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DB: Zäune bringen nichts

Bahnstrom: Bundespolizist klärt Schüler über Gefahren auf

HAMELN. Immer wieder kommt es im Bereich von Bahnanlagen zu Tragödien. Im Juni starb ein Zehnjähriger in Hameln, weil er versucht hatte, sich an der 15 000-Volt-Oberleitung festzuhalten. Um solchen Unfällen vorzubeugen, geht die Bundespolizei in Grundschulen und klärt auf - zum Beispiel in Tündern.

veröffentlicht am 15.11.2018 um 16:50 Uhr
aktualisiert am 15.11.2018 um 19:55 Uhr

Immer wieder verleiten Güterwagen Kinder und Jugendliche zum Klettern. Wie gefährlich das ist, ahnen die meisten nicht. Foto: Dana
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Im März 2016 zog sich eine 18-Jährige schwerste Verbrennungen zu, und im August 2006 kam ein 15-Jähriger am Güterbahnhof ums Leben.

Seit 2006 gab es jährlich 150 Unfälle im Bereich der Bahn, an denen Personen beteiligt waren, erklärt Detlef Lenger, Präventionsbeamter der Bundespolizei. Fünf bis zehn Menschen sind im Durchschnitt seit 2010 gestorben. Die Gründe sind unterschiedlich, denn nicht nur im Umfeld der Oberleitungen lauern Gefahren.

Sie abzustellen, hat sich als schwierig erwiesen. Das Einzäunen von speziellen Gefahrenbereichen, zum Beispiel an Bahnübergängen, bringe nichts, argumentiert die Bahn. „Die Erfahrung zeigt: Die Zäune werden einfach eingerissen,“ so ein Sprecher. Die Halbwertzeit betrage zwei Monate. Außerdem könnten Personen um den Zaun herumlaufen, wenn sie es darauf anlegten.

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Mit einem Lego-Playmobil-Szenario erklärte Detlef Lenger den Kindern anschaulich, wie die unter Strom stehende Oberleitung Menschen verletzen oder töten kann, auch wenn man sie noch gar nicht berührt hat. Foto: doro

Bei der Bundespolizei setzt man deshalb seit einigen Jahren auf Prävention in Grundschulen. Detlef Lenger ist in ganz Südniedersachsen, wo insgesamt 1800 Kilometer Bahngleise verlaufen, unterwegs. Hameln, so sagt er, ist ein Eisenbahnschwerpunkt. Lenger kommt, wenn die Grundschulen ihn anrufen. Wenn etwas Tragisches passiert ist, geht er selbst auf die Schulen zu. Auch in Hameln hätte er sich gemeldet, doch die Schulen, die er im Visier hatte, meldeten sich von selbst. „Eigentlich müsste man in jede Schule gehen“, sagt Lenger. Aber derzeit ist er allein unterwegs.

Wie zum Beispiel am Mittwoch in Tündern. Auch in der Grundschule Rohrsen war Lenger schon, in die Wilhelm- Raabe-Schule geht er demnächst.

„Die Kinder hier haben schon einiges an Vorwissen“, sagt er über Tündern, in Rohrsen sei das anders gewesen. Gerade dort, wo der Güterbahnhof mit seinen verlockenden Gefahren nahe liegt, gibt es viele Kinder mit Migrationshintergrund.

Auf Waggons klettern, eine Abkürzung über die Gleise nehmen, Sitzen auf der Bahnsteigkante, auf Bahnanlagen spielen, Steine auf Gleise legen – die Liste der Gefahren im Bereich der Bahnanlagen ist lang. Detlef Lenger erklärte den Kindern anschaulich, in welche Gefahr sie sich bereits in der Nähe der Oberleitung begeben. Selbst Älteren ist oftmals nicht bewusst, dass es schon in zwei Meter Nähe zu den konstant unter 15 000 Volt Spannung gesetzten Oberleitungen zu Stromschlägen kommt. Und: Gegenstände sowie Flüssigkeiten, die auf Oberleitungen geworfen werden, verringern den Sicherheitsabstand und leiten den Strom durch den Körper. Die Kinder hören Detlef Länger aufmerksam zu und melden sich fleißig.

Die Bundespolizei setzt bewusst auf Prävention – weil sie hat nach eigener Aussage Erfolg damit hat. Die Zahl der Unfälle, an denen Personen beteiligt sind, ist nach Aussage von Detlef Lenger seit sechs Jahren unter 50 gesunken. Auch in Tündern hat es den Anschein, als sei vieles in den Köpfen der Kinder hängengeblieben.


Weitere Informationen gibt es unter dem Stichwort „sicher im Alltag“ auf der Seite www.bundespolizei.de.



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