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Von Glocken und Altären

Auf Entdeckungsreise in den Kirchen Hamelns

HAMELN. Das tut weh: Die Bilder der brennenden Pariser Kathedrale Notre-Dame gingen am Montagabend vielen Menschen nahe. Kirchen sind offenbar nicht nur alte Mauern oder Orte religiöser Rituale. Es sind Orte der Kultur und der Geschichte – der Geschichte einer Stadt, der persönlichen Geschichte ihrer Bewohner. Eine Herzensangelegenheit also. Wir sind auf einen Fotorundgang durch Hamelner Kirchen gegangen.

veröffentlicht am 16.04.2019 um 19:30 Uhr

Welche Schätzchen verstecken sich hinter den Mauern der Hamelner Kirchen? Foto: Archiv/Wal
Frank Henke

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Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite
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Gefunden haben wir keinen verborgenen funkelnden Kirchenschatz, aber manches schöne Schätzchen. Und übrigens: In Sachen Brandschutz sei man in Hamelns Gotteshäusern durchaus „auf Stand“, versichert Philipp Meyer, Superintendent des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Hameln-Pyrmont.

Münster

Das Münster St. Bonifatius ist ein Hamelner Kirchenschatz für sich: Die Krypta, zu der die Treppe links des Altars führt, ist sogar der älteste umbaute Raum Hamelns überhaupt.

Blick in die Krypta des Münster. Foto: Dana

Eine „Keimzelle des Münsters“ schreibt Wikipedia, eine „Gebärmutter der Stadt“ sagt der Superintendent: eine eigene kleine, stimmungsvolle Kirche mit niedriger Decke, die das sächsische Grafenpaar Bernhard und Christina von Engern und Ohsen, so heißt es, bald nach 800 errichten ließ. Doch nicht nur die Stufen nach unten, auch die nach oben lohnen sich im Münster: Der Weg hinauf auf den achteckigen Turm führt auf Holzstegen unter dem Dach und oberhalb der Gewölbedecke des Kirchenschiffs entlang. So bietet die älteste Kirche der Stadt schon vor dem weiten Aus- einen spannenden Einblick. Am Ende der Kletterpartie wird dann natürlich das ganz große Stadt- und Weserpanorama geboten.

Ausblick vom Münster auf die Marktkirche. Foto: Dana

Runde Sache: Nicht so beeindruckt wie die Radfenster in Notre-Dame und doch schön: die Rosette im Nordquerhaus des Hamelner Münsters. Geschaffen von Conrad Wilhelm Hase um 1875 nach einem Entwurf von Michael Welker.

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Die Warmbiers-Glocke an den Stufen hinab in die Krypta des Münsters ist Hamelns älteste Glocke: „anno domini 1451“ sei sie von einem „Hartmann“ hergestellt worden ist darauf zu lesen. Sie wurde nur bei Beerdigungen geläutet. Die Herkunft des Namens ist unklar: Vielleicht war „Warmbier“ der Name der Gießerwerkstatt, vielleicht geht er aber auch auf die Sitte zurück, nach Bestattungen warmes Bier zu trinken.

Hamelns älteste Glocke: die Warmbiers-Glocke im Münster. Foto: Dana

Marktkirche

Nicht besonders alt, aber ein echter Hingucker: Das Rundbogenfenster auf der Südseite des Seitenschiffes der Marktkirche zeigt – im Gegensatz zu den übrigen Fenstern – kein biblisches Motiv, sondern die Hamelner Sagengestalt.

Nicht heilig, aber eine Hamelner Ikone: der Rattenfänger in der Marktkirche. Foto: Dana

Ein Motivfenster zum Auszug der Kinder existierte in dieser Kirche bereits im Mittelalter und spielte so als eine der frühesten Quellen zur heute weltberühmten Sage eine wichtige Rolle. Doch es ist seit Jahrhunderten zerstört. Anlässlich des 700. Jubiläums der Sage bekam die Marktkirche dann 1984 ein neues Rattenfängerfenster. Entworfen wurde es damals – ursprünglich als Plakat – übrigens vom Grafiker und einstigen Dewezet-Redakteur Klaus Zimmer.

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, im April 1945, wurde die Marktkirche weitgehend zerstört. Wenig blieb von alter Pracht. Erhalten werden konnten immerhin Reste der barocken Reliefs des hannoverschen Hofbildhauer Johann Friedrich Ziesenis von 1768. An der Kanzel und links davon ist zum Beispiel eine vergoldete Abendmahlszene oder auch Frauengestalten als Symbole des Glaubens (mit Kelch und Bibel), der Liebe und der Hoffnung.

Reste barocker Pracht in der Marktkirche. Foto: Dana
Reste barocker Pracht in der Marktkirche. Foto: Dana

Hastenbecker Kirche

Schmuckkästchen am Schloss: In der Hastenbecker Kirche, erbaut im 17. Jahrhundert, beeindruckt der detailreiche Altaraufsatz. Im Zentrum: Jesus am Kreuz vor einer mittelalterlichen Dorfszene zeigt. An den Rändern Reliefs, die von einem vermutlich wesentlich älteren, gothischen Altar stammen.

Ein Seitenrelief des prächtigen Altaraufsatzes in Hastenbeck. Foto: roh

St.-Annen-Kapelle Wangelist

Ein „Gesamtkunstwerk“, ein „Kleinod“ sei die St.-Annen-Kapelle in Wangelist, schwärmt Superintendent Philipp Meyer. Dabei begann ihre Geschichte traurig. Sie wurde, gestiftet vom Aerzener Pfarrer Johannes Kreyenberg, 1469 vor den Toren der Stadt als Aussätzigenkapelle gebaut: für Lepra- oder Pestkranke. Herzstück des heute hübsch-verwunschenen Hauses: der Marien-Altar. Er stammt vermutlich aus der Schule des Conrad von Soest, ein bedeutender Maler des frühen 15. Jahrhunderts.

Herzstück der kleinen St.-Annen-Kapelle an der B1 ist der Marienaltar. Foto: eaw


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