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Großer Publikumsandrang zur siebten Spätlesenacht

Balladen, Busch und Beetgeflüster

In zwei Durchgängen gab es für das Publikum an vier Leseorten Texte und Lieder, mal amüsant, heiter ironisch und leicht verdaulich, mal mit ernstem Hintergrund.

veröffentlicht am 18.02.2018 um 15:24 Uhr
aktualisiert am 18.02.2018 um 17:02 Uhr

„Heiko Postma rezitiert mit vollem Körpereinsatz. Foto: eaw
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Ernst August Wolf Reporter
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HAMELN. Ausverkauft! Die Veranstalter der siebten Hamelner „Spätlesenacht“ dürfen sich freuen. In zwei Durchgängen wurden an vier Leseorten Texte und Lieder präsentiert. Während auf der Eisbahn im Bürgergarten nächtliche Pirouetten gedreht werden, herrscht nebenan bei Radio Aktiv Gedränge. „Durchaus amüsant“, so das Motto unter dem Marita Kalmbach-Ließ, Manfred Wüstenfeld und seine Frau Angelika Texte von Tuchlosky, Enzensberger und Fritz Grasshoff lesen. Tucholsky ein Selbstläufer? „Klar“, sagt Manfred Wüstenfeld. „Und so aktuell wie eh und je“, ergänzt Kalmbach-Ließ. Dazu Musik von Reinhard Mey, Georg Kreisler und Max Rabe.

Am anderen Ende des Bürgergartens gibt’s im Kunstkreis nur noch Stehplätze. Der Andrang ist gewaltig. Balladen stehen auf dem Programm, vorgetragen von der ehemaligen Intendantin des Hamelner Theaters, Dorothee Starke. Auch Buchhändlerin Cornelie von Blum und Theaterdramaturgin Ilka Voß rezitieren Balladenklassiker wie Mörikes Feuerreiter. Die bewegen das durchweg bildungsbürgerliche Publikum. Musikalisch gibt’s Balladeskes von „Zogen einst fünf wilde Schwäne“ bis Hannes Waders „Ballade vom Fisch“.

Wer den Ort wechselt und durch die dunkle Nacht ins Bistro Vin & Vini eilt, den umfängt der Duft von frischem Flammkuchen, garniert mit heiter-ironischen Texten von Dewezet-Autor Jens Meyer. Er ist das erste Mal dabei und liest unter anderem aus seinem „Beetgeflüster“. „Nein, keine schwere, eher leicht verdauliche Kost“, bestätigt Meyer, dessen literarische Häppchen dem Publikum sichtlich gut munden. Nach dem Zwischenspiel des Mindener Gitarristen Axel Proschko dann aber eine Zäsur. Stille und Betroffenheit greifen um sich als Dewezet-Chefreporter Ulrich Behmann über die Entstehung seines bundesweit beachteten Romans „Novemberwut“ berichtet. „Wie geht es ihr heute“, fragt eine junge Frau leise. Behmann berichtet.

Dorothee Starke, Cornelie von Blum und Ilka Voß rezitieren Balladen. Foto: eaw
  • Dorothee Starke, Cornelie von Blum und Ilka Voß rezitieren Balladen. Foto: eaw
Leicht verdauliche Kost aus seinem Buch „Beetgeflüster“ servierte Dewezet-Autor Jens Meyer. Foto: eaw
  • Leicht verdauliche Kost aus seinem Buch „Beetgeflüster“ servierte Dewezet-Autor Jens Meyer. Foto: eaw

„Wir wollen auch Aktuelles und Kritisches nicht ausblenden“, erklärt Spätlesenacht-Mitveranstalter Carsten Holzendorff.

Weiter geht es zur Buchhandlung Matthias. Ein Weg, der sich lohnt, denn wenn Heiko Postma in ein literarisches Thema einführt, ist das wahrer Zuhörgenuss. Egal, ob Sherlock Holmes, Karl May, Paul Temple oder wie an diesem Abend Wilhelm Busch, Postma inszeniert seine literarischen Helden – und sich selbst – vortrefflich. Detailreiche, dennoch höchst spannende und witzige Biografien begeistern die Zuhörer auch an diesem Abend. Kein Wunder beim Klassiker Wilhelm Busch sollte man meinen, aber Postma lässt den Altmeister aus Wiedensahl auf eigene Art transparent werden. Selbst dessen antisemitische Anwandlungen weiß der Literaturexperte nachvollziehbar zu erklären.

„Es sind die anerzogenen Vorurteile der Zeit, die viele Literaten teilten, kein bösartiger, eher ein selbstironischer Antisemitismus“, sagt Postma. „Schauen sie auf Wilhelm Hauff oder Gustav Schwab, da finden Sie das auch“. Wegstreichen wegen political correctness? „Keinesfalls“, plädiert Postma entschieden und findet Zustimmung.

Mit unterschiedlichen Lese- und Hörgenüssen vollgesogen endet die Spätlesenacht gegen 22 Uhr.



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