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Wer auf den Bismarckturm steigt, blickt ins Grüne – nicht in die Ferne

Aussichtsturm ohne Aussicht

Hameln. Es wäre übertrieben, würde man behaupten, Wilfried Franke sei hunderte Kilometer zu Fuß gegangen, nur um einen Blick auf Hameln zu werfen. Aber eine so lange Wanderung hatte der Hamburger hinter sich. Und gegen einen schönen Ausblick hätte er auch nichts gehabt. Aber daraus wurde nichts.

veröffentlicht am 24.06.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 18:21 Uhr

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Frank Henke

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Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite
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Franke arbeitete bis vor Kurzem als Stadtplaner im Bezirksamt Nord der Hansestadt Hamburg. Als er in Rente ging, ging er auf Wanderschaft: Einmal durch Deutschland, von Hamburg bis an den Bodensee will er den Europäischen Fernwanderweg E 1 hinunter gehen. Nach etwa zwei Wochen kam er in der vergangenen Woche nach Hameln.

An einem heißen und stickigen Tag marschierte er hoch zum Bismarckturm. „Ich hatte einen tollen Blick erwartet“, sagt er. Er besorgte sich den Schlüssel im Restaurant, kletterte die 61 Holzstufen hinauf zur Aussichtsplattform und sah – außer Bäumen: wenig. Denn dem Aussichtsturm fehlt es an Aussicht. Zumindest dann, wenn die Bäume im Laub stehen. Im Winter indes – wenn die Blätter gefallen sind – ist der Turm geschlossen, erhielt der Langstreckenwanderer als Auskunft. Nun ist auch ein Stadtplaner im Ruhestand noch Stadtplaner genug, um das für einen Fehler zu halten. Gegenüber der Dewezet spricht er von „städtebaulichen Blickachsen“, die dringend gepflegt werden müssten – auch wenn dafür vielleicht fünf Buchen gefällt werden müssten.

Im Rathaus indes wertet man die Situation letztlich als Schicksal. Als der Turm vor 103 Jahren gebaut wurde, ragte er – wie auf alten Fotos zu sehen – deutlich über den Wald hinaus, heute nicht mehr. Ein „großer Kahlschlag“ für das Baudenkmal kommt jedoch für die Verwaltung nicht in Frage. Und anders, heißt es, wäre das Sichtproblem wohl nicht zu lösen.

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  • Mag Grün, aber auch den weiten Ausblick: Wanderer Wilfried Franke war vom Bismarckturm (re.) enttäuscht. Wal/Dana
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  • Mag Grün, aber auch den weiten Ausblick: Wanderer Wilfried Franke war vom Bismarckturm (re.) enttäuscht. Wal/Dana

Die Vorsicht der Stadtverwaltung kommt nicht überraschend: Schließlich wird fast jede Baumfällung im Stadtgebiet von Hamelnern diskutiert, nicht selten ihre Notwendigkeit hinterfragt. Eine Abholzaktion im Stadtwald könnte da auf wenig Gegenliebe stoßen. Ein kleines Dilemma, denn der 13,5 Meter hohe Turm zu Ehren des Reichskanzlers bleibt damit ein im Grunde ehemaliger Aussichtsturm.

Und der Wanderer Wilfried Franke? Der machte sich auf den Weg zum nächsten Turm. Am Klüt, hatte er schon von unten gesehen, ist der Ausblick auf Hameln noch nicht zugewachsen.



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