weather-image
17°

Wenn er nicht da wäre, würde etwas fehlen: Pianist Stephan Winkelhake ist ein Sport-Gala-Künstler der ersten Stunde

Auf sanften Klangpfaden dezent im Hintergrund

Er spielt und spielt und spielt und spielt… Bei der Sport-Gala gehört er fast schon zum Inventar: Stephan Winkelhake ist ein Mann der ersten Stunde, hält sich aber immer dezent im Hintergrund. „Das ist mein Job“, sagt der Hüne aus Bückeburg, der so sanft die Tasten des Pianos streichelt. „Tapetenmusik“ nennt er mit einem Augenzwinkern die Musik, mit der er seit acht Jahren die Gäste beim Ball der Bälle in der Rattenfänger-Halle unterhält. Mit Geringschätzung hat das nichts zu tun. Im Gegenteil: „Wenn sie nicht da ist, fehlt was, ist sie zu aufdringlich, stört’s“, erklärt Winkelhake das Wesen von Hintergrundmusik. Dass er als Bar-Pianist in sein Spiel versunken zwischen lauter Menschen sitzt, die plaudern, lachen und miteinander anstoßen – das gehört dazu. Ihn stört’s nicht. „Darf es auch nicht, sonst ist man für so einen Job nicht geeignet.“

veröffentlicht am 06.02.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 01:41 Uhr

270_008_5187387_sg153_0402.jpg

Autor:

Karin Rohr
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Nur ein Job von vielen. Bei anderen Projekten steht der Musiker durchaus im Zentrum der Aufmerksamkeit. Er spielt in Bands, dirigiert Orchester, begleitet Künstler, ist in Musicals mit von der Partie. Und hat überhaupt kein Problem damit, sich für die gewünschte Hintergrund-Musik dezent zurückzunehmen: „Bar-Pianist ist auch sehr schön“, findet er. Und räumt ein, dass er dabei nicht immer nur ins Spiel versunken ist, geht ihm das Repertoire doch locker von der Hand: „Beim Spielen kann man auch schön rumschauen.“ Klar, eine besonders elegante Robe fällt ihm auf, aber: „Auch der Unfall, wenn sich jemand im Kleiderschrank geirrt hat“, schmunzelt er. Dass er nicht immer nur Augen für die ansprechende Verpackung hat – Schwamm drüber. So sind sie halt, die Männer.

Schon im zarten Alter von fünf Jahren machte Winkelhake seine ersten Tasten-Erfahrungen an der guten alten Heimorgel. Zwei Jahre später forderte er lautstark: „Ein Klavier, ein Klavier!“ Ein Instrument, dass sich allerdings nicht eben mal stemmen lässt, um es von Ort zu Ort zu transportieren. Und so reist er zur Sport-Gala immer mit seinem E-Piano an. 22 Kilo schwer ist dieses Ding mit Hammer-Mechanik, das samt Equipment bequem in einen Koffer passt, unter den Winkelhake Rollen montiert hat: „Da kann ich es wie einen Trolley hinter mir herziehen.“ Vom Foyer ins Grimm’s. Oder wohin auch immer. Mit seinem E-Piano ist der Musiker mobil: „Ich komme an, baue auf, spiele und fahre irgendwann wieder zurück.“ So ist das auch bei der Sport-Gala. Dort ist der Pianist zwar seit acht Jahren Dauergast, hat in der Rattenfänger-Halle aber noch keine Wurzeln geschlagen, wie Lästermäuler vermuten. „Ich kann aber auch problemlos bis August durchspielen“, amüsiert sich Winkelhake: „Danach müsste ich das Repertoire von Neuem starten.“

Sein Repertoire. Es ist so umfangreich, dass sich der Musiker jederzeit auf ein wechselndes Publikum einstellen kann: „Ich passe mich an“, sagt er: „Wenn Jüngere reinkommen, spiele ich auch mal etwas Aktuelles.“ Und er erfüllt gern Musikwünsche. „Letztlich geht es immer darum, akustisch eine nette Atmosphäre zu zaubern“, weiß der Bückeburger, egal, ob im Foyer oder in Grimm’s Restaurant.

Wenn Applaus das Brot jedes Künstlers ist, muss Winkelhake als Bar-Pianist stets Hunger leiden: Bei diesem Job ist Beifall nicht üblich. „Aber manche bedanken sich bei mir im Weggehen“, freut er sich. Dass Winkelhake nicht nur Klavier, sondern auch Klarinette spielt, dass er Musikwissenschaft und Instrumentalpädagogik studiert hat, sich exzellent mit Jazz, Rock und Pop auskennt und Schüler unterrichtet – das alles spielt keine Rolle, wenn der sympathische Riese an seinem Piano perfekt für leise Töne sorgt. Und in acht Jahren Sport-Gala in den „zehn Minütchen“ Pause, die er zwischendurch mal macht, vom Programm fast nichts mitbekommt.

Verlässlich greift Stephan Winkelhake auch diesmal beim Einlass der Ballgäste in die Tasten seines E-Pianos. Und spielt und spielt und spielt. Erst im Foyer. Danach im Grimm’s. Bis in die frühen Morgenstunden. Ganz dezent. Im Hintergrund.

Ein Vollblutmusiker, der sich bei der Sport-Gala dezent im Hintergrund hält: Stephan Winkelhake. Mit sanfter Bar-Musik sorgt der Pianist für eine schöne Atmosphäre.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?