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Wolfgang Haendelers „Hamelner Geschichten“ im Museum aufgeführt

Auswärtsspiel im Pfannekuchen

HAMELN. Mit seinen „Hamelner Geschichten“ – letzte Spielzeit bereits im Pfannekuchenhaus uraufgeführt – war Wolfgang Haendeler definitiv in seiner neuen Heimat angekommen. Dabei hatte es Hamelns damals noch neuer Theaterchef nicht ganz einfach.
Seine erste, von ihm konzipierte Spielzeit, war nur eine halbe, weil in seinem Haus vorübergehend die Brandschützer die Regie übernommen hatten. So machte sich Haendeler nolens volens auf die Suche nach neuen Spielorten. Mehr noch: Er schrieb sich mit seinen „Hamelner Geschichten“ sozusagen in die Hamelner Geschichte.

veröffentlicht am 13.03.2019 um 20:45 Uhr

Die „Hamelner Geschichten“ Wolfgang Haendelers erinnern szenisch an wichtige Persönlichkeiten der Stadt. Foto: rp
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Autor

Richard Peter Reporter
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Sein Stück als „Auswärtsspiel“ im „Pfannekuchen“ ist sinnvoll mit Kulinarik verbunden, wie auch am angestammten Ort mit Elsa Buchwitz. Jetzt ist die Inszenierung, eine Art „Stationsdrama“, ins Hamelner Museum gewechselt. Auch hier sind die Geschichten an verschiedenen Orten angesiedelt.

Start im Kaminzimmer mit Karl Theodor Richard Lessing, der 1933 in Marienbad von Nazis erschossen wurde. Das erste Opfer Hitlers. Der Philosoph und Journalist, der sich schon damals für die Natur stark machte und die neuen, so unheilvollen Machthaber entlarvte, ist weitgehend vergessen, auch wenn ein Gedenkstein an Lüders Teich an ihn erinnert. Und so erinnert man sich auch an einen Lessing-Kollegen, der kürzlich in der saudi-arabischen Botschaft in der Türkei ermordet wurde. Wie sich die Bilder gleichen.

Am selben Ort spielt die fiktive Geschichte eines Hamelner Ehepaares, dessen Kinder mit dem Rattenfänger verschwunden sind. Aus tiefer Vergangenheit zurückgeholt: „Die Glückel von Hameln“ – die hier so wenig glücklich war und dennoch mit ihrer Autobiografie neue Wege eröffnete. Wunderschön im Biedermeier-Ambiente.

Zum Rattenfänger hat Haendeler einen hinreißenden Song geschrieben. Auf Englisch – und damit wird auch an Browning erinnert, den ewig von der so vergesslichen Stadt Vergessenen. Und klar doch: Als Theatermann sieht Haendeler im „Bunting“ einen Künstler. „The most famous guy of the town was an artist“, heißt es da – und Kunst satirisch gebrochen, als nicht ganz ungefährlich. Nicht nur für den Künstler – „and please pay the artists as fair as you should“. Man sollte sie jedenfalls nicht reizen. Weil Kunst allemal magische Kräfte besitzt.

Schließlich Elsa Buchwitz, „Hexe“ und „Retterin“ hier vor einem Modell von Hamelns Altstadt. So ganz anders Elsa – eher Marlene – als von Hamelnern erinnert. Aber bewundernswert, wie wandlungsfähig Christiane Ostermayer ihre Figuren nachzeichnet. Und nie ganz einfach, dieser so distanzlose, direkte Kontakt zum Publikum – auch mit ihm. Eine beeindruckende Leistung. Auch von Christoph Linder in so unterschiedlichen Rollen, deren Bandbreite er voll ausspielt. Ganz selbstverständlich, quasi im Plauderton – um plötzlich in zitiertes Pathos zu wechseln. Grandios ist sein Rattenfänger-Song und als der durchaus mephistophelisch.

Theater an Spielorten, die nicht erst geschaffen werden müssen, seit Jahrhunderten auf ihren Auftritt warten, perfekt eingepasst von Friederike Karig. Ein Stoff mit Potenzial, denn Hameln besitzt mehr als es – vom Rattenfänger verwöhnt – zu erinnern hat. Zusätzliche Stichworte: Moritz, Sertürner, Jünger und eine Rosa Helfers. Vielleicht lässt sich aus den „Hamelner Geschichten“ so etwas wie eine Hamelner Geschichte zaubern.



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