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Neues Dach für ehemalige Stuhlfabrik – Handwerksgesellen unterstützen Wohnprojekt

Auf der Walz in die Walkemühle

HAMELN. Sie hämmern, nageln und sägen, was das Zeug hält. An der Walkemühle wird das Dach neu eingedeckt. Der Dachstuhl der ehemaligen Stuhlfabrik muss auch repariert werden. 15 Wandergesellen, oder solche, die es noch werden wollen, haben sich dem Projekt angenommen.

veröffentlicht am 15.05.2019 um 06:00 Uhr

Die Wandergesellen verrichten ihre Arbeit auf dem Dach der Walkemühle. Foto: mw
Maximilian Wehner

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Bei dem Gebäude, in dem der Verein Freiraum untergebracht ist, handelt es sich um eine sogenannte Solibaustelle. Die Wandersleute arbeiten lediglich für Kost und Logis. Voraussetzung dafür ist, dass sich niemand durch die Arbeit bereichern kann und es dem Allgemeinwohl dient.

Schon seit Anfang Mai sind die Wandergesellen in Hameln an der Arbeit. Innerhalb von vier Wochen soll das Walkemühle-Projekt abgeschlossen sein. An einer „sozialen Baustelle“ zu arbeiten, sei nicht die Regel für die Handwerker auf Wanderschaft, nur zwei- oder dreimal im Jahr treffen sie sich, um ein gemeinnütziges Projekt zu unterstützen. An der Hamelner Walkemühle sind nicht nur Zimmerer, sondern auch Bootsbauer, Dachdecker, ein Goldschmied, Klempner und sogar ein Landwirt, die auf ihrer Walz von mindestens drei Jahren und einem Tag angereist sind, beteiligt. Einige der Wandersleute seien auch in der Walkemühle aktiv, durch persönliche Kontakte hätten sich auch andere der Walkemühle-Sanierung angeschlossen. „Es gibt auch Wandergesellinnen“, sagt Lala, Tischlerin aus der Region. Die Baustelle sei eine Herzensangelegenheit, sagt Michel, frei reisender Zimmerer, der wie Lala seinen Nachnamen – wie auf der Walz üblich – abgelegt hat. Projekte, wie das in der Walkemühle, seien vor allen Dingen dazu da, um Kontakte zu pflegen, meint Michel: „Bei solchen Baustellen lernt man sich kennen, vernetzt sich und knüpft neue Freundschaften.“

Seit Juni 2011 wird die Walkemühle vom Freiraum genutzt. 2014 hat der Verein das Gebäude von der Stadt gekauft. Über die Walkemühle GmbH, die von Mitgliedern des Freiraums gegründet wurde, soll über ein gemeinschaftliches Wohnprojekt neues Leben in die Walkemühle einziehen. Der GmbH steht ein Haus-Verein vor, in dem jeder Mieter des Hauses automatisch Mitglied ist. So soll die Gemeinschaft zusammen entscheiden, was richtig für das Haus ist.

Das Dach ist abgedeckt. Von der obersten Etage kann man bis auf den Klüt schauen. Foto: mw

Im Vordergrund aber steht das gemeinsame Interesse nach günstigem Wohnraum. „Jeder der Mieter zahlt eine geringe Miete, die bei rund fünf Euro pro Quadratmeter liegen wird“, sagt Kerstin Philipp, Mitbegründerin des Projekts. „Es ist unglaublich, wie viel wir geschenkt bekommen und wie viel Unterstützung wir erfahren. Einerseits natürlich durch die Wandergesellen, andererseits von umliegenden Firmen, Nachbarn, einzelnen Interessierten und den Freiraumbesuchern. Ständig stehen Leute vor der Tür, die ihre Hilfe anbieten“, sagt Kerstin Philipp voller Freude über die tatkräftige Unterstützung. Während der Arbeiten in der Walkemühle werden die Wandergesellen komplett bewirtet und haben dort auch einen Schlafplatz. Es werden regelmäßig Veranstaltungen organisiert, wie beispielsweise Tanzkurse, Kinoabende oder kleine Konzerte.

Nach dem Umbau seien mehrere Wohngemeinschaften geplant, wodurch insgesamt 25 Personen ein neues Zuhause finden sollen. Außerdem werde durch eine Rollstuhlrampe das Hochparterre barrierefrei erreichbar sein. Geplant ist auch eine sogenannte „Bude“, sagt Kerstin Philipp, ein Rückzugsort für Wandergesellen, um sich von Krankheiten zu erholen, Besuch zu empfangen oder sich neu zu orientieren und künftige Ziele zu planen. Weiterhin Bestandteil der Walkemühle werde auch der Freiraum Hameln sein.

Auffällig ist vor allen Dingen die Kleidung der Wandergesellen. In ihrer typischen Kluft mit schwarzen Hüten, Schlaghosen, Westen und Jacketts gehen sie auf die Walz, um Land und Leute kennenzulernen und ihre Arbeitskraft anzubieten. Sogar die Knöpfe an der Kleidung haben eine Bedeutung: Acht Knöpfe an der Weste stehen für acht Arbeitsstunden am Tag. Sechs Knöpfe am Jackett repräsentieren die sechs Arbeitstage der Woche. An den Ärmeln gibt es jeweils drei Knöpfe: Diese verkörpern drei Lehrjahre und drei Jahre auf der Walz.



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