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Ex-Museumsleiterin Gesa Snell kehrt zurück – um einen „Kulturentwicklungsplan“ aufzustellen

Auf der Suche nach einer Aufgabe

Hameln. Tritt ein Mitarbeiter nach einem „Sabbatjahr“ wieder in den Dienst der Stadtverwaltung, ist das an sich kein spektakulärer Vorgang. Anders im Fall von Gesa Snell, ihre Rückkehr wird zum Politikum. Zum 1. Juli soll die geschasste Museumsleiterin die Arbeit wieder aufnehmen. Nur stellt sich die Frage: Welche Arbeit?

veröffentlicht am 25.06.2013 um 21:46 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 17:41 Uhr

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Autor:

Frank Werner
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Die politische Brisanz dieser Frage lässt sich bereits daran erkennen, dass Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann sie lieber nicht beantworten möchte. Erst müsse Frau Snell selbst informiert werden, welche Aufgabe sie übernehmen soll, lautet die erschöpfende Auskunft aus dem Rathaus. Was wohl bedeutet: Nicht vor Montag, dem ersten Arbeitstag, will man die Ex-Museumsleiterin über ihre berufliche Zukunft aufklären.

Im Verwaltungsausschuss allerdings hat Lippmann die Katze längst aus dem Sack gelassen. Nach Informationen der Dewezet hat die Oberbürgermeisterin hinter verschlossenen Türen erklärt, Snell solle einen „Kulturentwicklungsplan“ für die Stadt erstellen.

Einen Kulturentwicklungsplan? Ironie der Geschichte, dass eine alte Forderung der Grünen, die vor mehr als zehn Jahren von der Stadtverwaltung als überflüssige Planungsbürokratie verworfen worden war, jetzt wieder auf den Tisch kommt. Unter finanziellen Vorzeichen, die im Vergleich zur damaligen Debatte kaum noch Handlungsspielraum für die „Entwicklung“ von Kulturangeboten lassen. Aktuell hat die Politik das Thema jedenfalls nicht auf der Agenda. Anders ausgedrückt: Einen Kulturentwicklungsplan hat bis jetzt noch niemand vermisst.

Weil die Ex-Museumsleiterin nach Ablauf ihres „Sabbatjahres“ jedoch eine „amtsangemessene“ Beschäftigung benötigt, die juristischen Anfechtungen standhält, wird das Projekt wieder aus dem Hut gezaubert. Die Beamtin mit Besoldungsstufe A 14 – was dem Salär eines Fachbereichsleiters entspricht – soll sich demnach um ein Einzelprojekt kümmern, für das unter anderen Umständen wohl kaum eine so hoch dotierte Stelle geschaffen worden wäre. Zum Vergleich: Andere A 14-Beamte leiten im Rathaus Abteilungen oder sogar Fachbereiche, sie gehören zum engeren Führungskreis.

Und noch eine Ironie der Geschichte: Einen von fünf Fachbereichsleitern hat die Mehrheitsgruppe gerade eingespart, die Stelle für „Bildung, Familie und Kultur“ ist vakant. Jetzt zieht eine Beamtin mit vergleichbarer Besoldung auf Umwegen wieder in das Kulturressort ein. Die von der Verwaltung heftig kritisierte Sparmaßnahme der Mehrheitsgruppe wird damit konterkariert.

Gesa Snell selbst möchte die neue Aufgabe nicht kommentieren. Offen bleibt damit, ob der Kulturentwicklungsplan zum Gegenstand eines weiteren Rechtsstreites wird. Gegen die Absetzung als Museumsleiterin, die von der Verwaltung vor einem Jahr als überraschender Beginn eines „Sabbatjahres“ camoufliert wurde, hatte Snell Klage eingereicht. Im Eilverfahren war sie damit jedoch vor dem Verwaltungs- und dem Oberverwaltungsgericht gescheitert. Die von der Stadt angeführten „innerdienstlichen Spannungen“ zwischen Snell und diversen Mitarbeitern über einen längeren Zeitraum wurden als „sachgerechter“ Grund für die Umsetzung bewertet. Das Urteil im Hauptverfahren vor dem Verwaltungsgericht steht allerdings noch aus.



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