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Seeger und Lüdtcke unter neuem Namen / „Wir schließen uns keiner Partei an“

Aus AfD-Fraktion wird „Die Mitte“

HAMELN. Die AfD-Weserbergland spiegele nicht mehr den Wählerwillen wieder – das hatten Rico Lüdtcke und Horst Seeger im März als Begründung für ihren Austritt aus der Partei Alternative für Deutschland angegeben. Für die AfD waren sie im Herbst 2016 in den Hamelner Stadtrat gewählt worden, jetzt geben sie die Auflösung der AfD-Fraktion im Rat bekannt und erklären, dass sie eine neue, parteilose Fraktion gegründet haben. Der Name: „Die Mitte“.

veröffentlicht am 10.04.2017 um 16:57 Uhr
aktualisiert am 11.04.2017 um 09:58 Uhr

Kurzes Gastspiel: Die AfD schaffte es mit 5,86 Prozent der Stimmen in den Hamelner Rat, doch dort ist die Partei schon nicht mehr vertreten: Ihre beiden Ratsmitglieder (u.) traten aus. Sie nennen sich nun „Die Mitte“. Foto: dpa
Birte Hansen

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Birte Hansen Reporterin zur Autorenseite
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Für Lüdtcke und Seeger bleibt (fast) alles beim Alten: Sie behalten ihr Fraktionsbüro im Rathaus, ihre Sitze in den Ausschüssen, ihre Bezüge. Lüdtcke bleibt Fraktionsvorsitzender, Seeger sein Stellvertreter. Dass sich die beiden Ratsherren von der dem rechten Spektrum zugeordneten AfD namentlich weiter nach links bewegen, hat nach Seegers Äußerungen keinerlei Bedeutung. „Welche politische Richtung? Darüber haben wir uns keine Gedanken gemacht.“ Der Name „Die Mitte“ sei ganz spontan entstanden. Bislang haben Seeger und Lüdtcke sich in Sitzungen der Gremien, bis auf einmal, nicht geäußert und mit ihrem Abstimmungsverhalten zweimal gegen AfD-Linie gestimmt. Ob sich inhaltlich jetzt unter neuem Namen für sie etwas ändert? Seegers Antwort darauf: „Wir haben unsere eigene politische Gesinnung und unsere eigene Meinung, und wir schließen uns keiner Partei an.“ Dass seien sie ihren Wählern schuldig. „Wir hatten“ über 1000 Stimmen, sagt Seeger über sich und Lüdtcke. Dazu kommen gut 2700 Listen-Stimmen. Dass die beiden Ratsherren die Wähler aber bereits mit ihrem Austritt aus der AfD vor den Kopf gestoßen haben könnten, sieht Seeger so nicht. „Wieso? Weil ich meine eigene Meinung habe?“ Er müsse doch kein Sklave der Partei sein.

Welche politische Richtung? Darüber haben wir uns keine Gedanken gemacht.

Horst Seeger, Ratsfraktion „Die Mitte“

Seegers und Lüdtckes Parteiaustritt und die Gründung der neuen Fraktion sind nur zwei von zahlreichen Änderungen, die der Rat seit der Kommunalwahl im Herbst und der Nachwahl im Februar erfahren hat.

Den ersten Personalwechsel nahmen die Piraten noch im Wahlmonat September vor: Seither nimmt statt des gewählten Timon Wellhausen Claudia Schumann im Rat Platz, die von allen angetretenen Piraten-Kandidaten die wenigsten Stimmen erhalten hatte. Ebenfalls noch im September bildete für Außenstehende überraschend Manfred Voges von den Unabhängigen (DU) mit der CDU die CDU/DU-Fraktion. Grünen-Kandidatin Julia Maulhardt sorgte für eine Nachricht, die Wähler aufhorchen ließ: Sie kehrte den Grünen Ende Oktober per Parteiaustritt den Rücken und mischt seither als Parteilose im Rat mit. Seither sind die Grünen nur noch mit vier statt mit fünf Sitzen vertreten.

Horst Seeger
  • Horst Seeger

Weiteren Zuwachs dagegen erhielt noch einmal die CDU, dann schon in Form der CDU/DU-Fraktion: Klaus-Peter Symansky von den „Unabhängigen/Freien – Bürgerliste“ (UFB), der bis dato stets auf seine Unabhängigkeit bedacht gewesen war, übt seit Ende Oktober den inhaltlichen Schulterschluss mit der CDU/DU-Fraktion. Inzwischen ist auch er mit der CDU fest liiert.

Den vorerst letzten Rats-Coup landeten Seeger und Lücke, als sie im vergangenen Monat ihren Austritt aus der AfD erklärten. Damit erhöht sich die Zahl der Hamelner, die nicht bekommen, was sie gewählt haben: 2729 Hamelner wollten die AfD im Rat wissen und haben die Partei über Liste gewählt. Dazu kommen 1058, die ihr Kreuz bei den Kandidaten Seeger und Lüdtcke gemacht haben. Die Kandidaten sind noch dabei, die AfD ist es nicht mehr.

Unter den Piratenwählern dürften einige enttäuscht sein: 1150 hatten die Partei gewählt, 810 davon über Liste. Schumann hatte das schlechteste Ergebnis aller Piraten-Kandidaten erzielt, zog jedoch trotzdem in den Rat ein, weil alle anderen potenziellen Mandatsträger erklärt hatten, das Mandat nicht annehmen zu wollen.

Auch bei den Wählern der beiden Kandidaten der Unabhängigen (DU und UFB) könnte angenommen werden, dass sie „unabhängig“ meinten, als sie „unabhängig“ wählten. Die DU erhielt 1336 Stimmen, davon 694 über die Liste. Ihr Kandidat Manfred Voges koaliert mit der CDU.

Die Ex-Grüne Julia Maulhardt war auf Platz eins ihrer Partei gesetzt, erhielt 221 Stimmen und zog letztlich über die Liste in den Rat ein. Den Grünen standen mit insgesamt 7510 Stimmen nach der Wahl fünf Sitze zu. Nach Maulhardts Austritt ist die Partei jedoch nur noch von vier Ratsfrauen und -herren vertreten, weil Maulhardt an ihrem Mandat festhält.

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