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Bande gegen Bande - Gewaltexzess am Friedhof

veröffentlicht am 28.05.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:35 Uhr

Hameln (ube). Zwei Banden, deren Mitglieder einen Migrationshintergrund haben, sind zu mitternächtlicher Stunde in Hameln aufeinander losgegangen - die Männer im Alter von 18 bis 32 Jahren standen sich in der Nacht von Donnerstag auf Freitag auf der Deisterstraße in Höhe des Friedhofes gegenüber. Einige hatten Holzlatten dabei. Es gab Verletzte.

Mit einem Großaufgebot an Kräften ging die Polizei dazwischen. Das bestätigte die Inspektion auf Anfrage der Dewezet. Unser Foto: Im Kampf gegen Straßenkriminalität unterstützen Bereitschaftspolizisten die heimische Inspektion. Bei dieser Kontrollaktion auf der Bahnhofstraße wird ein Tatverdächtiger durchsucht. Er soll zu einer der Problemgruppen gehören, war bei der jüngsten Massenschlägerei aber nicht dabei.

 Um 23.30 Uhr gingen die beiden rivalisierenden Gruppen junger Männer im Alter von 18 bis 32 Jahren aufeinander los. Fäuste flogen, Latten wurden zu gefährlichen Schlagwaffen. Zwei Hamelner (21, 29) wurden am Kopf verletzt. Die Polizei trennte die höchst aggressiven Cliquen „mit einfacher körperlicher Gewalt“, wie die Inspektion auf Nachfrage mitteilte. Die Polizeibeamten sprachen 40 Platzverweise aus. Der Gewaltexzess soll im Zusammenhang mit der jüngsten Verhaftung eines Rädelsführers (23) stehen (wir berichteten). Nach Erkenntnissen der Ermittler werfen dessen Gefolgsleute der anderen Gruppe vor, schuld daran zu sein, dass ihr „Boss“ seit dem 6. Mai im Gefängnis sitzt. Der Hamelner ist in der Vergangenheit immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt geraten; er gilt in Polizeikreisen als gewaltbereit, unkooperativ und unbelehrbar – und wird von vielen gefürchtet. Er soll Anführer eine Gang sein, die in den vergangenen Monaten auf den Straßen von Hameln für Unruhe gesorgt hat. Die Inspektion bezeichnet den 23-Jährigen als Intensivtäter. Ihm wird aktuell schwerer Raub, räuberische Erpressung, Körperverletzung sowie Widerstand gegen Polizeibeamte und Beleidigung vorgeworfen. Gegen den „Boss“, der schon hinter Gittern gesessen hat, laufen fünf weitere Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzungs- und Eigentumsdelikten. Zur Überraschung der Polizei hat ein Richter gestern den Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt. Der mutmaßliche Serientäter befindet sich also wieder auf freiem Fuß. Der Haftprüfungstermin sei bereits vor einiger Zeit anberaumt worden, hieß es. Als vor drei Wochen Untersuchungshaft angeordnet wurde, hatte Oberkommissar Jörn Schedlitzki mitgeteilt: „Da sich der Beschuldigte nach Ansicht des Amtsgerichts in Hameln nicht von der Begehung weiterer erheblicher Straftaten abhalten lässt, bereits in einem abgeschlossenen Verfahren auf Zeugen eingewirkt hat und das erneut versucht hat, sowie der Tatsache, dass aufgrund der dem Haftbefehl zugrunde liegenden Tatvorwürfe eine hohe Freiheitsstrafe zu erwarten ist, wurde Untersuchungshaft angeordnet.“ Was den Richter zum Umdenken bewogen hat, ließ sich gestern nicht feststellen. Polizeibeamte zeigten sich sehr enttäuscht von der Entscheidung.
 Nach Überfällen auf heimische Diskotheken hatte die Inspektion den Streifendienst verstärkt und Bereitschaftspolizisten angefordert, um vor allem nachts personell auf alles vorbereitet zu sein.
 Ein Augenzeuge (38) schilderte der Dewezet, wie er die Situation am Donnerstagabend auf der Deisterstraße erlebt hat: „Plötzlich liefen von allen Seiten Männer zusammen. Sie beschimpften sich gegenseitig. Einige hielten Knüppel in den Händen. Es war eine explosive Stimmung, ein Tumult. Jemand hat die Polizei gerufen. Ich habe mich gewundert: Die Beamten waren schon nach ein paar Minuten vor Ort. Ihr schnelles Eingreifen hat mit Sicherheit Schlimmeres verhindert.“
 Nach Angaben von Oberkommissar Schedlitzki waren 18 Personen an der Schlägerei beteiligt. „Es kamen immer mehr hinzu. Diese Leute haben sich mit den Kontrahenten solidarisiert. Es wurde gepöbelt und provoziert.“ Durch das konsequente Handeln der Polizei sei es nicht zu einer Eskalation gekommen. Das Fachkommissariat für Gewaltdelikte ermittelt derzeit gegen vier mutmaßliche Schläger aus Hameln (18, 18, 20, 20) – und zwar wegen gefährlicher Körperverletzung. Die Inspektion dulde Vorfälle wie diesen nicht, sagte deren Leiter, Polizeidirektor Ulrich Knappe. „Massenprügeleien oder mit Holzlatten bewaffnete Gruppen sind aus rechtsstaatlicher Sicht nicht zu tolerieren. Die uns durch Kontrollaktionen bekannten Mitglieder beider Gruppen werden sich bei den Nachermittlungen zum Vorfall auf der Deisterstraße und auch zukünftig auf ein konsequentes Vorgehen der Polizei einstellen müssen.“



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