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Nachts auf Hamelns Rathausplatz

Aufbau für den Wochenmarkt: Kein Job für Langschläfer

HAMELN. Schon drei Stunden vor dem Verkaufsstart beginnt der Aufbau für den Hamelner Wochenmarkt. Früh aufstehen muss sein: Erhard Loenicker etwa ist mittwochs und samstags ab 3.30 Uhr auf dem Rathausplatz, um den Stand einzurichten und vorzubereiten. Viel Schlaf bekommt er nicht. Doch daran hat er sich gewöhnt.

veröffentlicht am 11.07.2018 um 17:03 Uhr

Noch ist der Rathausplatz fast leer. In wenigen Stunden beginnt der Wochenmarkt. Foto: mo
Muschik, Moritz

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3.47 Uhr: Es ist früh, eigentlich noch mitten in der Nacht. Laternen leuchten den Rathausplatz aus. Nur das Klirren von Metallstangen ist zu hören. Erhard Loenicker, der Karohemd und grüne Schürze trägt, ist gerade angekommen – und baut den Stand der Bioland-Gärtnerei Ulenburg auf. Der 61-Jährige ist der Erste an diesem Mittwoch. „Man weiß nie, was auf der Straße los ist“, sagt der Gärtner und streckt sich, um die gelbe Plane über das Gestänge zu spannen. Sie soll später unter anderem Tomaten, Avocados und Äpfel schützen.

Erhard Loenicker möchte sich nicht stressen, lieber in Ruhe den Stand aufbauen. Immerhin kommt er aus Löhne, rund eine Fahrtstunde von Hameln entfernt. Um 2.30 Uhr nachts hat er sich auf den Weg gemacht, um alles rechtzeitig vorzubereiten. Für den Verkauf bekommt er später Unterstützung. Seit 18 Jahren arbeitet er für die Gärtnerei, ist für den Job aus München hergezogen. Mit dem berühmten Viktualienmarkt könne Hamelns Wochenmarkt zwar nicht ganz mithalten – doch „sehr gut“ findet Erhard Loenicker ihn trotzdem. Er schätzt das angenehme Verhältnis mit Kunden und Kollegen. Seit Anfang des Jahres ist er mittwochs und samstags auf dem Rathausplatz.

Früh aufgestanden ist auch Marianne Piepenbrink, die den Stand des Familienbetriebs aufbaut. Bevor sie und ihre Tochter unter anderem Eier, Bohnen und Kartoffeln auslegen, muss die 58-Jährige die Markise ausfahren und die Stromversorgung sichern. „Ich brauche Zeit für den Aufbau, sonst muss ich mich so hetzen“, meint sie. Tochter Cathrin hat mit ihrem Mann den Betrieb übernommen, der inzwischen in dritter Generation geführt wird. Sie hat kein Problem damit, wenn der Wecker mal wieder früh klingelt. „Das ist Veranlagung. Ich bin eh Frühaufsteherin“, sagt sie. Im Sommer sei sie ohnehin immer frühmorgens unterwegs, etwa zur Ernte auf dem Feld. Auch ihr Betrieb muss mit demAngebot der Discounter konkurrieren. „Das Kaufverhalten hat sich geändert“, stellt Marianne Piepenbrink fest, die gegen 4.30 Uhr den Marktnachbarn mit Handzeichen auf den Stellplatz nebenan dirigiert.

Claudiu Marinescu ordnet Gurken auf der Verkaufsfläche. Einige Kisten hat er noch vor sich. Foto: mo
  • Claudiu Marinescu ordnet Gurken auf der Verkaufsfläche. Einige Kisten hat er noch vor sich. Foto: mo
Marianne Piepenbrink breitet eine Decke für Bohnen, Eier und Kartoffeln aus. Foto: mo
  • Marianne Piepenbrink breitet eine Decke für Bohnen, Eier und Kartoffeln aus. Foto: mo
Erhard Loenicker platziert die Waage auf einem kleinen Tisch. Foto: mo
  • Erhard Loenicker platziert die Waage auf einem kleinen Tisch. Foto: mo

Generell müssen die Ankunftszeiten der Beschicker aufeinander abgestimmt sein, damit der Aufbau auf dem Rathausplatz reibungslos läuft. Auch der Marktmeister aus der städtischen Ordnungsabteilung ist vor Ort. Er kann freie Plätze bei Bedarf kurzfristig zuteilen. Die meisten Beschicker haben jedoch einen festen Standplatz. Bis zum Beginn der Marktzeit um 7 Uhr sollte der Aufbau abgeschlossen sein. Pünktlichkeit ist daher wichtig. Schließlich nehmen die Vorbereitungen Zeit in Anspruch. Claudiu Marinescu, der für den Wochenmarkt aus Wennigsen kommt, ist seit 4.30 Uhr auf seinem recht zentralen Standplatz. „Ich habe einen relativ großen Stand. Es dauert einfach, alles vorzubereiten“, sagt er. Besonders das Auslegen von Obst und Gemüse sei zeitaufwendig.

5.55 Uhr: In etwas mehr als einer Stunde eröffnet der Wochenmarkt. Erhard Loenicker ist im Zeitplan, legt gerade Salatköpfe zurecht. Er will seinen Stand fertig aufgebaut haben, wenn die ersten Kunden kommen. „Ich will nicht in Hektik geraten“, sagt der 61-Jährige. Viel geschlafen hat er nicht. Das kennt er mittlerweile. „Gewöhnungssache“, meint der Gärtner aus Löhne. Ob er nach mehr als zwei Stunden Aufbau erschöpft ist? „Nein. Das ist Routine und macht mir Spaß.“ Bis jetzt hat er es immer geschafft, alles rechtzeitig vorzubereiten. Auch heute wieder. Um 6.22 Uhr muss er nur noch die Preisschilder anbringen und die Tafel mit den Tagesangeboten beschriften. Er sagt: „Ich bin froh, wenn ich mit dem Verkauf anfangen kann.“ Erhard Loenicker ist bereit. Wenn in der Nacht zu Samstag der Wecker wieder klingelt, steht ihm der Aufbau in Hameln erneut bevor ...



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