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Auf diesem Areal rauchen die Köpfe

Hier wird gelernt, bis die Schwarte kracht.“ Werner Thiele, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Technischen Akademie Hameln, liebt markige Formulierungen. Hinter der Bildungseinrichtung liegt eine lange Odyssee. Jahrelang wurde eine geeignete Immobilie gesucht. Inzwischen hat das Unternehmen ein neues Domizil in der Rattenfängerstadt bezogen. Auf dem ehemaligen Wesertal-Gelände an der Bahnhofstraße ist ein Campus entstanden, den Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) bei der Eröffnung im vergangenen Dezember als „Meilenstein für die Entwicklung der Technologie“ bezeichnete.

veröffentlicht am 10.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 12.01.2017 um 21:40 Uhr

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Vor 20 Jahren hervorgegangen aus einem Förderverein der gewerblichen Lehranstalt, der heutigen Eugen-Reintjes-Schule, zählt die TA Hameln mit Dependancen in Hildesheim, Göttingen und Hannover inzwischen zu den führenden Weiterbildungseinrichtungen der Republik. „Es sind berufsbegleitende Lehrgänge, die hier in Vollzeit angeboten werden“, betont Frédéric Philipp Thiele. Der diplomierte Informatiker, Master of Sign und Sohn des Gründers agiert zusammen mit Frank K. Mauve als Geschäftsführer des Unternehmens, das inzwischen rund 50 verschiedene Weiterbildungslehrgänge anbietet und 52 Mitarbeiter beschäftigt. Hinzu kommen etwa 160 freie Dozenten. „Wir legen Wert auf fundierte Ausbildungen, intensive Prüfungsvorbereitungen und vor allem stets schnelle Reaktion auf neue Anforderungen des Arbeits- und Weiterbildungsmarktes“, betont der Junior. Deshalb seien jetzt auch Seminare zum Immobilienmakler und Immobilien-Fachwirt im Angebot.

Die zunächst im Wesentlichen auf den technischen Bereich konzentrierte Weiterbildung habe sich im Laufe der vergangenen 20 Jahre immer mehr zum Kaufmännischen gewandelt. „Geblieben ist nur noch der Name“, betont Werner Thiele. Von Beginn habe der ehemalige Lehrer einfache, aber heute noch gültige Zielsetzungen als Vorgabe festgelegt: fundierte Ausbildungen, hoher Anspruch an die Qualifikationen der Dozenten, Klasse statt Masse und intensive Prüfungsvorbereitungen.

„Die Produkte sind attraktiver, unsere Lehrgänge als Intensivkurse sehr komprimiert“, berichtet Thiele senior. Dabei gebe es keine Angebotsliste „wie bei der Volkshochschule“, vielmehr werde für jeden Teilnehmer ein spezieller, personalisierter Karriereplan erstellt. Egal, ob es sich um eine Meisterprüfung oder den Abschluss zum Betriebswirt handele. Am Ende stehe eine bundeseinheitliche Prüfung vor der IHK oder der Handwerkskammer.

Die Absolventen der Technischen Akademie Hameln gelten gemeinhin als hoch motiviert. „99 Prozent von ihnen sind Selbstzahler und geben in der Zeit, in der sie bei uns sind, alles. Nur ganz, ganz wenige springen ab“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Dementsprechend hoch sei auch der Anspruch an die Dozenten, die sich überwiegend aus der freien Wirtschaft rekrutieren. „Wer nichts taugt, fliegt raus“, kennt Werner Thiele kein Erbarmen.

