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Landkreis hat kein Geld für neue Pausenhof-Lösung an Kielhornschule / Eltern suchen Sponsoren

Ballspielen verboten, weil der Zaun zu niedrig ist

HAMELN. Die Kinder der Heinrich-Kielhorn-Förderschule dürfen auf dem Schulhof nicht mehr Ballspielen. Nicht einmal Basketball in einer Ecke des Hofs. Aus Sicherheitsgründen, seit knapp eineinhalb Jahren. Der etwa ein Meter hohe Zaun zur Wilhelm-Busch-Straße sei zu niedrig, verirrte Bälle könnten den Verkehr treffen, heißt es vom Landkreis Hameln-Pyrmont.

veröffentlicht am 05.04.2019 um 13:15 Uhr
aktualisiert am 08.04.2019 um 12:50 Uhr

Ballspielen ist derzeit noch nicht einmal in einer Ecke des Schulhofs möglich - der Landkreis hat es verboten. Weil der Landkreis kein Geld hat, haben die Eltern - – hier die Fördervereinsvorsitzende Kerstin Martini - die Sache selbst in die Hand gen
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Was wiederum nicht heißt, dass die Behörde als Schulträger den notwendigen Fangzaun bezahlen würde. Dafür ist derzeit und wohl auch in den nächsten Jahren kein Geld da – es wird derzeit vor allem in den Brandschutz investiert, daneben in Trinkwasserhygiene und Arbeitssicherheit.

„Einen drei Meter hohen Zaun hätten wir auch gar nicht gewollt, sagt Kerstin Martini-Toussaint. „Wir sind schon behindert, wir wollen nicht noch hinterm Zaun leben – wie im Zoo.“ Ihre Tochter ist inzwischen in der zwölften Klasse der Förderschule, es ist das letzte Jahr der 18-Jährigen. Martini-Toussaint engagiert sich dort seit vielen Jahren, als im Elternrat und ist Fördervereinsvorsitzende. So eine Sache wie mit dem Zaun sei ihr in all den Jahren noch nicht untergekommen. Ballspielen, sagt sie, sei für Kinder mit Behinderung Kinder unverzichtbar, mehr noch als für andere. „Es entspricht den psychischen, emotionalen und motorischen Bedürfnissen der Kinder in besonderem Maße.“ Schulleiter Norbert Lichtenberg bestätigt, dass sich das Ballspielen in der Pause nachhaltig auf den Unterricht auswirke. Ohne diese Möglichkeit seien vermehrt Konflikte zu beobachten.

Wir sind schon behindert, wir wollen nicht noch hinterm Zaun leben – wie im Zoo.

Kerstin Martini-Toussaint, Elternratsvorsitzende

Doch warum spielen die Sicherheitsgründe überhaupt eine Rolle und vorher nicht? Die gesetzliche Grundlage gebe es schon länger, das Gesetz werde seit einiger Zeit einfach enger ausgelegt, erklärt der Lichtenberg. Dass der Schulhof aus Sicht des Landkreises zum Ballspielen nicht geeignet ist, sei aufgefallen, als der die Schule den Wunsch äußerte, einen neuen zweiten Basketballkorb aufzustellen.

Weil die Eltern die Situation nicht länger hinnehmen wollten, fingen sie an, selbst zu planen. Zunächst ging es um eine umzäunten Soccer-Court (eine Art Käfig zum Fußballspielen) und einige Spielgeräte. Eine gemeinsame Finanzierung mit dem Förderverein lehnte der Landkreis aus den genannten Gründen ebenfalls ab.

Die Eltern haben dennoch weitergemacht, sie arbeiten inzwischen sogar mit Fachleuten zusammen, weil der Landkreis ein Gesamtkonzept für die Schulhofgestaltung haben möchte. Das Ergebnis wurde der Behörde Anfang der Woche. Die Pläne umfassen inzwischen das Soccer-Feld, ein Außenklassenzimmer, eine Kletterpyramide, zwei Hängematten-Sitzgelegenheiten, eine Vogelnestschaukel, ein Pflanzbeet und einige Spielgeräte. Die Kosten für alles zusammen liegen bei gut 100 000 bis 120 000 Euro. Eine Menge Geld für den Förderverein und die bisherigen Sponsoren. Norbert Lichtenberg will das Vorhaben deshalb in verschiedene Bauphasen teilen.

Über jede Unterstützung durch weitere Sponsoren sei man froh, sagt Kerstin Martini-Toussaint. Sie räumt ein, dass die Eltern bereits einige Male kurz davor waren, zu resignieren. „Aber wir Eltern von behinderten Kindern haben gelernt, zu kämpfen, bei Krankenkassen, Behörden, überall.“

Mein Standpunkt
Dorothee Balzereit
Von Dorothee Balzereit

Dass die Eltern selbst tätig werden, ist lobenswert. Und auch Brandschutz ist wichtig, ohne Zweifel. Doch die Frage, ob wirklich noch mit Augenmaß investiert wird, wenn kein Geld für andere wichtige Investitionen in Schulen mehr übrig bleibt, muss erlaubt sein. Dazu gehört insbesondere die Problematik, nach welchen Kriterien die Schulen für die Nachrüstung eines zweiten Rettungsweges bewertet werden sollen.



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