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126 Geburten allein im Januar – ist die Klinik dem Ansturm gewachsen?

Babyboom im Sana

Hameln. Deutsche Frauen bekommen wieder mehr Kinder. Bundesweit gibt es einen richtigen Babyboom, der auch vor Hameln nicht Halt macht. 126 Geburten gab es im Sana Klinikum allein im Januar. Ist die Klinik diesem Ansturm gewachsen?

veröffentlicht am 05.02.2016 um 18:57 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:36 Uhr

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Wiebke Kanz

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Wiebke  Kanz Reporterin (in Elternzeit) zur Autorenseite
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Hameln. „Als wir ins Krankenhaus kamen, hat man schon total gemerkt, dass es superwuselig war“: An einem Vormittag Anfang Januar trifft Amelie Fischer (Name von der Redaktion geändert) mit ihrem Mann im Hamelner Sana-Klinikum ein. Die hochschwangere Frau hat seit dem frühen Morgen Wehen, die Abstände werden immer kürzer. „Ich habe die Atmosphäre als stressig empfunden“, sagt sie – und erfährt kurze Zeit später auch, warum: „Meine Hebamme sagte mir, dass in der Nacht viele Frauen eingeliefert wurden, die ihre Kinder bis zum Schichtwechsel am Morgen noch nicht geboren hatten.“ Fischer wird in einen sogenannten CTG-Raum gebracht, in dem die Herzfrequenz ihres noch ungeborenen Kindes und ihre Wehentätigkeit überwacht werden. In diesem Raum kommt um 11.08 Uhr auch ihre Tochter zur Welt. Dass Frauen außerhalb des Kreißsaales gebären, ist nicht ungewöhnlich – wenn beispielsweise alle drei Kreißsäle im Sana-Klinikum belegt sind oder der Geburtsvorgang bereits so weit fortgeschritten ist, dass man der werdenden Mutter einen Umzug in einen anderen Raum nicht zumuten will.

Was Fischer allerdings ungewöhnlich vorkommt: Bereits während der Geburt sollten die Hebammen, die sie betreuten, ein oder zweimal zu einer anderen Patientin abgezogen werden. Als Fischers kleine Tochter endlich auf der Welt ist, legen die Geburtshelferinnen sie ihr auf den Bauch, verlassen den Raum – und kehren für ganze drei Stunden nicht zurück. „Mein Mann musste um 13.15 Uhr los, unseren Sohn von der Tagesmutter abholen – zu dem Zeitpunkt hatte immer noch niemand nach uns geschaut.“

Der Eindruck, dass Fischers Tochter nach der Geburt nicht wirklich untersucht wurde, täuscht, sagt Dr. Thomas Noesselt, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe. direkt nach der Geburt – nach einer, fünf und zehn Minuten – werden Atmung, Herzschlag, Funktionieren von Muskulatur und Reflexen sowie Hautfarbe des Neugeborenen untersucht. Apgar-Score nennt sich dieses Schema, mit dem sich der klinische Zustand von Neugeborenen standardisiert beurteilen lässt – „das allerdings geschieht allein durch Betrachtung“, sagt Noesselt. „Das Kind wird dafür nicht von der Mutter getrennt.“

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  • 126 Babys wurden allein im Januar im Sana-Klinikum geboren. dpa

Fischers Eindruck: „Man merkte an diesem Tag eindeutig, dass das Sana-Klinikum für diesen Ansturm zu wenig Personal hat.“ Das Klinikum selbst allerdings sieht sich für einen Anstieg der Geburtenzahlen gut gerüstet: Drei Kreißsäle, weitere Entbindungsräume, ein Sectio-OP-Saal sowie mehrere CTG- und Überwachungsräume werden aufgelistet – „dadurch stehen immer genügend Entbindungsräume zur Verfügung“, heißt es aus dem Klinikum. „Auch das Personal ist mit zwei Hebammen und zwei Ärzten jeden Tag, rund um die Uhr, auch für besonders geburtenreiche Tage, vorbereitet.“

Von einem Ansturm lässt sich tatsächlich sprechen: In den vergangen fünf bis zehn Jahren wurden im Schnitt 1140 Kinder pro Jahr im Sana-Klinikum geboren. 2015 stieg diese Zahl stark an: 1273 Kinder, darunter 18 Flüchtlingskinder – so viele Babys gab es seit 15 Jahren nicht. Vergleicht man die monatlichen Durchschnittswerte, so wird der Anstieg noch deutlicher: 2014 wurden im Schnitt 97 Kinder im Sana-Klinikum geboren, 2015 waren es 107 (+10,31 Prozent), allein im Januar dieses Jahres kamen 126 Babys in Hameln zur Welt – 17,76 Prozent mehr als im Vorjahr. „Ich glaube aber nicht, dass der Trend anhält“, sagt Noesselt, „sonst würden 2016 mehr als 1500 Kinder im Sana-Klinikum geboren.“



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