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Ein Brief kann Tausende einsparen: Entschädigungen für vorzeitig gekündigte Kredite oft zu hoch

Banken kassieren zu viel von ihren Kunden

Genauer Blick aufs Kleingedruckte. Die vorzeitige Kündigung eines Bankkredits kann teuer werden. Oftmals berechnen die Banken hierbei zudem eine zu hohe Entschädigung.

veröffentlicht am 09.09.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 06:41 Uhr

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Foto: Bilderbox

Hameln (ash). Nachrechnen lohnt sich zurzeit besonders, wenn Kunden ihren Kredit vorzeitig kündigen. Die Entschädigung, die Banken als Schadensersatz kassieren ist oft Tausende Euro zu hoch. Die Experten der Stiftung Warentest stützen sich bei dieser Feststellung auf Analysen, die sie Bankkunden zusammen mit den Verbraucherzentralen Bremen und Hamburg anbieten.

So hat es ein Kunde der SEB Bank jüngst geschafft, mit einem einzigen Brief 5000 Euro sparen. Die Bank hatte von ihm 8000 Euro Schadensersatz verlangt, weil er seinen Immobilienkredit vor dem Ende der Zinsbindung gekündigt hatte. „Vorfälligkeitsentschädigung“ nennen die Banken dieses Geld. Die Verbraucherzentrale Bremen stellte fest, dass die Rechnung der Bank zu hoch ist. Der Kunde reklamierte daraufhin, und die SEB senkte ihre Forderung auf 3000 Euro.

Zurzeit verlangen die Banken besonders hohe Entschädigungen, weil sie die zu früh zurückgezahlte Kreditsumme nur zu niedrigen Zinsen wieder anlegen können, schrieb kürzlich die Zeitschrift „Finanztest“. Hoch sind die Forderungen aber auch immer wieder, weil die Banken falsch rechnen. Etwa jede zweite Rechnung sei falsch, hat jedenfalls „Finanztest“ herausgefunden. Grundlage waren mehrere Hundert Bankrechnungen, die allein im Jahr 2008 und 2009 überprüft wurden.

Festzinsdarlehen, die durch eine Hypothek gesichert sind, dürfen die Kunden nur ausnahmsweise vorzeitig kündigen. Vom Grund der Kündigung hängt es ab, ob der Kunde überhaupt ein Recht darauf hat und ob die Bank ihre Entschädigung nach Regeln berechnen muss oder willkürlich festlegen darf.

Erbschaft: Kunden, die geerbt haben und nun den Kredit vollständig tilgen wollen, haben kein Kündigungsrecht. Willigt die Bank dennoch in die vorzeitige Kreditauflösung ein, kann sie eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen und diese nach Gutdünken festlegen.

Umschuldung: Auch die Tatsache, dass die Zinsen gesunken sind, berechtigt den Kunden nicht, seinen Kredit zu kündigen, um einen günstigeren abzuschließen.

Berechtigtes Interesse: Feste Regeln für die Entschädigung gibt es, wenn der Kunde ein „berechtigtes Interesse“ an einer Auflösung des Kredits vor dem Ende der Zinsbindung hat. Ein solcher Fall liegt vor, wenn der Kreditnehmer sein Haus verkaufen will oder muss. Die Bank muss dann die Kündigung akzeptieren und nach den Regeln rechnen, die sich aus der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) ergeben.

Ein berechtigtes Interesse an der Kündigung hat der Kunde auch, wenn er sein Darlehen aufstocken will – etwa weil er zusätzlich Geld für eine Haussanierung braucht und die Bank das ablehnt. Ist eine andere Bank bereit, ihm den höheren Kredit zu geben, darf er den alten Vertrag kündigen und die Bank muss nach den Regeln abrechnen (BGH, Az.: XI ZR 197/96).

An diese Regeln müssen sich die Banken halten

Die Vorfälligkeitsentschädigung ist ein Schadensersatz für die Bank. Wegen der Kündigung vor dem Ende der Zinsbindung entgehen ihr Kreditzinsen. Diesen Schaden darf die Bank dem Kunden aber nicht komplett in Rechnung stellen, wenn sie nach den Regeln rechnen muss, die sich aus der Rechtsprechung ergeben – wenn also der Kunde ein berechtigtes Interesse an der Auflösung des Darlehnsvertrages hat. Die Bank erhält ja auf einen Schlag die Restschuld zurück, die sie im Normalfall erst später bekommen hätte. Mit dem Geld kann sie Erträge erwirtschaften. Diese Erträge minimieren die Entschädigung. Die meisten Banken errechnen die Vorfälligkeitsentschädigung deswegen aus der Differenz zwischen den entgangenen Zinseinnahmen und den Erträgen aus einer Wiederanlage. Für die Rechnung wird unterstellt, dass sie das Geld aus der Kreditrückzahlung in Pfandbriefe investiert hat. Die Zinserträge fallen in der derzeitigen Niedrigzinsphase gering aus. Kunden, die einen Kredit mit hohen Festzinsen kündigen, müssen deshalb hohe Entschädigungen zahlen.

Neben dem Ersatz des Zinsschadens darf die Bank eine Bearbeitungsgebühr verlangen. „Wir halten maximal 150 Euro für zulässig“, sagt Hartmut Schwarz von der Verbraucherzentrale Bremen.

Bei der Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung haben die Banken gleich mehrere Tricks auf Lager:

Sondertilgung: Wenn Kunden laut Kreditvertrag neben den monatlich fest vereinbarten Raten Sonderzahlungen leisten durften, wird das gern von den Banken in ihrer Rechnung über die Entschädigung „vergessen“. Das ist zum Nachteil des Bankkunden. Vertragliche Sondertilgungsrechte mindern eine Vorfälligkeitsentschädigung. Dies folgt aus einem BGH-Urteil aus dem Jahr 2000. Die Bank muss in ihrer Berechnung des Zinsschadens unterstellen, dass der Kunde während der restlichen Kreditlaufzeit alle Sonderzahlungsmöglichkeiten ausgenutzt hätte. Durfte der Kunde während der Kreditlaufzeit die Monatsraten erhöhen, muss sie auch das berücksichtigen.

Datum der Wiederanlage: Gerne tricksen die Banken, wenn sie den Zinssatz für die Pfandbriefe auswählen, den sie für ihre Wiederanlage heranziehen müssen. In der Praxis erhält der Bankkunde kurz nach seiner Kündigung des Kredits eine Rechnung über die Vorfälligkeitsentschädigung. Darin wird der Zinssatz für den Tag herangezogen, an dem die Bank die Berechnung aufgestellt hat. Maßgeblich ist aber eigentlich der Pfandbriefzinssatz an dem Tag, an dem der Kunde die Restschuld an die Bank überweist. Sinken die Anlagezinsen zwischen Rechnungstellung und Rückzahlung, ist die von der Bank anfangs errechnete Entschädigung zu niedrig. Steigen die Zinsen ist der geforderte Betrag zu hoch.

Weil die Fehler in den Rechnungen der Banken nur schwer zu entdecken sind, sollten Betroffene die Zahlen der Bank im Zweifel immer von Experten überprüfen lassen, rät „Finanztest“.



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