Mit dem Erwerb des ehemaligen Wesertal-Areals hat die TA Hameln jetzt die Grundlage geschaffen, sich noch weiter auszuweiten, denn Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführung wähnen sich längst noch nicht am Ziel ihrer Träume. Zwar verfügt das Fort- und Weiterbildungsunternehmen nun über 32 moderne Unterrichtsräume unterschiedlicher Größen. Räume, die im Bedarfsfall auch externen Unternehmen zu Schulungszwecken zur Verfügung gestellt werden. Doch woran es nach wie vor mangelt, sind Übernachtungsmöglichkeiten. Mit Bett, Tisch und einer Sitzgelegenheit spartanisch eingerichtete Ein-Zimmer-Appartements – „es soll ja gelernt werden“, wie Werner Thiele betont – sind auf dem Areal zwar bereits geschaffen worden, doch sollen in schon vorhandenen Gebäuden weitere hinzukommen. Denn das Credo für den Campus lautet: „Du lernst hier, du isst hier, du schläfst hier – alles andere machen wir“, erzählt Werner Thiele und fügt hinzu: „Wir fördern, fördern, fördern und wenn man die Leute mitnimmt, passiert auch was.“

Doch weil der Bedarf an Übernachtungsmöglichkeiten wegen des großen Teilnehmerinteresses aus der gesamten Bundesrepublik, Österreich und der Schweiz an Fort- und Weiterbildung so groß ist, ist die Technische Akademie stets darum bemüht, möblierte Zimmer mit Kochgelegenheit und Bad in Hameln und Umgebung anzumieten. „Wer diesbezüglich etwas anzubieten hat, kann sich jederzeit bei uns melden. Wir sind dankbar für jede weitere Bleibe, die uns zur Verfügung gestellt wird“, sagt Frédéric Philipp Thiele.

Nicht ohne Stolz erzählen Aufsichtsratsvorsitzender und Geschäftsführung, dass für den recht zügigen Umbau zum Campus nicht ein Euro an Fördermitteln geflossen sei. „Das hat den Vorteil, von niemandem abhängig zu sein“, erläutert Werner Thiele. Er ist froh, endlich ein geeignetes Domizil gefunden zu haben, denn seit 2008 wurden unzählige Immobilien in Augenschein genommen, um den Traum vom Campus verwirklichen zu können. Auch die Heimatstadt Hameln stand zur Disposition. „Es gibt kein infrage kommendes Gebäude im Umkreis von 40 Kilometern, das wir uns nicht angesehen haben“, berichtet Frédéric Philipp Thiele. Dazu zählten auch das einstige Bomberg-Hotel in Bad Pyrmont und die Immobilie des ehemaligen St.-Georgs-Krankenhauses, die ebenfalls in der Kurstadt leersteht.

Beinahe wäre das Unternehmen nach Hannover umgesiedelt. „Die Landeshauptstadt ist besser zu erreichen, und den Teilnehmern ist es egal, ob sie in Hameln oder Hannover lernen“, weiß Frédéric Philipp Thiele. Denn zugesagte Unterstützung aus Reihen der Hamelner Verwaltung und Politik soll sich nach Worten des Seniors in Grenzen gehalten haben: „Verbal haben uns alle intensivst unterstützt …“, sagt er, ohne den Satz zu vollenden.

Er ist dennoch froh, dass mit dem Erwerb des Wesertal-Areals nun in Hameln der Grundstein für eine weiterhin positive Entwicklung der Technischen Akademie gelegt werden konnte. Schon jetzt ist dort ein kleiner Mikrokosmos entstanden: Mit einem Waschservice, Buchladen und diversen Freizeitmöglichkeiten. Freizeit allerdings ist für die Absolventen während ihres Aufenthaltes in Hameln ein Fremdwort. Sie müssen schließlich lernen, bis die Schwarte kracht …

Ein beachtlicher Campus ist auf dem früheren Wesertal-Gelände an der Hamelner Bahnhofstraße entstanden: 32 Unterrichts-, diverse Verwaltungsräume und eine Mensa für die Mittagspause finden sich auf dem Gelände der Technischen Akademie. Nur bei den Übernachtungsmöglichkeiten herrscht noch Mangel.

Der Campus der Technischen Akademie an der Hamelner Bahnhofstraße im Überblick.Grafik: TA Hameln



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