weather-image
12°

Unesco würdigt Überliefertes / Stadt Hameln

Auswahl beginnt in diesem Jahr: Wird Rattenfänger Kulturerbe?

Hameln (fh). Andernorts mögen Marketingexperten grübeln, wie sich nur ein „Alleinstellungsmerkmal“ entwickeln lässt, das die Stadt von allen anderen abhebt. Hameln hat es seit 1284: die Rattenfängersage. Nun könnte die Geschichte von dem bunt gewandeten Fremden, den Nagern, der offenen Rechnung und den verschwundenen Kindern ein imposantes Siegel erhalten: Die Stadt sähe die Sage gerne auf der Unesco-Liste des „immateriellen Kulturerbes“.

veröffentlicht am 31.01.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 04.11.2016 um 17:41 Uhr

270_008_6152102_hm111_0102_1_.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Wir arbeiten schon seit längerem an dem Thema“, heißt es aus dem Rathaus. Über Details will man sich in Kürze äußern. Wie die Dewezet berichtete, hat die Verwaltung der ehemaligen Museumsleiterin Dr. Gesa Snell bereits angeboten, künftig für dieses Thema verantwortlich zu sein.

Das Unesco-Projekt ist noch relativ jung. Ein „Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes“ hat die Staatengemeinschaft im Jahr 2003 beschlossen. Deutschland ist bisher noch nicht mit von der Partie. Erst im vergangenen Monat, am 12. Dezember, hat der Bundestag den deutschen Beitritt beschlossen. Nun müssen noch die Bundesländer zustimmen. Ein Auswahlverfahren zum deutschen nicht gegenständlichen Kulturerbe dürfte nicht vor dem Sommer in Gang kommen. „Einzelheiten zur Auswahl werden wohl erst mit dem Beitritt kommuniziert“, sagt Benjamin Hanke von der deutschen Unesco-Kommission in Bonn. Zu erfahren ist bereits: Jedes Bundesland darf nur zwei Vorschläge im Jahr einreichen. Eine deutsche Unesco-Expertenkommission trifft die letztliche Auswahl. Das bundesweite Verzeichnis soll von Jahr zu Jahr wachsen.

Um das kulturelle Erbe kümmert sich die UN-Bildungs- und Kulturorganisation seit längerem. Seit den 70er Jahren werden Baudenkmäler, Stadtensembles oder Kulturlandschaften als „Weltkulturerbe“ ausgezeichnet. Mit dem „immateriellen Kulturerbe“ sollen nun auch „mündliche Traditionen und Ausdrucksformen“, „darstellende Künste“, „gesellschaftliche Bräuche, Rituale, Feste“, „Wissen und Praktiken im Umgang mit der Natur und dem Universum“ und „Fachwissen über traditionelle Handwerkstechniken“ gewürdigt werden, wie es in einem Info-Schreiben der Unesco-Kommission heißt. Auf die „Welt-“ vor dem „Kulturerbe“ wird bei diesen nicht gegenständlichen Kulturgütern verzichtet. Eine Aufnahme in die Liste dürfte dennoch der Erhebung zum „Weltkulturerbe“ gleichkommen.

Die Unesco-Liste wächst bereits. Dort finden sich etwa die Pfeifsprache der „El Silbo“ von der Kanareninsel La Gomera, die Pekingoper, der argentinische und uruguayische Tango, die Küche des Mittelmeerraumes, aber auch die Tradition des Bemalens und Dekorierens von Ochsenkarren in Costa Rica oder „die Schiedsgerichtsbarkeit zur landwirtschaftlichen Wassernutzung an der spanischen Mittelmeerküste“. Diese Beispiele finden sich auf der „repräsentativen Liste“. Eine weitere Unesco-Liste führt bedrohte Kulturgüter aus diesem Bereich auf, eine dritte gute Beispiele aus der Praxis – beispielsweise die „Bewahrung traditioneller Sport- und Spielarten in Flandern“.

Versilbert würde eine Aufnahme des Rattenfängers in die wohl nur in Frage kommende „repräsentative Liste“ vonseiten der Unesco nicht. Wuchern ließe sich mit dem neuen Pfund „Kulturerbe“ jedoch vermutlich im Wettstreit um Fördermittel und Touristen. Und welche Pflichten ergeben sich? „Mit dem Beitritt zu dem Übereinkommen verpflichtet sich Deutschland, für den Erhalt des Kulturerbes zu sorgen“, sagt Unesco-Referent Hanke. Handfestes bedeutet das offenbar kaum. „Letztlich ist die Kreativität der Träger dieses Erbes gefragt“, sagt Hanke.

Das Stichwort „immaterielles Kulturerbe“ hat allerdings nicht nur in Hameln Interesse geweckt. Anfragen gingen nun vermehrt bei der Unesco in Bonn ein, sagt Hanke: Sagen, Handwerkskünste, Tänze, Traditionen bestimmter Volksgruppen oder auch der Karneval seien Themen.

interessiert



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt