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Gibt es ein grundlegendes Problem mit den Fernwärme-Leitungen?

Bald wieder freie Wege auf dem Weihnachtsmarkt

HAMELN. Dritte Baustelle am selben Platz innerhalb einiger Monate – Enertec samt Vertragsunternehmen mussten in der Vergangenheit schon häufiger zum Hamelner Markt ausrücken, um einen Defekt an der Fernwärmeleitung zu reparieren. Das als Zeichen dafür zu werten, dass das Leitungsnetz grundsätzlich überholungsbedürftig sein könnte, ist nach Aussage der Unternehmenssprecherin Yvonne Liebold aber nicht zulässig.

veröffentlicht am 28.11.2018 um 10:52 Uhr
aktualisiert am 28.11.2018 um 21:10 Uhr

Von der großen Baustelle auf dem Weihnachtsmarkt ist nur noch ein kleiner Bereich auf dem Markt übrig. FOTO: DANA
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Die Baustelle im September habe aus einem Altschaden an einer Leitung aus dem vergangenen Jahr resultiert, der 2017 nur provisorisch repariert worden sei und in diesem dann final. Vergangene Woche nun ein Schaden an der Ecke des Hochzeitshauses und dazu eine undichte Leitung vor der Sparkasse zählt Liebold selbst auf, sagt aber auf Anfrage: „Aus dem aktuell sehr auffälligen Schaden, beziehungsweise der empfundenen Häufung kann keine Besorgnis über ein grundsätzliches Problem mit der Hamelner Fernwärme abgeleitet werden.“

Die Leitungen im Netz, mit denen in Hameln etwa 1300 Immobilien versorgt werden, würden regelmäßig nach den „allgemein anerkannten Regeln der Technik überprüft“. Ein- bis zweimal pro Woche werden demnach die Umformstationen geprüft und die Anlagen würden nach TÜV-Standards und den Vorgaben des AGFW, dem Verband der Fernwärme, betrieben. Planmäßige Wartung und Instandhaltung sowie turnusmäßige Netzkontrolle zählten dazu. Trotzdem, so Liebold, „kann es in einem komplexen Netz zu nicht vorhersehbaren Störungen kommen“.

Etwa 50 Bereitschaftseinsätze habe die Enertec Hameln pro Jahr, davon handele es sich bei 30 bis 40 um „Probleme an Hausübergabestationen auf der Kundenseite“. 15 bis 20 Einsätze pro Jahr kämen dazu, bei denen die Fernwärmeleitungen oder Umformstationen betroffen sind. „Systemrelevante Störungen kommen sehr selten vor“, betont die Pressesprecherin.

Etwa 300 000 Euro kostet es Enertec jedes Jahr, Schäden und Störungen zu beseitigen und das Netz planmäßig zu sanieren. Die jüngste Baustelle am Pferdemarkt schlägt zudem mit 30 000 Euro zu Buche. Hätte das Unternehmen die betreffende Leitung in der üblichen Zeit erneuert, wäre es nach Schilderungen des Enertec-Mitarbeiters Kai Gnuschke günstiger geworden. Nacht- und Wochenendarbeit gehen ins Geld – im Dreischicht-Betrieb rund um die Uhr, erzählt Gnuschke, sei gearbeitet worden, um die Baustelle im Weihnachtsmarkt so schnell wie möglich wieder zu schließen. „Normalerweise braucht es 14 Tage“, sagt Gnuschke über die Erneuerung der Hauptversorgungsleitung zwischen den beiden Schächten auf 18 Metern Länge. Oberstes Ziel sei gewesen, die Versorgung der Haushalte sicherzustellen, gerade in der kalten Jahreszeit. Doch auch die Beeinträchtigung für Standbetreiber und Weihnachtsmarktbesucher sollte so schnell wie möglich wieder der Vergangenheit angehören.

Das Leitungsnetz für Fernwärme in Hameln, durch das etwa 110 Grad heißes Wasser gepumpt wird, ist nach Unternehmensangaben zirka 60 Kilometer lang. Die Leitungen liegen hauptsächlich in der Altstadt, der Südstadt, und in einigen Teilen der Nordstadt und von Afferde. Die jüngsten Leitungen sind laut Liebold einen Monat alt, die ältesten 60 Jahre. Das Alter spiele jedoch für den Zustand der Leitungen nicht unbedingt die entscheidende Rolle, „sondern der Gesamtzustand und die Belastung“. „Aufgrabungen von Fremdgewerken und die daraus erfolgten Setzungen des Erdreiches“ stellen demnach eine größere Belastung dar. Im Fall der Baustelle auf dem Markt beispielsweise lasse sich rückwirkend betrachtet nicht ausschließen, dass die schweren Baufahrzeuge, die bei der Fußgängerzonensanierung ab 2010 eingesetzt wurden, die Leitungen „überproportional belastet haben“. Damals sei eine Netzanalyse des Abschnitts erfolgt, Ergebnis: „Es lagen keine Schäden vor.“ Und auch die Schadensstatistik des Bereiches sei unterdurchschnittlich gewesen.

Zwei Tage noch, dann soll am Samstag von der Baustelle nichts mehr zu sehen sein – zumindest nichts, was den Betrieb auf dem Weihnachtsmarkt behindern könnte. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag sollen die neuen Leitungen angeschlossen werden – dann nimmt Enertec rund 30 Anschlüsse kurzzeitig vom Netz; gegen 4 Uhr müsste es dann, wenn alles nach Plan läuft, in den Haushalten wieder warm werden können.


Info: Als kleine Entschädigung gibt Enertec 400 Gutscheine im Wert von je 5 Euro aus, die an den Ständen rund um die Baustelle eingelöst werden können. So lange der Vorrat reicht, können Gutscheine in der Dewezet-Geschäftsstelle abgeholt werden.



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