte bleibt monatelang ohne Dach, die gemeinsame Wand wird feucht und schimmelt. Ein extremer Fall (wir berichteten). Aber welche Rechte haben Eigentümer etwa von Doppelhäusern oder Eigentumswohnungen generell, wenn die Baustelle der Nachbarn zum eigenen Problem wird?

veröffentlicht am 11.05.2019 um 06:00 Uhr

So gravierend wie in diesem Doppelhaus in Wangelist fallen Baustellen-Probleme selten aus. Foto: fh
Frank Henke

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Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite
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HAMELN. Schön sind Bau- oder Sanierungsarbeiten nie – weder für die Auftraggeber noch für die Nachbarn im Haus oder nebenan: Lärm, Dreck und manchmal auch kleine oder sogar größere Schäden können sie mit sich bringen. Da aber nun mal jedes Haus irgendwann gebaut und jede Wohnung irgendwann mal saniert werden muss, müssen es die Nachbarn ertragen. Schließlich sind wir fast alle selbst ehemalige oder potenzielle Verursacher von Lärm und Dreck.


Die Dauer: Konkrete Vorschriften, wie viel Zeit so ein Bau- oder Sanierungsprojekt in Anspruch nehmen darf, gibt es nicht, erklärt Klaus Dieter Neumann, Geschäftsführer des Eigentümerverbandes Haus & Grund für Hameln und Umgebung. „Das ist eine Sache von Treu und Glauben.“ So nennen es die Juristen, wenn sie davon ausgehen, das sich Menschen schon anständig verhalten werden. In diesem Fall also die Annahme: Der Nachbar wird seine Bauarbeiten schon in angemessener Zeit zu Ende bringen. Kurzum: Es dauert so lange, wie es dauert.


Der Lärm: Konkreter wird es beim Lärm, der von einer Baustelle ausgehen darf. Einer der häufigsten Beschwerdegründe, wie Neumann bestätigt. In der Hamelner „Verordnung zur allgemeinen Gefahrenabwehr“ heißt es: Mittagsruhe von 13 bis 15 Uhr, Abendruhe von 19 bis 22 Uhr, Nachtruhe von 22 bis 7 Uhr. An Sonn- und Feiertagen: Sonntagsruhe, klar. Allerdings gelten die Regeln nicht für Arbeiten „gewerblicher Art“. Die beauftragten Handwerker müssen nicht bis 15 Uhr untätig herumsitzen. Doch dies gilt für „gewerbliche“ Arbeiten. Wer als Privatmann oder -frau selbst die Bohrmaschine anwerfen will, sollte sich an die Ruhezeiten halten. Auch für den Feierabend gelten bei professionellen Bauarbeitern andere Regeln: Die „Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Schutz gegen Baulärm“ (AVV) gibt für sie 7 bis 20 Uhr als mögliche Arbeitszeit an. Der Dauerschallpegel einer Baustelle sollte dabei, so der AVV-Richtwert, maximal bei 55 Dezibel liegen – das gilt übrigens auch samstags. Letztlich sei vieles abhängig vom Einzelfall, heißt es aus dem Hamelner Rathaus.


Der Dreck: Ein weiterer klassischer Grund für Ärger: Schmutz im Treppenhaus, Staub in der Luft, Schlamm auf der Straße. Die Lösung ist im Regelfall einfach: Wer’s dreckig macht, macht‘s auch wieder sauber. Der Bauherr ist zudem verpflichtet, etwa bei Abrissarbeiten, Staub zu vermeiden oder zu reduzieren (Bundesimmissionsschutzgesetz). Bei größeren Projekten zum Beispiel durch Planen oder Wassernebel.


Die Schäden: Auch dort ist die Lage grundsätzlich übersichtlich: Wer kaputt macht, was ihm nicht gehört, muss dafür zahlen. Oft sind dies Fälle für die Haftpflichtversicherung: das beschädigte Rohr, das dem Nachbarn feuchte Wände beschert, die angebohrte Stromleitung, die dem Fernseher einen Schlag verpasst.

Bei Doppelhäusern greifen noch mal spezielle Regeln. Wichtiger Unterschied: Teilen sich die Häuser eine „Nachbarwand“ oder hat jedes Haus seine eigene „Grenzwand“ mit kleiner Lücke dazwischen. Für eine gemeinsame Nachbarwand sind die Eigentümer auf beiden Seiten der Mauer verantwortlich. So ein Fall wie die Baustellenruine ohne Dach in Wangelist, sei ihm noch nicht untergekommen, sagt Klaus Dieter Neumann von Haus & Grund. Zu ähnlichen Problemen kann aber der Abriss einer Haushälfte führen. Dann muss der Eigentümer des abgebrochenen Gebäudes die Außenfläche der Nachbarwand „in einen für eine Außenwand geeigneten Zustand“ versetzen, heißt es im Niedersächsischen Nachbarrechtsgesetz (Paragraf 10). Wenn nicht, muss er für Schäden beim Nachbarn aufkommen.



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