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Aus für die Osterfeuer?

Bürokratie bedroht Brauchtum: „Pflanzenabfallverordnung“ sorgt für Aufregung

veröffentlicht am 13.11.2014 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 01:41 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß
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Tündern. Wird es Osterfeuer bald nicht mehr geben? Bei der Sitzung des Ortsrates von Tündern stand das Thema unter dem lapidaren Titel „Osterfeuer unter den aktuellen Rahmenbedingungen“ auf der Tagesordnung. Doch es erwies sich als Aufregerthema Nummer eins. Bernd Mros vom Umweltamt der Stadt Hameln schilderte eindringlich die Überlegungen der rot-grünen Landesregierung, neue Regeln für Osterfeuer im Rahmen einer „Pflanzenabfallverordnung“ aufzustellen.

Nach Angaben von Mros hat sich vor allem die Abfallwirtschaft dagegen gewandt, dass pflanzlicher Abfall wie frisch geschnittenes Gesträuch nicht mehr kompostiert oder energetisch verarbeitet und stattdessen bei Osterfeuern verbrannt wird. Die entsprechende Verordnung habe bereits im Oktober erlassen werden sollen, doch gebe es offenbar noch Differenzen darüber, welches Ministerium die Federführung zu übernehmen habe. Die ursprüngliche Brennverordnung war am 31. März ausgelaufen. Mit ihr war auch die Genehmigung für die Kommunen erloschen, Brenntage festzulegen, die im Landkreis Hameln-Pyrmont allerdings schon vor langer Zeit abgeschafft worden waren, ohne dass dies die Osterfeuer betroffen hätte. Sie müssen in Hameln gemäß der Gefahrenabwehrverordnung von der Stadt genehmigt werden.

Wie Mros dem Ortsrat nun berichtete, soll nach den bislang bekanntgewordenen Plänen bei Osterfeuern nur noch abgelagertes Holz oder mit Schadorganismen belastetes Material und Treibgut aus den Flüssen zur Verbrennung kommen. Letzteres müsste dann aber von der Unteren Abfallbehörde des Landkreises genehmigt werden. Frisch geschnittene Zweige aus Gärten oder vom Beschnitt von Hecken an Feldwegen bei Osterfeuern zu verbrennen, soll die neue Pflanzenabfallverordnung untersagen.

Gleichzeitig soll erreicht werden, dass die teilweise riesigen Osterfeuer in Zukunft deutlich kleiner ausfallen als bisher und von den Städten und Gemeinden nur genehmigt werden, wenn sie sich eindeutig als „Brauchtum“ erweisen, aber nicht der Beseitigung pflanzlicher Abfälle dienen. Wobei Mros auf Nachfrage deutlich machte, dass der Begriff Brauchtum „sehr schwammig“ und schwer zu fassen sei. Zwar fasste der Ortsrat von Tündern keinen Beschluss zu dem brisanten Thema, gleichwohl forderte er seine Mitglieder und die Bürger auf, Druck bei ihren Abgeordneten zu machen, um die Osterfeuer von der geplanten Pflanzenabfallverordnung auszunehmen. „Was ist das für ein Unsinn“, wetterte einer der Besucher, „vor fünfzehn Jahren mussten wir Treibgut aus der Weser wegen seiner hohen Schadstoffbelastung als Sondermüll beseitigen lassen – und jetzt sollen wir das Zeug beim Osterfeuer verbrennen. Das ist doch völlig widersinnig.“ Ralph Wissmann (CDU) kündigte an, er werde als Landwirt die Feldwege künftig nicht mehr freischneiden, wenn er den Grünschnitt mit seinem Schleppzug nach Hilligsfeld auf die Kompostieranlage bringen müsse. „Dann lassen wir diese Art der Landschaftspflege eben bleiben.“

„Das geht doch alles überhaupt nicht“

„Für mich ist das ein ganz emotionales Thema“, warnte Herbert Habenicht (FDP) vor Einschnitten, die die Osterfeuer gefährden könnten. „Für uns haben die Osterfeuer eine klare Tradition und gehören zum Brauchtum unserer Dörfer. Die müssen erhalten bleiben, so wie sie bisher durchgeführt wurden.“ Auch Ortsbürgermeisterin Elke Meyer (SPD) machte klar Front gegen Versuche in Hannover, mit der geplanten Pflanzenabfallverordnung den sehr beliebten Osterfeuern enge Grenzen zu setzen. „Wie soll zum Beispiel die Verkleinerung der Feuer funktionieren, wenn die Menschen an den beiden Anlieferungstagen ihr Holz bringen? Sollen wir sie mit der Hälfte wieder nach Hause schicken? Das geht doch alles überhaupt nicht.“

Um eine Klarstellung in Sachen Osterfeuer zu erreichen, sind die kommunalen Spitzenverbände, der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund, der Landkreistag und der Niedersächsische Städtetag mit der Landesregierung im Gespräch. Nach Informationen von Mros soll sich auch der Landtag noch einmal mit dem Thema befassen. Gegen die Osterfeuer sind auch Naturschützer, die sich um Kleintiere sorgen, die sich in den vorbereiteten Haufen verbergen.



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